Neue MVA in Stapelfeld: Erde soll in Schlackehalle

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Harald Klix
Die gelbe Schlackehalle an der MVA Stapelfeld wurde 1987 für die Wiederaufbereitung in Betrieb genommen. Mittlerweile wird sie kaum noch genutzt. Das Förderband wurde abgebaut.

Die gelbe Schlackehalle an der MVA Stapelfeld wurde 1987 für die Wiederaufbereitung in Betrieb genommen. Mittlerweile wird sie kaum noch genutzt. Das Förderband wurde abgebaut.

Foto: Harald Klix

50.000 Tonnen Aushub fallen durch die Baustelle an. Bürgerinitiativen erhalten Auszug aus Vertrag zwischen Betreiber EEW und dem Kreis.

Stapelfeld. Wenn die Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld neu gebaut wird, gibt es in Sichtweite der Autobahn 1 für bis zu zwei Jahre die wohl größte Baustelle Stormarns. Mehr als 50.000 Tonnen Erdaushub müssen abtransportiert werden. Die möchte der Betreiber EEW Energy from Waste in seiner nahen Schlackehalle lagern. Einen entsprechenden Antrag hat EEW über das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) eingereicht.

Kapazität der Halle ist nicht ausgeschöpft

Die 160 mal 80 Meter große Halle war 1987 zur Aufbereitung der Schlacke aus den Verbrennungsöfen errichtet worden. Seit gut vier Jahren wird das Gebäude nur noch für die Zwischenlagerung von etwa 1000 Tonnen genutzt. „Die Kapazität wird dafür bei Weitem nicht ausgeschöpft“, sagt Morten Holpert, Technischer Geschäftsführer von EEW Stapelfeld. Das Förderband, das einst quer über den Meiendorfer Amtsweg von der MVA direkt zur Anlage führte, ist bereits abgebaut worden.

EEW möchte den freien Platz nutzen, um nach Beginn der Arbeiten den beim Aushub der Baugrube anfallenden Boden zwischenzulagern. „Der Aushub wird spezifiziert und anschließend geeigneten Verwertungswegen wie Verfüllungen oder Geländenivellierungen zugeführt“, sagt Holpert. So kann die Erde auch direkt vor Ort genutzt werden. Probebohrungen hätten gezeigt, dass von überwiegend einbaufähigen und Böden mit als unbelastet zu wertenden Zustandsklassen zu rechnen ist.

Platz für 120.000 Tonnen Erdaushub vorhanden

Laut EEW-Antrag bietet die 12.800 Quadratmeter große Halle (das entspricht 16 Handballfeldern) unter Berücksichtigung von Verkehrs- und Abstandsflächen Platz für maximal 120.000 Tonnen. Es wird mit täglich maximal 50 Transporten von dem rund 400 Meter entfernten Baufeld gerechnet. Das bedeutet zwischen 7 und 19 Uhr vier Lkw-Fahrten je Stunde.

EEW möchte auf seinem Eckgrundstück Ahrensburger Weg/Alte Landstraße für schätzungsweise 150 Millionen Euro ein neues Müllheizkraftwerk und eine separate Klärschlammverbrennung bauen. Die Grube für den Müllbunker wird rund 15 Meter tief. Nach Fertigstellung wird die alte MVA stillgelegt. Über den Genehmigungsantrag entscheidet derzeit das LLUR, das dem Landesumweltministerium angegliedert ist.

Kreis hat im Januar Vertrag mit EEW geschlossen

Unterdessen hat die Bürger-Interessen-Gemeinschaft Stapelfeld (BIG!) Auszüge aus dem Vertrag veröffentlicht, den der Kreis Stormarn im Januar 2018 mit EEW geschlossen hat. „EEW verpflichtet sich, auch bei dem Betrieb der neu zu errichtenden Abfallverbrennungsanlage die aktuellen tatsächlichen Emissionswerte der bestehenden Altanlage am Standort Stapelfeld einzuhalten“, heißt es darin.

Explizit auf die Klärschlammverbrennung bezieht sich ein weiterer Absatz: „Die Emissionswerte (…) liegen nicht über den spezifischen Genehmigungswerten der alten Abfallverbrennungsanlage. EEW wird die zum Planungszeitpunkt beste und wirtschaftlichste Technik, die zugleich einen zuverlässigen Dauerbetrieb zulässt, für diese Anlage einsetzen.“

Bürgerinitiativen bezweifeln Einhaltung der Zusagen

Der stellvertretende BIG!-Vorsitzende Gerhard Schack und Klaus Koch vom Verein „Das bessere Müllkonzept“ befürchten, dass EEW die Zusagen nicht einhalten kann. „Ob dieser Vertrag somit seine Gültigkeit behält, darf in Zweifel gezogen werden“, schreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung.

Seit März 2019 hatten die Bürgerinitiativen mehrfach weitreichendere Einsicht in den Vertrag beantragt. Das sei nicht möglich gewesen, da es unter anderem um Betriebs - und Geschäftsgeheimnisse ging, so Landrat Henning Görtz.

EEW muss neue Richtlinie zur Technik berücksichtigen

Für das EEW-Management enthält der Vertragsauszug keine neuen Informationen, die über öffentliche Äußerungen hinausgingen. Beispielsweise habe man zugesichert, das im Bundesvergleich schon heute geringe Emissionsniveau der bestehenden Anlage auf den Ersatzneubau zu übertragen. Der neue Ofen arbeite zudem viel effizienter und erzeuge bei gleicher Inputmenge an Abfall deutlich mehr Energie. EEW habe auch erläutert, die Klärschlammverbrennung mit den gleichen Genehmigungswerten zu beantragen, die für die bestehende MVA gelten. Grundsätzlich werde auch die „Beste verfügbare Technik“ (BVT) eingesetzt.

Bei diesem Punkt verweist der Stapelfelder Geschäftsführer Morten Holpert auf den Zeitrahmen: „Zwischen Abgabe des Genehmigungsantrags am 30. November 2018 und dem öffentlichen Erörterungstermin ab dem 10. Dezember 2019 ist am 3. Dezember 2019 eine neue EU-weite Richtlinie zu diesem Thema in Kraft getreten.“ Bereits im Dezember habe EEW dann öffentlich bestätigt, diese neue BVT-Richtlinie zu berücksichtigen. Dass dies so sein muss, hat auch die Genehmigungsbehörde LLUR erklärt.

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