Verhandlungen

Bestandsschutz endet: Wie geht es weiter im C-Haus?

| Lesedauer: 4 Minuten
Ann-Kathrin Schweers
Im Courvoisierhaus (C-Haus) an der Schulstraße in Reinbek treffen sich Jung und Alt. Musiker proben im Bandkeller, Kinder und Jugendliche engagieren sich für den Naturschutz und Vereine und Verbände wie der BUND, ADFC und Extinction Rebellion kommen hier zusammen.

Im Courvoisierhaus (C-Haus) an der Schulstraße in Reinbek treffen sich Jung und Alt. Musiker proben im Bandkeller, Kinder und Jugendliche engagieren sich für den Naturschutz und Vereine und Verbände wie der BUND, ADFC und Extinction Rebellion kommen hier zusammen.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Stadt und Buhck Immobiliengesellschaft sind in Verhandlung. Die verschiedenen Nutzer bangen um ihren Treffpunkt in Reinbek.

Reinbek. Seit Jahrzehnten ist das Courvoisierhaus (C-Haus) neben dem Gymnasium in Reinbek ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, ein Ort für Vereine und Verbände. Im Keller des Hauses befinden sich Proberäume für Musiker, es gibt eine Werkstatt und einen naturnahen Garten. Die BUND-Ortsgruppe Reinbek/Wentorf, die Klimaschutzinitiative Sachsenwald, der ADFC und die Sachsenwaldgruppe von Extinction Rebellion treffen sich hier. Im historischen Gebäude an der Schulstraße steht die Umweltbildung an erster Stelle.

Doch das C-Haus genießt nur Bestandsschutz, und dieser läuft Ende 2022 aus. Die Stadt Reinbek verhandelt jetzt mit dem Eigentümer, der Immobiliengesellschaft der Brüder Thomas und Dr. Henner Buhck, über die künftige Nutzung.

Stadt zahlt Betriebskosten – und die Sanierungskosten?

Benannt ist das Haus nach seinem einstigen Besitzer, dem Gärtner Courvoisier, der auf dem einst großen Außenareal allerlei exotische Bäume pflanzte. Ende der 1980er-Jahre ging das Haus in den Bestand der Stadt Reinbek über. Der große Garten sollte als Erweiterung für die Sachsenwaldschule dienen und verkleinerte sich von Zeit zu Zeit durch den Bau der Mensa und Sporthalle.

Um den Stadthaushalt aufzubessern, wurde das C-Haus gemeinsam mit rund 90 städtischen Wohnungen 2012 an die Immobiliengesellschaft der Buhcks veräußert. Über den Kaufpreis hielt man sich damals bedeckt. Schnell wurden Proteste der jugendlichen Nutzer laut – ein Kompromiss war der Bestandsschutz für zehn Jahre. Die Käufer hatten sich bereit erklärt, anstehende Sanierungen zu übernehmen und das Haus an die Stadt zu vermieten, die lediglich die Betriebskosten zahlt.

Bisher noch nicht über konzeptionelle Dinge gesprochen

Wie Bürgermeister Björn Warmer auf Anfrage unserer Zeitung nun erklärt, sind die nutzenden Vereine und Verbände auf die Stadt zugegangen mit der Bitte, sich für ein Fortführen der Nutzung einzusetzen. „Wir sprechen gerade darüber, was unter welchen Umständen wie möglich sein könnte“, sagt der Bürgermeister. Konkreter wird auch Thomas Buhck auf Nachfrage nicht. Die Gespräche verliefen positiv, aber ohne Hektik. Man spreche auch darüber, wie mit den altersbedingt anfallenden Instandhaltungsarbeiten am gut 100 Jahre alten Gebäude umzugehen sei. „Wir suchen nun nach einer vernünftigen Lösung für beide Seiten“, erklärt Thomas Buhck.

Über konzeptionelle Dinge sei bislang noch nicht gesprochen, so Buhck weiter. Soweit für die „Allgemeinheit gut verträgliche Gruppen“ das Haus nutzen, wolle die Immobiliengesellschaft dies unterstützen. Auch die Buhck-Stiftung, die Projekte im Umwelt- und Naturschutz verwirklicht, habe bereits Aktionen im C-Haus gestartet.

C-Haus in Reinbek könnte Nachhaltigskeitszentrum werden

Ulli Gerwe ist als Jugendbeauftragter der Stadt bislang für die Nutzung der Immobilie zuständig. „Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte. Heute ist der Schwerpunkt im C-Haus Umwelt- und Klimabildung“, sagt er. Entsprechend gebe es die Idee, das C-Haus nunmehr zu einem „Z-Haus“ zu machen, also einem Zukunfts-Haus.

Das kann Steffen Steinicke von der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion bestätigen, der an den Gesprächen mit der Stadt beteiligt war. „Unser Wunsch ist, dass das Haus ein Nachhaltigkeitszentrum wird“, sagt der Reinbeker. Im C-Haus werde tolle Arbeit geleistet, auch nach wie vor für junge Menschen, etwa durch die BUND-Kindergruppe oder durch die Naturwerkstatt für Kita- und Schulkinder, die auch durch die Stadt Reinbek gefördert wird. Das Haus sei einfach „Gold wert“, der Standort ideal, auch um Ehrenamtliche für eine Mitarbeit zu gewinnen.

Doch je näher der Zeitpunkt des Endes des Bestandsschutzes rücke, desto unruhiger werde er als Nutzer. „Alle Organisationen, die das Haus nutzen, würden sich freuen, wenn es weitergeht“, so Steffen Steinicke.

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