Stormarn
Arbeitsmarkt

Stormarner Firmen können Stellen nicht besetzen

Der Kreis Stormarn hat Arbeitnehmern aus der Metropolregion viel zu bieten, finden (v. l.) Henner Buhck, Heike Grote-Seifert, Sönke Fock, Paulina Wassermeier und Azubi Alexander Schlüter.

Der Kreis Stormarn hat Arbeitnehmern aus der Metropolregion viel zu bieten, finden (v. l.) Henner Buhck, Heike Grote-Seifert, Sönke Fock, Paulina Wassermeier und Azubi Alexander Schlüter.

Foto: Pia Rabener

Arbeitslosenquote ist weiter sehr niedrig. Barsbütteler Firma sucht fast 50 neue Mitarbeiter. Die Kehrseite der Vollbeschäftigung.

Bad Oldesloe. Im Januar ist die Arbeitslosenquote im Kreis Stormarn auf 3,3 Prozent gestiegen. Das sind 0,1 Punkte mehr als im Vorjahresmonat. Genau 4380 Menschen sind aktuell erwerbslos gemeldet – der zweitniedrigste Januarwert seit Erhebung der Arbeitslosendaten auf Kreisebene 1997. Experten sprechen bei diesen Zahlen von Vollbeschäftigung. Die hat aber auch eine Schattenseite: Firmen können freie Stellen kaum noch besetzen.

Zu den Leidtragenden zählt das Barsbütteler Unternehmen Canal-Control and Clean Umweltschutzservice. Die zehn Tochterfirmen der Gesellschaft haben mehr als 300 Mitarbeiter, die auf Umweltschutz und Kanalisation spezialisiert sind. Am Standort an der Stemwarder Landstraße sind 120 Mitarbeiter tätig. Die Gruppe hat fast 50 Stellen ausgeschrieben, vom Rohrinspektionstechniker bis zum Kaufmann. „Wir könnten durchaus noch einige Mitarbeiter verkraften“, sagt Personalmanagerin Pauline Wassermeier.

Firma zahlt Mitarbeitern Zuschuss zum Führerschein

Um Fachkräfte ins Hamburger Umland zu locken, bietet die Gruppe ihren Lehrlingen eine Förderung des Führerscheins der Klasse B und später auch der C-Klasse, die für die mehr als 200 Spezialfahrzeuge nötig ist. Davon profitiert auch Iven Otto Karnatz, der seine Ausbildung 2017 begonnen und sich auf Kanalreinigung spezialisiert hat. Der 19-Jährige lebt in Hamburg-Horn und fährt derzeit mit dem Bus. „Von meiner Wohnung brauche ich 15 Minuten zur Haltestelle. Dann sind es 20 Minuten Fahrzeit bis zum Betrieb, der eine Haltestelle direkt vor der Haustür hat“, sagt Karnatz. Er muss um 4.15 Uhr aufstehen, damit er um 6 Uhr bei der Arbeit ist. Das sei „übergangsweise unproblematisch“.

Um den Mitarbeitern den Weg zu erleichtern, verhandelt die Canal-Control-Gruppe auch mit Verkehrsdienstleistern wie beispielsweise Ioki. „Wir bekommen immer wieder aus Schulen die Rückmeldung, dass Interesse an einem Praktikum oder einer Ausbildung bestehe, was sich dann jedoch durch die Anfahrt als schwierig gestaltet“, sagt Pauline Wassermeier. Ein Shuttlebus könnte helfen, sei auch umweltfreundlich.

