Test

So fährt sich das E-Lastenrad des Stormarner ADFC

| Lesedauer: 6 Minuten
René Soukup
Abendblatt-Redakteur René Soukup hat das Lastenrad mit Elektroantrieb in Ahrensburg getestet und es unter anderem mit Getränkekisten beladen.

Abendblatt-Redakteur René Soukup hat das Lastenrad mit Elektroantrieb in Ahrensburg getestet und es unter anderem mit Getränkekisten beladen.

Foto: Harald Klix

Ab 20. Juli können sich Stormarner das Gefährt gratis ausleihen. Jeweils ein Exemplar steht in Reinbek, Bad Oldesloe und Ammersbek.

Ahrensburg.  Das Logo ist an den Schutzblechen angebracht, die Abdeckungen für die Körbe sind fertig und die Satteltaschen ebenfalls. Auch über das Anmeldeverfahren herrscht jetzt Klarheit. Der Kreisverband Stormarn des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist startklar: Er hat sich drei Lastenräder mit elektrischem Antrieb zugelegt und verleiht diese ab Montag, 20. Juli, gratis im Kreisgebiet. Wie berichtet, haben die E-Bikes zusammen rund 20.000 Euro gekostet.

Mit dem Rad sind Großeinkäufe problemlos möglich

Der Rad-Club will mit dem Projekt den Klimaschutz vorantreiben, Menschen dazu bewegen, auf das Auto zu verzichten und umzusteigen auf diese Mobilitätsform. Denn mit den 35 Kilogramm schweren Geräten sind Großeinkäufe problemlos möglich. Doch wie gut ist das Lastenrad zu fahren? Und kann es wirklich eine Alternative zum Auto sein? Abendblatt-Redakteur René Soukup hat den Test in Ahrensburg gemacht.

Eines ist klar: Ohne Treten geht es nicht voran, denn von allein fährt das Pedelec nicht. Der Akku mit seinen 500 Watt hat eine unterstützende Funktion. An der linken Seite des Lenkers ist eine Bedienungskonsole installiert mit kleinem Display. Hier erscheint der Modus, der für die Tretunterstützung zu wählen ist: Eco, Tour, Sport und Turbo sind die vier Einstellungen. Das Hoch- und Runterschalten wird über zwei Tasten mit den Symbolen Plus und Minus geregelt. „Das Rad hat einen Riemenantrieb, ist sehr wartungsfreundlich“, sagt Jürgen Hentschke, stellvertretender Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands.

Halten der Balance schwieriger als bei anderen Modellen

Nach einer kurzen Einweisung schwinge ich mich aufs E-Bike. Der Sitz? Sehr bequem. Meine Körperhaltung ist gerade. Gute Voraussetzungen für eine Tour durchs Stadtgebiet. Es ist meine Premiere auf diesem Gefährt mit einem 22-Zoll-Reifen vorne sowie einem 24er hinten. Deshalb ist Vorsicht angesagt, der Eco-Modus reicht zu Beginn. Der erste Anfahrtsversuch gelingt, sofort ist die Unterstützung spürbar. Das Halten der Balance ist schwieriger als auf einem herkömmlichen Rad. Kein Wunder bei einer 2,75-Meter-Länge.

Dementsprechend ist auch der Wendekreis. Mal kurz einschlagen, um ein Hindernis zu umfahren – unmöglich. Vorausschauendes Agieren ist unerlässlich. Ich halte die Spur, drifte mal ein bisschen nach rechts, mal nach links ab, kann aber korrigieren. Sicher geht es an zwei Fußgängern vorbei. Auf dem Weg an der Bahntrasse werde ich mutig, schalte hoch in den Turbo: 18, 20 und 22 km/h zeigt das Display an. Das macht Spaß. 25 Kilometer pro Stunde ist die Maximalgeschwindigkeit.

