Stormarn
Angestellte

Warum Stormarns Mitarbeiter auf Behörden abfahren

Verwaltungsmitarbeiter werben auf einem Bus (v. l.): Markus Priemel, Denis Pohl, Juliane Schierwagen, Christian Gräpel, Jan Lauschke, Personalchefin Larissa Bebensee, Landrat Henning Görtz.

Verwaltungsmitarbeiter werben auf einem Bus (v. l.): Markus Priemel, Denis Pohl, Juliane Schierwagen, Christian Gräpel, Jan Lauschke, Personalchefin Larissa Bebensee, Landrat Henning Görtz.

Foto: Harald Klix

Kreisverwaltung wirbt jetzt auch auf Linienbus um neue Kollegen. Jeder dritte der 750 Beschäftigten geht bis 2030 in Rente.

Bad Oldesloe. Einer der größten Arbeitgeber in Stormarn expandiert weiter. „Allein im vergangenen Jahr haben wir 108 neue Mitarbeiter eingestellt“, sagt Larissa Bebensee, Personalleiterin der Kreisverwaltung. Dieses Jahr steige die Beschäftigtenzahl von rund 750 an die 800er-Grenze. „Wir sind Teil einer Wachstumsbranche“, sagt Landrat Henning Görtz, Chef der Behörde in Bad Oldesloe. Um qualifiziertes Personal zu finden, wirbt der Kreis jetzt auch auf einem Linienbus mit dem Motto „Jetzt einsteigen und bewerben!“ für sich.

Auch Verwaltungen spüren den Fachkräftemangel

In den nächsten drei Jahren fährt das Autokraft-Fahrzeug tagtäglich durch die Straßen. „Das Besondere der Kampagne ist, dass auf dem Foto echte Mitarbeiter zu sehen sind und keine Models“, sagt Landrat Görtz. Das Konzept soll zeigen, welch ein attraktiver Arbeitgeber die Kreisverwaltung sei. Dafür steht der Werbeslogan „Ganz schön vielseitig, ganz schön familienfreundlich, ganz schön verantwortungsvoll“.

Auch Verwaltungen bekommen Fachkräftemangel, eine der bundesweit geringsten Arbeitslosenquoten (3,3 Prozent) und den demografischen Wandel zu spüren. Beim Kreis gehören etwa 14 Prozent der Altersgruppe Ü 60 an, rund 35 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahre alt. Bis 2030 geht jeder Dritte in Rente.

Zahl der Auszubildenden auf 16 je Jahr verdoppelt

„Für junge Leute wird die Sinnfrage im Job immer wichtiger“, sagt Personalleiterin Bebensee. Und genau dort habe das Amt einiges zu bieten. „Wir sorgen mit dafür, dass das Leben in Stormarn so lebenswert ist.“ Mehr als 20 Berufsgruppen sind vertreten, vom Mediziner über Sozialpädagogen und Ingenieure bis zu Verwaltungsfachleuten. „Quereinsteiger haben ebenfalls gute Chancen“, sagt Henning Görtz.

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Zudem wurde die Zahl der Auszubildenden auf 16 je Jahrgang verdoppelt, sodass insgesamt fast 50 junge Leute beim Kreis lernen. „Wir sorgen auch selbst für Nachwuchs, denn auch in anderen Verwaltungen ist die Situation ähnlich angespannt“, sagt Görtz. Die künftigen Verwaltungsfachangestellten, Verwaltungswirte und dualen Studenten (Public Administration) bekommen eine monatliche Vergütung von 1018 bis 1331 Euro.

Christian Gräpel ist schon seit 1991 dabei

Die Protagonisten der neuen Werbekampagne, die sich allesamt freiwillig gemeldet haben, sind überzeugte Behördenmitarbeiter. Christian Gräpel ist schon seit seinem ersten Lehrtag 1991 dabei und seit 1996 in der Personalstelle. „Eine äußerst interessante und vielfältige Aufgabe“, sagt er. „Beispielsweise lernt man in jedem Bewerbungsgespräch auch selbst noch etwas.“ Eine große Auswahl an Fortbildungen habe es ihm ermöglicht, immer wieder neue Bereiche zu übernehmen.

Fernab von jeglichem Amtsstubenmuff arbeitet auch Markus Priemel: Er ist Schichtleiter in der Integrierten Regionalleitstelle Süd (IRLS), in der alle 112-Notrufe aus den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein eingehen. „Es ist ein gutes Gefühl, etwas zur Gefahrenabwehr und für die Sicherheit der Menschen in der Region zu tun“, sagt der ausgebildete Rettungssanitäter. Schon 2002 war er aushilfsweise in der Einsatzzentrale, 2011 wechselte er dann vom Einsatz auf der Straße in den Organisationsbereich. Dort sind aktuell mehrere zusätzliche Stellen zu besetzen.

In vielen Bereichen gebe es ständig neue Herausforderungen

„Ich hatte keinen Tag, an dem ich nicht gern zur Arbeit gekommen bin“, sagt Gebäudetechniker Jan Lauschke. Er sorgt seit 16 Jahren mit dafür, dass im Kreishaus alles funktioniert, was Kunden und Mitarbeiter brauchen. „Das ist sehr vielfältig, man lernt alle handwerklichen Gewerke kennen“, sagt er. Ständig gebe es neue Herausforderungen, so im Bereich Elektrik. Und dann gibt es noch einen Grund für seine Zufriedenheit: „Ich habe einen sicheren Arbeitsplatz.“

Dieses Argument zählt genauso für die Lebensmittelkontrolleure Juliane Schierhagen und Denis Pohl. Beide sind viel unterwegs, überprüfen unter anderem Hersteller, Restaurants, Großküchen, Geschäfte und Wochenmärkte. „Dabei geht es im Vergleich zu Hamburg, wo ich vorher war, deutlich entspannter zu“, sagt Pohl über den Umgangston im Außeneinsatz. Als er ein Haus in Stormarn baute, entschied er sich auch für einen beruflichen Wechsel. Bereut habe er das nicht: „Wir sind ein gutes Team.“

Die Kampagne kostet 12.000 Euro jährlich

Dass es „auf dem Land“ familiärer zugeht, hat auch Juliane Schierwagen festgestellt. „Wir haben die Möglichkeit, unsere Arbeit weitgehend selbst zu gestalten“, sagt sie. Und Verbraucherschutz sei ohne Frage sinnvoll.

Der Kreis lässt sich die Kampagne 12.000 Euro jährlich kosten. „Das entspricht zwei Stellenanzeigen“, sagt Larissa Bebensee. „Mit dem Bus erreichen wir hoffentlich auch Menschen, die nicht gezielt in Zeitungen oder im Internet nach Stellen bei uns suchen.“

Um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können, wechselt das Heckmotiv dreimal jährlich. Bis Mai geht es mit dem Slogan „Ganz schön sinnvoll“ ums freiwillige soziale Jahr (FSJ). Danach folgt die „Dschungelbuch“-Veranstaltungsreihe der Kulturabteilung.

Infos und alle offenen Stellen: www.kreis-stormarn.de/karriere