Stormarn
Glinde

Weißbüscheläffchen lebte jahrelang im Vogelkäfig

Weißbüschelaffen wie Irene sind vor allem in den Wäldern Brasiliens heimisch.

Weißbüschelaffen wie Irene sind vor allem in den Wäldern Brasiliens heimisch.

Foto: PETA / BGZ

Das Stormarner Veterinäramt konfisziert das Tier in Glinder Haushalt – und wird dafür von der Tierschutzorganisation Peta gelobt.

Glinde. Mager und ängstlich war Weißbüscheläffchen Irene, als sie durch das Veterinäramt des Kreises Stormarn aus einem Privathaushalt in Glinde abgeholt wurde. Der exotische Primat hatte dort über Jahre unangemeldet und ohne Artgenossen in einem Vogelkäfig gelebt, bis der Halter ihn über die Internetplattform Ebay zum Verkauf anbot. Die Tierschutzorganisation Peta war auf den Verkauf aufmerksam geworden, alarmierte das Veterinäramt. Wegen der „guten Zusammenarbeit“ sowie der schnellen Beschlagnahmung des Affen aufgrund nicht artgerechter Haltung ehrt Peta das Amt nun als eines der fünf tierfreundlichsten in Deutschland.

Der Affe soll sich gut mit dem Kind der Familie verstanden haben

Peta habe Kontakt zum Verkäufer aufgenommen. Der habe erklärt, er habe das Tier aus Zeitgründen verkaufen wollen, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. Zudem schilderte der Mann, das Tier habe sich gut mit dem Kind der Familie verstanden, sei aber manchmal bissig gewesen. „Viele sind mit der Haltung von exotischen Tieren überfordert. Sie landen dann zum Verkauf im Internet“, sagt Jana Hoger. „Die Nachfrage nach exotischen Tieren nimmt aber leider immer mehr zu“, so Hoger weiter. Viele der Halter wünschten sich ein Tier, das „etwas Besonderes“ sei. Im Fall von Irene sei das Tier über einen deutschen Züchter vermittelt worden.

Tiere werden laut Peta häufig illegal gefangen

Viele der Tiere würden in den Ursprungsländern illegal gefangen und importiert, heißt es bei Peta. „Der Handel in Deutschland ist dann wiederum legal – eine Gesetzeslücke, die es zu schließen gilt“, sagt Jana Hoger. Besonders beliebt seien Reptilien: Pro Jahr werden mehr als eine Million Tiere legal in die EU importiert, die Dunkelziffer sei hoch.

Die Stormarner Behörde sowie das Ordnungsamt in Glinde bestätigen den Fall Irene. Die Haltung eines Exoten habe das Ordnungsamt wohl nie zuvor beschäftigt, so Rolf Urban. „Normalerweise haben wir es mit Fundtieren zu tun.“ Wie die nicht artgerechte Haltung von Tieren bestraft wird, das sei von Tat zu Tat unterschiedlich, sagt Frank Brinker, Fachdienstleiter des Veterinäramtes Stormarn. Verhalte sich der Halter kooperativ, könne sich das positiv auf das Bußgeldverfahren auswirken. Die Stadt hat den Fall in Absprache mit dem Amt nicht weiterverfolgt, sagt Rolf Urban.

Gesetz sieht in solchen Fällen Bußgeld bis 5000 Euro vor

Das Tierschutzgesetz sieht je nach schwere des Vergehens gegen Tiere Bußgeld von bis zu 5000 Euro in Schleswig-Holstein vor. Bei der Tötung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Nach der Konfiszierung durch die Behörde kam Irene ins Tierheim Hamburg und lebt mittlerweile im Tierpark in Bad Pyrmont, gemeinsam mit ihren Artgenossen.