Die Ladung darf maximal 100 Kilogramm wiegen

Am Ostring Richtung Schloss ist das Streckenprofil eben, keine Steigungen. Ich probiere die Einstellungen Sport und Tour, merke den Unterschied. Nach 20 Minuten auf dem Rad fühle ich mich zunehmend sicherer. Es ist alles eine Sache der Übung, wie bei so vielen Dingen im Leben. Dann eine Ampel, die Autos haben grün, meine Scheibenbremse funktioniert hervorragend.

Zwischen Vorderrad und Lenker befindet sich die Ladefläche. 80 Zentimeter ist sie lang. Hier passt ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine drauf. Bei den ADFC-Rädern sind jedoch Aluminiumkisten anmontiert, die sich leicht abnehmen lassen. Ich transportiere darin zwei Bier- und einen Selterskasten, habe auch zwei Einkaufstaschen dabei mit Lebensmitteln. Und der Platz ist nicht ausgereizt. Mit bis zu 100 Kilogramm kann das Rad beladen werden, wobei das Gewicht des Fahrers nicht impliziert ist.

In normale Fahrradständer passt das Lastenrad nicht

Inzwischen in der City angekommen, sehe auf meiner Seite eine Mutter mit zwei Kindern, die rangeln. Wenige Meter vor dem Passieren schubst das eine Mädchen seine Schwester, ich schlage sofort ein, kann mich gerade noch auf dem Rad halten und umkurve die Lütte. Meine Fracht bleibt auch an Bord. Durchatmen, auch diese Bewährungsprobe ist bestanden. Ich habe inzwischen das Gefühl, das E-Bike zu beherrschen. Dennoch: Leichtsinnigkeit ist kein guter Ratgeber. Gerade auf engen Radwegen und bei Gegenverkehr muss man sich sehr konzentrieren. Das gilt zugleich für das Abbiegen.

Klasse ist die automatische Schiebehilfe, wenn man bei Steigungen das Rad verlässt. Das Licht geht von allein an, und die Reifen mit ihrer Eigenfederung sind auch nicht von schlechten Eltern. Die Räder haben ein Schloss, das sich zwischen die Speichen des Hinterrades schiebt. Dazu gibt es ein Kettenschloss, eingepackt in einer Tasche unter dem Sattel. Es kann zum Beispiel an einem Laternenpfahl angebracht werden. In normale Ständer passt das Rad nicht.

Das Aufladen des Akku dauert etwa sechs Stunden

Ich habe noch genug Saft im Akku nach rund 40 Minuten. „Zwischen 60 und 120 Kilometer gibt es die Unterstützung, je nachdem, welche Einstellung man wählt“, sagt Jürgen Hentschke. Ist der Akkumulator leer, dauert das Aufladen an der heimischen Steckdose rund sechs Stunden. Das entsprechende Gerät ist bei den E-Bikes genauso dabei wie eine Gebrauchsanweisung.

Ich werde dieses Rad gewiss ausleihen. Das Fortbewegen ist komfortabel, das Ladevolumen für Wochenendeinkäufe großzügig. Mit dem Wissen, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, stört auch der Nieselregen nicht wirklich. Und gesund ist das Radfahren allemal.

So funktioniert’s

Die ADFC-Lastenräder können ab Montag, 20. Juli, kostenlos ausgeliehen werden. Zum Start stehen sie in drei Stormarner Regionen: Ammersbek, Dorfstraße 43 (für den Raum bis Ahrensburg, Delingsdorf, Bargteheide und Großhansdorf); Bad Oldesloe, Weidenblicken 3a (für das Umland und Reinfeld); Onkel Dieters Naturkostladen in Reinbek, Am Ladenzentrum 5 (für den Raum bis Glinde, Barsbüttel und Oststeinbek).

Bei erhöhter Nachfrage an einem Standort ist der ADFC flexibel. Dann kann ein zweites Rad dorthin gebracht werden. Mindestens 18 Jahre alt müssen Stormarner sein, die von der Leihmöglichkeit Gebrauch machen möchten. Sie dürfen das Rad für maximal einen Tag behalten. Das Vorzeigen des Personalausweises ist Pflicht, Pfand muss nicht hinterlegt werden. Die Buchung wird digital geregelt auf www.adfc-stormarn.de unter „Unser Lastenrad“.

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