Aktion

Stormarner öffnen ihre Gärten wieder für Besucher

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Melissa Jahn
Auf 600 Quadratmetern hat Bettina Möck in Bargfeld-Stegen ein kleines Gartenparadies erschaffen.

Auf 600 Quadratmetern hat Bettina Möck in Bargfeld-Stegen ein kleines Gartenparadies erschaffen.

Foto: Melissa Jahn

Bei der Aktion Offener Garten können Interessierte am 20./21. Juni erneut grüne Oasen besichtigen und mit den Besitzern fachsimpeln.

Bargfeld-Stegen. Kennen Sie schon den Wow-Bogen? Der Rosen umrankte Torbogen in Bargfeld-Stegen verdankt seinen ungewöhnlichen Namen den Ausrufen purer Begeisterung, sobald Besucher den Garten der Familie Möck betreten. Zusammen mit acht weiteren Gartenliebhabern nehmen die Stormarner am 20. und 21. Juni bei der Aktion „Offener Garten“ teil, öffnen ihre Pforten für Interessierte und laden sie in ihre grünen Oasen. Neben vielen Anregungen gibt dort auch die Gelegenheit zum Gedankenaustausch unter „Fachleuten“. Doch in Bezug auf die vorherrschenden Coronaregeln herrscht bei vielen Gartenbesitzern noch Unsicherheit.

Bettina Möck schuf ihr persönliches Gartenparadies

„Ich habe versucht, den Garten in unterschiedliche Bereiche zu teilen“, sagt Bettina Möck. „Durch einen langen Weg konnte jeder Besucher die 600 Quadratmeter sofort überblicken. Jetzt öffnet sich an jeder Ecke ein neuer Winkel. Das macht Lust auf mehr.“

Mit der Gärtnerei hat die 51-Jährige 2013 nach einer Krebserkrankung begonnen. Wo früher hauptsächlich Platz für einen alten Schuppen und Gemüse war – ein typischer Nutzgarten der Nachkriegszeit – schuf Möck als Teil ihrer Therapie und mit jahrelangem Fleiß ihr persönliches Gartenparadies. Heute zeugt einzig die Strohpuppe Erna von der schweren Krankheit: Sie trägt noch ihre Perücke.

Zeit für den Garten trotz Berufstätigkeit und Kindern

Ob Freilandkakteen, Kohlrabi, Karotten, Obstbäume und Blumen aller Art – im Garten der Familie Möck wächst und sprießt es in allen Beeten. Den Reiz des Gärtnerns mache die permanente Um- und Neugestaltung aus, sagt Möck. Schnäppchen aus dem Baumarkt werden nach und nach durch ausgewählte Raritäten ergänzt, kleine Kunstwerke und auch größere Projekte wie eine Brücke oder selbstgebaute Sitzgruppe kreativ umgesetzt.

Trotz Berufstätigkeit, vier Kindern, zwei Enkelkindern und einem weiteren Hobby im Sportschützenverein nimmt Möck sich fast täglich Zeit für ihren Garten, setzt Blumen so lange um, bis sie ihren Lieblingsplatz gefunden haben. „Es ist nicht möglich, einem Garten den eigenen Willen aufzuzwingen“, so Möck. „Das Wachstum funktioniert nur in Harmonie mit der Natur.“

Baldur Müggenburg ist schon seit 18 Jahren dabei

Ein begeisterter Gartenliebhaber ist auch Baldur Müggenburg, der seit 18 Jahren bei der Aktion „Offener Garten“ mitmacht – vor allem wegen der netten Gespräche. Von ursprünglich 850 Quadratmetern ist das liebevoll angelegt Stück Land in den vergangenen Jahren auf über 3000 Quadratmeter gewachsen – 125 Meter vom Haus bis zur letzten Pflanze, die gepflegt und gehegt werden müssen. Oftmals verbringt er damit mehr als zehn Stunden am Tag, sagt Müggenburg bekennt. Zwar gehöre ein Teil des Grundstücks offiziell der Bundesbahn, doch solange die Gleise nicht erweitert werden, darf der 76-Jährige seinen Gartentraum weiterleben. Neben zahlreichen Rosen sind vor allem zwei Kiwibäume sein großer Stolz. Die Früchte werden zu Marmelade verarbeitet und auf Landmärkten verkauft.

