Stormarn
Lungenerkrankungen

Corona-Virus: Kieler Ministerium warnt vor Panikmache

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP): Sein Ministerium warnt vor einer Panikmache, stimmt sich in Sachen Corona-Virus mit den Kreisgesundheitsämtern ab.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP): Sein Ministerium warnt vor einer Panikmache, stimmt sich in Sachen Corona-Virus mit den Kreisgesundheitsämtern ab.

Foto: Ralph Klingel-DomdeY

Ausbreitung der Krankheit verunsichert aber offenbar viele Stormarner. Atemschutzmasken sind in den meisten Apotheken ausverkauft.

Ahrensburg/Kiel. Die rasante Ausbreitung des Corona-Virus sorgt auch bei vielen Stormarnern für Verunsicherung. Zu spüren bekommen das vor allem die Apotheken im Kreis: Sie verzeichnen eine stark angestiegene Nachfrage nach Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln. Vielerorts sind die Artikel bereits ausverkauft.

Masken bieten keinen zuverlässigen Schutz vor einer Ansteckung

Bei der Ahrensburger Apotheke am Rondeel sind die Filterschutzmasken schon lange vergriffen, obwohl sie mit 135 Euro für zehn Stück mit Ventil und alternativ mit 46,30 Euro für 20 Stück ohne Ventil recht kostspielig sind. „Streng genommen muss man die Maske nach vierstündigem Tragen wechseln, weil sonst der Filter nicht mehr zuverlässig arbeitet“, sagt Apothekerin Beate Pankow. Die herkömmlichen einlagigen Mund-Nasen-Schutzmasken aus Papier würden eher davor schützen, beim Niesen andere anzustecken. Einen zuverlässigen Schutz vor Ansteckung böten sie jedoch nicht, so Pankow.

Engpässe gibt es auch bei der Versorgung mit Desinfektionsmitteln

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt zum Schutz sogenannte partikel-filtrierende Halbmasken, im Fachjargon FFP-Masken genannt. Die FFP-Masken sind in drei Schutzstufen erhältlich, wobei FFP1-Filter mindestens 80 Prozent, FFP2-Filter 94 Prozent und FFP3-Filter 99 Prozent fremde Tröpfchen in der Atemluft zurückhalten. Die FFP-Masken sind bei den Großhändlern seit Wochen ausverkauft, weil sie größtenteils in China hergestellt und von dort nicht mehr nach Europa geliefert werden.

Auch in anderen Apotheken im Kreis sind die Masken ausverkauft. Die Guten-Tag-Apotheke in Glinde, die Markt-Apotheke in Trittau sowie die Claudius-Apotheke in Reinfeld können die Kundennachfrage nicht bedienen. Ein Engpass zeichnet sich auch bei der Versorgung mit Desinfektionsmitteln ab. „Sterilium Virogard ist bei uns ausverkauft und das einfache Sterilium geht auch langsam zur Neige“, sagt Julia Otto von der Claudius-Apotheke, die seit dem ersten Corona-Fall in Deutschland eine ungebrochen starke Nachfrage verzeichnet.

Das Gesundheitsministerium in Kiel warnt indes vor Panikmache. „Wir nehmen die Entwicklung sehr ernst und stehen in engem Kontakt mit dem Robert Koch-Institut und den anderen Ländern“, sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP).

Ministerium rät: Bei Verdacht Arzt per Telefon kontaktieren

Infektionen mit dem Corona-Virus sind in Deutschland meldepflichtig. „Bei Ansteckungsverdacht ohne vorliegende Symptomatik erfolgt eine zweiwöchige Quarantäne“, sagt ein Ministeriumssprecher auf Abendblatt-Anfrage. Und weiter: „Bei vorliegenden Symptomen und vorausgegangenem Aufenthalt in einem Gebiet mit Viruszirkulation oder Kontakt zu Erkrankten erfolgt die medizinische Behandlung bei gleichzeitiger Isolierung des Erkrankten.“

Das Vorgehen orientiere sich an der Influenzapandemieplanung, weil Infektionswege und Auswirkungen der neuartigen Lungenerkrankung denen der Grippe ähnlich sind. Primär gehe es darum, Fälle früh zu erkennen, sie zu isolieren und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Weitgehende Maßnahmen wie die Schließung von Einrichtungen seien rechtlich im Katastrophenfall zwar möglich. „Dafür gibt es derzeit aber keinen Anlass“, so der Sprecher. Das Vorgehen würde vom Gesundheitsministerium in Abstimmung mit den Kreisgesundheitsämtern koordiniert.

Kassenärztliche Vereinigung beantwortet Fragen besorgter Bürger

Eine Ansteckung sei nach derzeitigem Stand vor allem möglich, wenn ein Bürger sich zuvor in einem der Verbreitungsgebiete des Virus aufgehalten habe oder direkten Kontakt mit einem Infizierten gehabt habe. Die Symptome sind ähnlich wie bei der Grippe Fieber, Husten und Schnupfen.

„Ganz wichtig: Wer meint, dass diese Kriterien auf ihn zutreffen und entsprechende Symptome zeigt, sollte zunächst von zu Hause aus den Hausarzt telefonisch kontaktieren“, so der Sprecher. Durch eine telefonische Kontaktaufnahme könne eine Weiterverbreitung gebremst werden. „Außerdem können Patienten sich auch unter der Nummer 116 117 an das Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung wenden.“

Informationen zum Corona-Virus: www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/VIII/_startseite/Artikel_2020/I/200129_Grippe_Coronavirus.html