Grenzübergreifendes Projekt

Fläche des neuen Gewerbegebiets in Stapelfeld schrumpft

Um diese Fläche in Stapelfeld geht es.

Um diese Fläche in Stapelfeld geht es.

Foto: HA

Landwirt lehnt Verkauf seines Ackers ab. Stormarner Bereich im grenzübergreifenden Projekt mit Hamburg wird um ein Drittel kleiner.

Stapelfeld.  Im ersten grenzübergreifenden Gewerbegebiet der Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg sind die Arbeiten in vollem Gange. Die Hansestadt treibt auf ihrer Seite in Rahlstedt die Erschließung voran, gegenüber in Stapelfeld ist die Baustraße errichtet. „Wir beginnen mit der Erschließung, wenn die Verbindung zwischen Alter Landstraße und Stapelfelder Straße fertig ist“, sagt Detlev Hinselmann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Das könne im September oder Oktober sein.

Der Landwirt wolle partout nicht verkaufen

Dass Hamburg mit dem Projekt anfängt, ist so abgesprochen. Nicht eingeplant waren Probleme der WAS beim Grunderwerb. Nach Informationen dieser Zeitung wird der sogenannte Minervapark in Stapelfeld rund ein Drittel kleiner als gedacht. Hinselmann hat in den vergangenen Monaten mehrere Gespräche mit einem Landwirt aus Stapelfeld geführt, ist aber offenbar nicht weitergekommen. Um Geld soll es dabei nicht gegangen sein.

Seriöse Quellen aus der 1800 Einwohner zählenden Gemeinde beschreiben den Bauern als „Besitzstandswahrer“, der partout nicht verkaufen will. „Wir haben großes Interesse an der Fläche, aber den Inhalt der Gespräche kommentiere ich nicht“, sagt Stormarns oberster Wirtschaftsförderer.

Mitte nächsten Jahres könnten die Hochbauarbeiten beginnen

Der Bereich befindet sich im östlichen Teil des Gewerbegebiets und damit nicht direkt an der Landesgrenze. Das fehlende Areal ist für die Erschließung nicht exis­ten­zi­ell. Dennoch dürfte es Hinselmann wurmen, den eigentlichen Plan nicht umsetzen zu können. Denn das Interesse an den Grundstücken im Minervapark, der eigentlich 13 Hektar groß werden sollte, ist enorm. Wie viele Firmen sich bei ihm gemeldet haben, will Hinselmann nicht verraten. Er sagt: „Die Nachfrage gestaltet sich so, dass wir die Fläche doppelt belegen könnten.“

Verträge mit Firmen sind noch nicht gemacht. „Konkrete Verhandlungen beginnen, wenn wir liefern können, also wissen, wann die Erschließung fertig ist“, so Hinselmann. Er hält den Beginn der Hochbauarbeiten Mitte 2021 für realistisch. Die größten Chancen für eine Ansiedlung in Stapelfeld haben Firmen, die viele Arbeitsplätze schaffen und mit Gewerbesteuern die Gemeindekasse füllen. Ausgeschlossen vom Vergabeverfahren sind Speditionen und Einzelhandelsunternehmen. Für die WAS sucht ein dreiköpfiges Gremium, das aus Hinselmann und zwei Projektleitern besteht, aus, welcher Bewerber den Zuschlag bekommt. Sollten den Ortspolitikern Unternehmen nicht passen, können sie deren Zuzug verhindern. Die Gemeinde hat ein Vetorecht.

Kein zusätzliches Gewerbe an anderen Orten

Namen von Interessenten hat Hinselmann den Entscheidungsträgern der Kommune noch nicht genannt. An der Spitze der Gemeindevertretung steht der ehrenamtliche Bürgermeister Jürgen Westphal von der örtlichen Wählergemeinschaft. Mit der Haltung des Landwirts, seinen Acker nicht an die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn zu verkaufen, geht Westphal gelassen um: „Wir haben das Gebiet überplant und keinen Einfluss auf den Verkäufer, halten uns aus der Angelegenheit auch komplett raus.“

Eines ist sicher: Zusätzliches Gewerbe an anderen Orten in Stapelfeld wird es so schnell nicht geben. „Bei diesem Thema ist sich die Politik fraktionsübergreifend einig. Wir haben zweimal darüber geredet“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Fechner.

