Kreis Pinneberg

Wald weg: Minister kritisiert Quickborner Verwaltung

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Burkhard Fuchs
Weg ist der Wald: Diese Aufnahme entstand Anfang Januar.

Weg ist der Wald: Diese Aufnahme entstand Anfang Januar.

Foto: Burkhard Fuchs

Jan Philipp Albrecht sagt im Umweltausschuss des Landtags, dass es möglich gewesen wäre, die umfangreiche Rodung zu stoppen.

Quickborn.  Die Rodung eines zwei Hektar großen Waldes am Quickborner Birkenweg hat jetzt auch den Umweltausschuss des Landtages beschäftigt. Auf Antrag der FDP-Abgeordneten Annabell Krämer, die zugleich Fraktionschefin im Quickborner Rat ist, äußerte sich Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zu dem Vorfall.

Wie berichtet, hatte sich dieser in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr abgespielt. Albrecht sagte in dieser Videokonferenz des Ausschusses, dass die örtlichen Behörden vor Ort sehr wohl hätten eingreifen und die komplette Rodung dieses Mischwaldes hätten verhindern können.

„Im Zweifel unter Hinzuziehung der Polizei“

FDP-Frau Krämer fordert jetzt „eine lückenlose Aufklärung“ von der Quickborner Stadtverwaltung. „Wir wollen wissen, warum die Untere Forstbehörde erst am 30. Dezember eingeschaltet worden ist und warum die Verwaltung die Rodung nicht sofort unterbunden hat, als sie davon Kenntnis hatte.“ Denn nach Aussage der Forstbehörde, die laut Minister Albrecht per E-Mail am 30. Dezember um 18.43 Uhr über die Arbeiten informiert wurde, hätte zu diesem Zeitpunkt noch etwa ein Viertel des Waldes „gerettet werden können“.

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„Natürlich wäre es möglich gewesen, sich unmittelbar die Genehmigung (für die Rodung, Anm. d. Red.) vorlegen zu lassen und bei Fehlen der Genehmigung die Rodung einzustellen, im Zweifel auch unter Hinzuziehung der Polizeibehörde“, so Albrecht wörtlich. Denn es hätte sich „der Verdacht aufdrängen müssen, dass es keine Genehmigung für die Rodung gab.“

Fachbereichsleiter Felix Thermann sieht auf Anfrage dagegen kein fehlerhaftes Handeln bei der Quickborner Verwaltung. „Der Kollege hat sich richtig verhalten. Er hat getan, was er tun konnte.“ So habe die Verwaltung erst am 30. Dezember von Anwohnern erfahren, dass am Birkenweg Bäume im großen Stil abgeholzt würden.

Vor Ort sei ihm dann aber von dem Eigentümer des Waldes mitgeteilt worden, dass ein großer Schädlingsbefall mit Borkenkäfern die Rodungsarbeiten notwendig mache und dies der Unteren Forstbehörde auch angezeigt worden sei. „Das ist nur anzeigepflichtig. Dafür braucht es keine Genehmigung“, so Thermann.

„Ein Kahlschlag ist generell verboten“

Der Kollege habe dann versucht, diese Frage mit der Forstbehörde telefonisch zu klären, dort aber niemanden erreicht. Somit habe er „nicht rechtssicher“ klären können, ob die Rodungsarbeiten legal vorgenommen wurden. Schließlich habe er die Forstbehörde per E-Mail darüber informiert, die dann dort erst am 4. Januar zur Kenntnis genommen wurde – als der komplette Wald nicht mehr stand.

Martin Schmidt, Sprecher des übergeordneten Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume (LLUR), sagt dazu, dass das Schreiben des Eigentümers, dass er die Rodung am Birkenweg vornehmen wolle, „auf jeden Fall zu spät erfolgte“. So habe dieser mit Datum vom 21. Dezember die Forstbehörde informiert, die wiederum das Schreiben erst am 29. Dezember erhielt. „Das hätte unbedingt zwei Wochen vorher angezeigt werden müssen. Aber das rechtfertigt auch keinen Kahlschlag.“ Denn „ein Kahlschlag ist generell verboten“, so Schmidt. Sofern tatsächlich ein großer Borkenkäferbefall vorherrschte, hätte höchstens ein Drittel des Waldes gefällt werden dürfen.

„Ein sehr mysteriöser Fall“

Seine Behörde prüfe zurzeit weiter den genauen Sachverhalt. Klar sei: „Das war ein gravierender Verstoß gegen das Waldgesetz“, so Schmidt. Landesweit gebe es gerade in Aumühle und Bargteheide ähnliche Vorfälle. Der Quickborner Fall sei aber der mit Abstand größte Verstoß, für den dem Eigentümer ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro drohe. Zudem müsse er den Wald wieder aufforsten lassen. Die abgeholzten Baumstämme sind beschlagnahmt.

„Das ist ein sehr mysteriöser Fall in Quickborn“, so Schmidt. Der Eigentümer betonte, dass er nicht bauen wolle, was auch rechtlich gar nicht möglich ist. Gleichwohl kamen die Holzfäller zwischen den Feiertagen, als die Behörden im Urlaubsmodus waren. Schmidt: „Das ist alles schon merkwürdig.“

Die Stadtverwaltung hatte den Eigentümer im November aufgefordert, einen toten Baum aus Gründen der Verkehrssicherheitspflicht zu entfernen.

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