Teilzeit und Tandemanstellungen schaffen Anreize

„Dieser Shuttlebus sollte eine gute Anbindung zur S-Bahn haben und die regulären Busse zu unseren Stoßzeiten am frühen Morgen und Nachmittag ergänzen“, sagt Henner Buhck, Geschäftsführer der Buhck-Gruppe, zu der Canal-Control and Clean gehört.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sollen mehr Frauen eingestellt werden. „Wir haben nur eine Inspekteurin, das ist viel zu wenig“, sagt Buhck. „Ich wünsche mir, dass mehr Frauen den Mut dazu finden, sich in unserem Berufsfeld zu bewegen.“ Teilzeitbeschäftigung und sogenannte Tandemanstellungen – zwei Mitarbeiter teilen sich eine Stelle – sollen den Einstieg erleichtern bieten. Für Buhck steht fest: „Unternehmen, die für diese Probleme vernünftige Lösungen anbieten, haben einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.“

Unternehmen bietet auch interne Wechselmöglichkeiten

Wichtig sind für Personalchefin Wassermeier auch die internen Entwicklungsmöglichkeiten. „Die können wir auch Quereinsteigern in allen Bereichen bieten“, sagt sie. Neben zahlreichen Ausbildungsberufen ermöglicht die Firma auch ein Duales Studium der Betriebswirtschaftslehre. „Wir wollen Mitarbeiter, die sich für einen anderen Fachbereich interessieren, nicht ziehen lassen, sondern lieber innerhalb des Betriebes weitervermitteln“, sagt Wassermeier.

Die Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, Heike Grote-Seifert, erwartet nicht, dass sich die momentane Situation grundlegend ändert. Der Jobmarkt sei weiterhin in guter Verfassung. „Mit dem Plus von 349 ist die Zahl arbeitsloser Menschen etwas stärker als zum vergangenen Jahreswechsel gestiegen, als die Arbeitslosigkeit um 299 zunahm“, sagt sie. Der jetzige Anstieg liege aber auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen sieben Jahre.

Arbeitsagentur hat 2100 offene Stellen im Angebot

Der unverändert hohe Stellenbestand mag für Betriebe ein Problem sein, ist für die Arbeitsvermittler dagegen ein positives Signal. Fast 2100 sozialversicherungspflichtige Stellen sind im Kreis Stormarn zu besetzen. Das sind etwas mehr als vor einem Jahr. Allein im Januar wurden 309 freie Stellen gemeldet. Die meisten neuen Mitarbeiter werden in Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Baugewerbe und im verarbeitenden Gewerbe gesucht.

„Der Januar ist der Monat, in dem die Arbeitslosigkeit regelmäßig am deutlichsten steigt“, sagt Grote-Seifert. Dafür gebe es saisonale Faktoren. Zum Jahreswechsel enden viele befristete Verträge, außerdem laufen Kündigungsfristen aus. Viele junge Menschen schließen ihre Lehre ab, entweder regulär nach dreieinhalb Jahren Ausbildung oder mit einer Verkürzung.

Die sogenannte Unterbeschäftigungsquote liegt im Jahresvergleich unverändert bei 4,5 Prozent. Insgesamt sind 6025 Stormarner auf der Suche nach einer Beschäftigung. Dazu zählen auch Teilnehmer an Weiterbildungen, krankgeschriebene Erwerbslose sowie Flüchtlinge, die einen Sprach- oder Integrationskursus oder eine Berufsvorbereitung absolvieren.

Der Kreis Stormarn hat mit 3,3 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in Schleswig-Holstein. Landesweit ist der Wert im Jahresvergleich um 0,2 Punkte auf 5,4 Prozent gesunken. In Hamburg sind es 6,4 Prozent.

In Deutschland gibt es große regionale Unterschiede. Der bayerische Kreis Eichstätt (bei Ingolstadt) meldet 1,7 Prozent Erwerbslose, der Kreis Uckermark (Brandenburg) 10,9. In der Stadt Gelsenkirchen sind es 13,4 Prozent.

Die Ahrensburger Geschäftsstelle weist mit 2,8 Prozent (plus 0,1 Punkte zum Vorjahresmonat) den niedrigsten Wert im Kreis aus.
In Reinbek sind es 3,5 Prozent (plus 0,3).
Bad Oldesloe folgt mit 4,0 Prozent (plus 0,1). Dahinter liegen die auch zum Bereich der Oldesloer Agentur zählenden Filialen in Mölln (4,8; minus 0,2) und Geesthacht (5,8; plus 0,1).