Aufruhr

Aumühle: Unzulässiger Kahlschlag auf 2000 Quadratmetern?

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Das gefällte Holz rund um die Aumühler Schule muss bis auf Weiteres liegen bleiben, die Arbeiten sind zunächst gestoppt.

Das gefällte Holz rund um die Aumühler Schule muss bis auf Weiteres liegen bleiben, die Arbeiten sind zunächst gestoppt.

Foto: Stephanie Rutke / BGZ

Fällungen um Aumühler Schule: Ausweisungen des Bebauungsplans nicht berücksichtigt. Verdacht auf massive Verstöße.

Aumühle.  Die Sachsenwaldgemeinde Aumühle ist in Aufruhr. Bürgermeister Knut Suhk (Grüne) kann sich kaum retten vor Anrufen und E-Mails, muss Bepöbelungen auf offener Straße über sich ergehen lassen. Grund ist der Kahlschlag rund um die Schule, um die Erweiterung des Spielplatzes, die Einrichtung von Parkplätzen und den Bau des Pfadfinderheims zu realisieren.

Bis vor Kurzem habe Suhk selbst keine Zweifel daran gehabt, dass die Arbeiten, die vor Ort in Absprache mit Bauhof, Revierförster, einem Forstwirt sowie einer Vertreterin des Bauamtes aus der Amtsverwaltung durchgeführt worden waren, gemäß dem Bebauungsplan verlaufen seien. Nun zweifelt auch der Bürgermeister.

Kahlschlag in Aumühle: Jetzt zweifelt auch der Bürgermeister

Hintergrund ist ein Besuch der Unteren Forstbehörde in Mölln am Dienstag. Die war auf den Plan gekommen, da ein Anwohner Beschwerde eingereicht hatte. „Bei dem Ortstermin waren auch zwei Gemeindevertreter anwesend, die ebenfalls ihr Unverständnis zum Ausdruck brachten“, erklärt der Pressesprecher der Behörde, Martin Schmidt.

Es folgt zwar noch eine eingehende Prüfung des Sachverhalts, doch die Behörde vermutet offenbar massive Verstöße: „Der jetzige Stand ist, dass ein Teil der Maßnahmen gemäß der von uns erteilten Waldumwandlungsgenehmigungen korrekt durchgeführt wurden, dass aber der Verdacht besteht, dass auf etwa 2000 Quadratmetern Fläche ein unzulässiger Kahlschlag durchgeführt wurde und dass in zwei Bereichen die Angaben des Bebauungsplanes zur Erhaltung von Einzelbäumen und zur Waldkulisse nicht berücksichtigt wurden. Gemäß Paragraf 5 Absatz 3 des Landeswaldgesetzes sind Kahlschläge verboten.“

Abtransport des Holzes bis auf Weiteres untersagt

Um den Sachverhalt zu prüfen, hatte die Behörde gemeinsam mit anwesenden Vertretern von Amt und Gemeinde die Einschlagsflächen mit den Darstellungen im B-Plan 11 b abgeglichen. „Und es wurde erörtert, wie die Gestaltung der Waldabstandsflächen ursprünglich abgestimmt war. Es bestand Übereinstimmung, dass Ausweisungen des B-Planes nicht berücksichtigt wurden“, erklärt der Pressesprecher. Um die Breite des laut B-Plan zu erhaltenden Waldbestandes beurteilen zu können, wären die 20 Meter breiten Abstandsflächen vor Ort grob eingemessen worden.

Der Abtransport des Holzes ist der Gemeinde bis auf Weiteres untersagt. So soll ein möglicher Verstoß gegen das Holzhandelssicherungsgesetz verhindert werden, das den Handel mit illegal gefälltem Holz verbietet. Ob dieses Gesetz greift, was eine Beschlagnahme des Holzes zur Folge hätte, muss sich zeigen.

Mögliche Konsequenz: Wiederaufforstung und Ahndung

Der Pressesprecher der Unteren Forstbehörde erklärt: „Wir haben heute die von uns festgestellten Sachverhalte und Verstöße an die Gemeinde Aumühle zur Anhörung herausgeschickt.“ Zehn Tage hat die Gemeinde nun Zeit, sich zu äußern. „Mögliche weitere Konsequenzen sind die Anordnung der Wiederaufforstung und die Prüfung auf Ahndung durch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren-Verfahren“, erklärt Martin Schmidt.

Wie Bürgermeister Knut Suhk erklärt, ist die Gemeinde auch beauftragt, einen Vermesser zu engagieren, der die Ausmaße der Rodungsarbeiten aufnimmt. Zunächst stehen die Maschinen rund um die Schule still, bis die Vorwürfe geklärt sind, und das Projekt gerät wohl um einige Wochen in Verzug. „Eigentlich sollte am Freitag spätestens alles abgeräumt sein, und wir wollten beginnen, das Areal wieder hübsch zu machen und aufzuforsten“, so Suhk. „Mutterboden sollte abgeladen, Mulch aufgetragen werden.“

UWG: Kahlschlag in Aumühle ist nicht ordnungsgemäß

Für die Fraktion UWG, die sich auf Anfrage schockiert über die Entwicklungen zeigt, sei klar, der Kahlschlag sei nicht ordnungsgemäß. Unter anderem der Schutzstreifen hätte nicht baumfrei sein dürfen, so der Fraktionsvorsitzende Alexander Bargon. Dass Bäume für die Umsetzung des Pfadfinderheims, für Parkplätze und anderes weichen müssen, stehe nicht zur Debatte.

„Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie“, so Bargon. Die übrigen Aumühler Fraktionen hatten sich ebenso unglücklich über das Ausmaß der Rodung gezeigt, doch zunächst Vertrauen in die Arbeit der Gemeinde gesetzt, die in Absprache mit sachkundigen Fachleuten abgelaufen sei.

( aksc )

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