Schutzstreifen

Bargteheider Schulwald wird mit langer Verspätung gerodet

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Lutz Kastendieck
Ein Harvester rodet am Erweiterungsbau im Bargteheider Schulzentrum einen 30 Meter breiten Schutzstreifen.

Ein Harvester rodet am Erweiterungsbau im Bargteheider Schulzentrum einen 30 Meter breiten Schutzstreifen.

Foto: Lutz Kastendieck

Forstbehörde ordnet 30 Meter breiten Schutzstreifen zum Erweiterungsbau an. Wählergemeinschaft kritisiert die Grünen.

Bargteheide. Im Erweiterungsbau auf dem Campus des Kopernikus Gymnasiums Bargteheide (KGB) war konzentriertes Lernen am Montag nur bedingt möglich. Im angrenzenden Schulwald kreischte seit den frühen Morgenstunden die Kettensäge eines Spezialfahrzeugs, das einen 30 Meter breiten Schutzstreifen gerodet hat. Mit elf Jahren Verspätung. „Es ist ein Vorgang, der 2009 begann, jetzt aber erst zum Abschluss kommt. Wir als Wählergemeinschaft bedauern das sehr, zumal dieser Kahlschlag vermeidbar gewesen wäre“, so WfB-Fraktionschef Norbert Muras.

Rodung sei alternativlos gewesen

Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern sind mehr als 100 Pappeln, Erlen, Birken, Robinien, sowie drei Ahornbäume gefällt worden. „In ein Meter Höhe wiesen die Bäume einen Umfang von weniger als 60 Zentimetern auf. Damit handelt es sich um keine ortsbildprägenden Bäume“, sagte Stadtsprecher Alexander Wagner auf Abendblatt-Nachfrage.

Unabhängig davon sei die Rodung aber spätestens seit der Entscheidung für den Erweiterungsbau auf besagtem Areal des Schulzentrums alternativlos gewesen. Seinerzeit hatten alle Fraktionen, mit Ausnahme der WfB, für die Aufstellung des Bebauungsplans Nr.13-neu gestimmt. Schon 2009 bestand laut Paragraf 24 des Landeswaldgesetzes indes die Verpflichtung auch einen 30 Meter breiten Schutzkorridor zu räumen.

WfB-Fraktionschef Muras wiederholt seine Kritik

„Warum die zusätzliche Rodung im März 2009 nicht erfolgte, ist heute nicht mehr vollständig rekonstruierbar“, so Wagner. Offenbar liege ein Verwaltungsversehen vor. Das erst Ende 2019 entdeckt worden ist. Während einer Begehung des Schulcampus auf der Suche nach einem alternativen Standort für die neue KGB-Sporthalle fiel der Forstbehörde auf, dass die vor Jahren angeordnete Rodung des Schutzstreifens noch immer nicht erfolgt ist und umgehend nachgeholt werden muss.

„Es ist bedauerlich, dass der Erhalt des Lebensraums zahlreicher Kleintiere und der Bäume, die CO2 einlagern und Sauerstoff erzeugen, in Bargteheide einen derart geringen Stellenwert hat“, wiederholte WfB-Fraktionschef Muras seine Kritik von 2009. Seinerzeit habe die Wählergemeinschaft vorgeschlagen, den Erweiterungsbau zentral im Schulzentrum zu bauen. Das sei aber mehrfach abgelehnt worden.

Rechtslage sei eindeutig und nicht verhandelbar

Der Frust über die nun nachgeholte Rodung hielt WfB-Mitglieder allerdings nicht davon ab, den Schwarzen Peter nun den Grünen und der Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht zuzuschieben. Allerdings in völliger Verkennung der Faktenlage. Denn als die Weichen für den Erweiterungsbaus vor elf Jahren gestellt wurde, saßen die Grünen noch gar nicht in der Stadtvertretung. Und den Bürgermeister stellte damals die CDU. „Dass die teilweise Rodung des Schulwalds jetzt in dieser Weise politisch ausgeschlachtet wird, ist schon ziemlich perfide“, so Kruse-Gobrecht. Zumal die Rechtslage eindeutig und überhaupt nicht verhandelbar sei.

Nach vorn schaut unterdessen KGB-Schulleiterin Brigitte Menell. „Natürlich bedauern auch wir die unumgängliche Teilrodung des Schulwalds sehr, weil er nach wie vor in unseren Biologieunterricht eingebunden ist“, sagt sie. Andererseits biete der Schutzstreifen die Möglichkeit, ihn als Erweiterung des praktisch nicht vorhandenen Schulhofs zu überplanen. Mit Sitzgruppen und der Pflanzung verschiedener Büsche und Gehölze. Nutzbar für die pädagogische Arbeit wie zur Pausenerholung.

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