Gerettete Tiere

So geht es den Katzen aus dem Großhansdorfer Messie-Haus

| Lesedauer: 6 Minuten
Lea Hagemann, Elvira Nickmann, Jana Weber und Greta WoelkI
Diese Kätzchen hatten Glück: Das Muttertier kam kurz vor der Geburt bei einer Pflegestelle unter.

Diese Kätzchen hatten Glück: Das Muttertier kam kurz vor der Geburt bei einer Pflegestelle unter.

Foto: Anne Soltau

Noch immer stehen über 100 Tiere zur Vermittlung. Gemeinde will gegen die Halterinnen Strafanzeige wegen Tierquälerei stellen.

Grosshandorf.  Es war eine Aktion, die für viel Aufsehen gesorgt hat: Mitte August wurden aus einem Messie-Haus in Großhansdorf etwa 120 Katzen befreit. Die Bewohnerinnen, eine 70-Jährige und ihre Tochter (50), dürfen das verdreckte Gebäude auf Anweisung der Gemeinde nicht mehr nutzen, wollen sich aber gerichtlich dagegen wehren. Wie berichtet, plant auch Großhansdorf juristische Schritte.

Strafanzeige wegen Tierquälerei werde erfolgen

Arne Müller, Mitarbeiter im Ordnungsamt, sagte dem Abendblatt: „Eine Strafanzeige wegen Tierquälerei wird noch erfolgen, sobald die Stellungnahme der Amtstierärztin vorliegt.“ Die beiden Halterinnen hatten es versäumt, Katzen mit starken Schmerzen und Krankheiten von einem Tierarzt behandeln zu lassen, einige Tiere starben. Nachdem die Verwaltung die Zustände in dem völlig heruntergekommenen Haus in Augenschein genommen hatte, ordnete sie die sogenannte Fortnahme der Katzen an und brachte sie in verschiedenen Tierheimen unter.

Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Schleswig über die Rechtmäßigkeit dieser Anordnung sollte laut Müller bis Ende dieser Woche erfolgen. Am Freitagabend hatte Bürgermeister Janhinnerk Voß jedoch noch keine Kenntnis über den Ausgang des Verfahrens. Die zweite Anordnung, die den Hauseignerinnen die weitere Nutzung des Gebäudes untersagte, wollten diese nicht hinnehmen, gingen mit einem Eilantrag dagegen vor. Dazu sagte Voß: „Inzwischen wurde der Eilantrag abgelehnt.“ Jetzt gebe es ein ganz normales Gerichtsverfahren. Laut Verwaltungsmitarbeiter Müller kann sich das länger hinziehen, und auch der Bürgermeister erwartet eine Entscheidung in dieser Sache erst in ein bis zwei Jahren.

Heilungsprozesse verlaufen überwiegend positiv

Monika Ehlers vom Tierschutzverein Ahrensburg-Großhansdorf, der das Tierheim in der Waldgemeinde betreibt, sagt: „Die Schicksale der geretteten Katzen stimmen mich immer noch sehr traurig.“ Zum Leidwesen aller Tierheime, die Vierbeiner aus dem Messie-Haus aufgenommen hätten, sei bisher nur eine sehr geringe Anzahl vermittelt worden. „Viele der von uns aufgenommenen Tiere waren sehr krank, litten beispielsweise an Katzenschnupfen oder Durchfallerkrankungen. Einige mussten sogar operiert werden“, so Ehlers. „Jedoch verlaufen die Heilungsprozesse überwiegend positiv.“ Drei trächtige Katzen seien vorübergehend in Pflegestellen untergekommen, zwei davon hätten bereits geworfen. Auch wenn die Entwicklung der meisten Katzen gut sei, gebe es auch Trauriges zu berichten. Ehlers: „Es gab leider einige Totgeburten.“

Von den im Großhansdorfer Tierheim untergebrachten Katzen seien vier an einen Bauernhof vermittelt worden. Eine weitere habe ein neues Zuhause bei Haltern gefunden, die bereits eine Katze haben. Inzwischen hat Großhansdorf mit den Tierheimen eine Einigung über die Kosten erzielt. Derzeit zahlt die Gemeinde etwa zehn Euro pro Tag und Tier.