In Großhansdorf hat sich Familie Reimer in ihrem 700 Quadratmeter großen Garten einen langgehegten Wunsch erfüllt und einen Naturbadeteich realisiert. Von Hand gegraben und mit einer dünnen Betonschicht eingeschlämmt, fasst das 1,35 Meter tiefe Becken 44.000 Liter. Durch eine natürliche Filterzone mit Wasserpflanzen und einem permanenten Kreislauf, der den Austausch garantiert, ist das Baden hier ohne Zusätze wie Chlor möglich, erläutert Michael Reimer. Trotz heißer Sommer sei das Gewässer in elf Jahren nicht einmal umgekippt. Probleme mit Blaualgen oder anderen Bakterien gebe es nicht. „Wir teilen uns das Wasser mit verschiedenen Libellenarten, Molchen und auch Ringelnattern“, sagt der 56-Jährige. „Doch die meisten Tiere sind so scheu, dass wir sie selten vor Gesicht bekommen.“

Svenja Schwedtke gehört zum Organisationsteam der Aktion

Zum vierten Mal und nach dreijähriger Schaffenspause seien sie wieder beim Offenen Garten dabei. Neu entstanden sei eine so genannte Ruine, ein geschützter Sitzplatz mit Kamin aus einhundert Jahre alten Ziegeln. Eine weitere Pergola folgt, sie soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Die Inspiration für Umgestaltungsideen holt Reimer sich aus Zeitschriften, im Urlaub in Frankreich – und durch den Austausch mit anderen Gartenliebhabern wie beim Offenen Garten. Es sei eine schöne Sache, in Nachbars Gärten zu schauen und versteckte Paradiese zu entdecken, so Reimers.

Wie der Besuch in diesem Jahr trotz der Coronapandemie realisiert werden kann, steht jedoch noch nicht abschließend fest. Svenja Schwedtke gehört zum Organisationsteam der Aktion „Offener Garten“, sagt: „Jeder Gartenbesitzer hat von uns die Aufgabe bekommen, bei dem zuständigen Ordnungsamt nachzufragen. Die Aussagen im Land sind unterschiedlich. Bevor es zu locker auslegt wird, entscheiden sich manche Stellen lieber dagegen.“ Anders als Schwimmbäder und Flohmärkte fallen die Offenen Gärten durch das Raster. Während die Auflagen für gewerbliche Gärten eindeutig wären, müsste jeder private Gartenbesitzer ein eigenes Hygienekonzept vorlegen. Sie gelten weiterhin als Privatpersonen und nicht als Landmärkte, wodurch sich nur zehn Personen gleichzeitig dort aufhalten dürften. Die Liste der teilnehmenden Gärten wird am Freitagabend aktualisiert und ist dann im Internet (www.offenergarten.de) einsehbar.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für die „Lange Nacht der Gärten“ im August. Sollte die Landesverordnung bis dahin wieder gelockert werden, könnten wieder mehr Menschen teilnehmen.

Diese Stormarner machen mit:

Eichede: Jürgen Ritter, 20. Juni, 11–18 Uhr, Oldesloerstraße 32 b

Großhansdorf: Petra Jonas, 20. und 21. Juni, 11–18 Uhr, Up de Worth 5, sowie Heike und Michael Reimer, 20. Juni, 11–18 Uhr, 21. Juni, 11-17 Uhr, Haberkamp 15

Bargteheide: Elke und Jürgen Finnern, 21. Juni, 13-18 Uhr, Theodor-Storm-Straße 13, sowie Christina und Baldur Müggenburg, 20. und 21. Juni, 10-17 Uhr, Hammoorer Weg 2

Ammersbek: Barbara Hildebrandt, 20. und 21. Juni, 10-17 Uhr, Schwarzer Weg 2

Todendorf: Antje und Nicole Kirchhoff, 20. und 21. Juni, 10-17 Uhr, Niekoppel 9

Witzhave: Sabine Hecht und Jörg Kurth, 20. Juni, 10-19 Uhr, 21. Juni, 10-18 Uhr, Feldstraße 9

Bargfeld-Stegen: Bettina Möck, 20. und 21. Juni, 9-18 Uhr, Im Kamp 6

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