Landesstraße 222 wird von der A 1 vierspurig ausgebaut

Das Gewerbegebiet entsteht im Anschluss an den Merkurpark in Rahlstedt. Es hat eine Fläche von 39,5 Hektar. 26,5 davon liegen in der Hansestadt. Der Abschnitt südlich der Stapelfelder Straße in Hamburg heißt Victoriapark, nördlich davon ist der Minervapark in Stapelfeld. Das länderübergreifende Projekt hat einen hohen Stellenwert.

Im November 2017 hatten Vertreter aus Politik und Verwaltung, darunter Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), der damalige Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) und Stormarns Landrat Henning Görtz, das interkommunale Gewerbegebiet vorangetrieben und in Stapelfeld eine Absichtserklärung unterschrieben. Buchholz sagte damals: „Die gemeinsame Ausweisung von Gewerbegebieten ist ein guter und zukunftsweisender Weg. Und ich bin sicher, dass dieses Beispiel Schule machen wird.“

Im Tunnelbereich unter der Autobahn ist nur Platz für drei Spuren

In Stormarn ging es aber nur langsam voran. Erst im Februar 2019 beschlossen Stapelfelds Gemeindevertreter den Bebauungsplan – mit neun Ja- und drei Nein-Stimmen. Zu dem Zeitpunkt hatten die Vorarbeiten in Hamburg schon begonnen. Im Stormarner Dorf wurden die Debatten lange kontrovers und persönlich geführt. Hauptargument für die Befürworter des Gewerbegebiets ist die Möglichkeit, bei der Verkehrsführung mitzureden. Denn auch ohne Stapelfeld hätte Hamburg seine Fläche für Unternehmen vergrößert.

Um die häufigen Staus im Berufsverkehr am Autobahnanschluss Stapelfeld zu verhindern, wird die Landesstraße 222 von der A 1 bis an die Kreuzung zur Müllverbrennungsanlage auf etwa 900 Metern vierspurig ausgebaut. Im Tunnelbereich unter der Autobahn ist nur Platz für drei Spuren. Eine Lösung für die Ortsdurchfahrt (K 107) ist auch gefunden. Die Gemeinde kümmert sich um verkehrsberuhigende Maßnahmen auf der Hauptstraße, die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn zahlt für Umbauten. Was genau umgesetzt werden soll, darüber spricht der Bau- und Umweltausschuss am heutigen Montag.

Warum Barsbüttel Bemühungen scheiterten:

Barsbüttel wollte den ganz großen Wurf in Sachen Gewerbe und das erste grenzübergreifende Projekt mit Hamburg vollziehen. 2011 bemühte sich die Gemeinde darum, ihre Gewerbeflächen an der Autobahn 1 zu erweitern. Rund 40 Hektar nördlich in Richtung Rahlstedt und Stapelfeld wollte die Kommune ausweisen und zusammen mit der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) verkaufen.Das Innenministeriumin Kiel stoppte die Pläne, weil sie dem Regionalplan des Landes widersprachen. Das Rennen machte Nachbar Stapelfeld. In Barsbüttel wird jetzt alles eine Nummer kleiner. Das Gewerbegebiet in der 13.700-Einwohner-Kommune bei Möbel Höffner wächst um 15 Hektar. Die zusätzliche Fläche ist in erster Linie für ortsansässige Firmen zwecks Expansion vorgesehen.

Bau- und Umweltausschuss Stapelfeld, Montag, 18. Mai, 19 Uhr, Kratzmann´sche Kate, Reinbeker Straße 4