Schulklasse sammelte 150 Euro für Tierheim

Die Hauseignerinnen müssen allerdings mit Forderungen von etwa 25.000 Euro rechnen. Die Höhe des Betrags erklärt Müller mit den „massiven Tierarztkosten“, die inzwischen aufgelaufen seien. Bei einer endgültigen Fortnahme gingen die Tiere in das Eigentum der Gemeinde über, die ab dann die Kosten tragen müsse. Jetzt werde erst einmal abgewartet, wie viele Tiere vermittelt werden können. Im Dezember wolle man sich erneut mit den Tierschützern zusammensetzen und überlegen, wie es weitergehe. „Die Tierheime sind frohen Mutes, alle zu vermitteln“, sagt Müller. Darunter seien allerdings auch einige Exemplare wie ein Kater namens Ludwig, der nichts mit Menschen zu tun haben wolle. Doch auch für ihn gebe es Möglichkeiten der Vermittlung, beispielsweise als Stallkatze. Befürchtungen, nicht vermittelte Katzen würden getötet, hält Arne Müller entgegen: „Wir haben die Katzen doch nicht gerettet, um sie anschließend einschläfern zu lassen.“

Ende vergangener Woche bekamen die zwei Frauen weitere Konsequenzen ihres Handelns zu spüren: Die Verwaltung erteilte ihnen ein Tierhalteverbot und ordnete dessen sofortige Vollziehung an. Damit die Tierschutzvereine weiterhin den Heilungsprozess der Katzen fördern können, freuen sich über jegliche Unterstützung – beispielsweise durch Geld-, Futter-, Spielzeug- oder Streuspenden. Ein Beispiel: die Klasse 7b der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule aus Ahrensburg. Sie spendete 150 Euro an das Tierheim, die sie mit einem Kuchenverkauf eingenommen hatte. Hilfe erhielt die Einrichtung auch von den Stormarner Jusos. Sie stellten dem Verein 480 Euro aus dem Erlös eines Familienflohmarkts zur Verfügung.

Jungtiere am einfachsten zu vermitteln

Auch wenn die finanzielle Unterstützung von Gemeinde und Bürgern den Katzen aus dem Messie-Haus eine große Hilfe ist: Das Leben im Heim soll kein Dauerzustand sein. „Unsere Katzen sehnen sich nach einem liebevollen Umfeld, welches ihnen Freigang, Ruhe und Geborgenheit bietet“, sagte eine Mitarbeiterin des Hamburger Tierheims Süderstraße dem Abendblatt. Auch dort kamen einige Tiere aus Großhansdorf unter. „Jedoch sollte bei einer Anschaffung klar sein, dass die Katzen aus schlimmen Verhältnissen stammen und keine Kuscheltiere sind. Sie brauchen ihre Zeit, um mit der neuen Familie warm zu werden.“

Wer eines der Tiere übernehmen will, bekommt im Tierheim Großhansdorf qualifizierte Beratung durch einen Tierpfleger. Dieser klärt über den richtigen Umgang mit den noch scheuen Tieren auf, fragt die künftigen Halter nach ihren Vorstellungen und Lebensumständen, in die der neue Hausgenosse aufgenommen werden soll. Halter, Tier und das neue Zuhause müssen zueinander passen. Monika Ehlers sagt: „Jede Katze bringt ihre Geschichte mit.“ Der 6 Jahre alte Kater Edward sei beispielsweise ein Einzelgänger, nicht für Katzengesellschaft zu haben und müsse sich erst an Menschen gewöhnen.

Erfahrungsgemäß ließen sich Jungtiere am leichtesten vermitteln. Allerdings gibt Ehlers zu bedenken: „Katzen werden sehr schnell groß, können bis 20 Jahre alt werden.“ Interessenten müssten die Lebensspanne der Tiere berücksichtigen. „Bei uns stehen Exemplare unterschiedlichen Alters zur Vermittlung.“ Die Gebühr betrage 80 Euro, dafür seien die Katzen gechipt, kastriert und geimpft. Ehlers hofft auf mehr Interessenten, denn ihr macht ein Umstand große Sorgen: „Im Moment häufen sich die Abgaben weiterer Katzen auffällig.“

Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß sagt: „Es würde mich sehr für die Katzen freuen, wenn sie nach allem, was sie durchgemacht haben, ein fürsorgliches Zuhause finden.“

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