Stormarn
Prozess in Lübeck

Kirche verklagt Pastor: Ahrensburger streiten weiter um Geld

Der Ahrensburger Pastor Helgo Matthias Haak (l.) mit seinem Anwalt Einar von Harten nach der Verhandlung vor dem Landgericht in Lübeck.

Der Ahrensburger Pastor Helgo Matthias Haak (l.) mit seinem Anwalt Einar von Harten nach der Verhandlung vor dem Landgericht in Lübeck.

Foto: Finn Fischer

Gemeinde fordert Fahrtkosten zurück, die der Mann nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals für eine Therapie erhalten hatte.

Ahrensburg/Lübeck. Im Rechtsstreit zwischen der Kirchengemeinde Ahrensburg und Pastor Helgo Matthias Haak um die Erstattung von Auslagen im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal wurde auch bei der zweiten Verhandlung keine Einigung erzielt. Einen Vergleich wird es wohl nicht geben.

Pastor Haak wertet Forderung als eine „persönliche Verletzung“

Die Kirche fordert in einem Zivilprozess erstattete Fahrtkosten in Höhe von 5310,80 Euro von Haak zurück (wir berichteten). Das war laut Pastor Haak vom damaligen Vorsitzenden des Kirchengemeinderats so nicht kommuniziert worden. „Ich sehe das als persönliche Verletzung. Es entsteht der Eindruck, dass ich mir von der Kirche Geld geborgt habe, dass ich jetzt gefälligst zurückzuzahlen habe“, sagte Haak beim Zivilprozess am Lübecker Landgericht zum Abendblatt. Tatsächlich handelt es sich bei den 5310 Euro um Fahrtkosten, die in den Jahren 2011 bis 2016 angefallen waren. Der Pastor befand sich damals in psychologischer Behandlung.

Aufklärung des Missbrauchsskandals: Haak kritisierte Arbeitgeber

Die Therapie stand in Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal. 2010 war bekanntgeworden, dass der Geistliche Dieter K. während seiner Tätigkeit in der Schlossstadt in den 70er- und 80er-Jahren Minderjährige missbraucht hatte. Durch die Aufarbeitung geriet die Gemeinde unter öffentlichen Druck. Haak forderte Aufklärung und kritisierte seinen Arbeitgeber. Zeitweise verbot das Nordelbische Kirchenamt dem Pastor, über den Missbrauch zu sprechen.

Der Geistliche pendelte lange Zeit zur Therapie nach Schwerin

Gerichtliche Auseinandersetzungen folgten. „Zeitweise war ich krank geschrieben. Die Therapie diente dazu, dass ich weiter als Pastor tätig sein kann“, sagte Haak. Dafür pendelte der Ahrensburger über Jahre hinweg mehrmals im Monat nach Schwerin. 2011 sei unstrittig gewesen, dass die Auslagen erstattet werden und sich die Kirchengemeinde die Kosten von der Landeskirche zurückhole.

Pastorenkollege habe die Übernahme der Kosten zugesagt

In einem Gespräch habe der damalige Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Pastor Detlev Paschen, Haak die Übernahme der Auslagen zugesagt. Sowohl Haak als auch Paschen gaben an, dass über eine Rückzahlung des Geldes nicht gesprochen wurde. Laut Richterin Marion Krohn ist die Kirchengemeinde in der Darlehens- und Beweispflicht und riet beiden Parteien dazu, einen Vergleich anzustreben: „Das Prozessrisiko liegt deutlich auf der Klägerseite. Es ist eine unangenehme prozessuale Situation und nicht einfach, hier ein Urteil zu fällen. Es ist nicht eindeutig.“

Streit um 5310,80 Euro – doch ein Vergleich ist nicht in Sicht

Ein schriftliches Protokoll zum damaligen Vorgang gibt es nicht. Die Rechtsanwälte der Kirche glauben allerdings, dass beiden Parteien klar gewesen sein muss, dass es eine Rückzahlung geben sollte. Denn eine Schenkung hätte gegen das Pfarrdienstgesetz verstoßen. Volker Vogt, Arbeitsrechtlicher und Anwalt der Kirchengemeinde, bemühte ein Beispiel, warum er eine finanzielle Beteiligung der Kirche an den Haak während der Behandlung entstandenen Kosten für ungerechtfertigt hält: „Wenn ich jetzt auf dem Weg nach Hause einen Unfall habe, wäre das während einer Dienstfahrt. Aber mein Arbeitgeber würde doch dann auch nicht meine Fahrtkosten übernehmen, wenn ich anschließend über Monate immer wieder zum Arzt fahren muss.“

Kirchengemeinde will lediglich auf anfallende Zinsen verzichten

Beide Parteien zeigten sich grundsätzlich zu Gesprächen über einen Vergleich bereit. Doch nach einer kurzen Unterbrechung wurde klar: Die Vorstellungen gehen zu weit auseinander. „Wir gehen auf keinen Fall unter 50 Prozent“, sagte Haaks Rechtsanwalt Einar von Harten. Die Gegenseite wollte lediglich auf die auf die Summe anfallenden Zinsen verzichten.

Der Prozess soll am Freitag, 3. April, am Landgericht Lübeck fortgesetzt werden. Dann will Richterin Marion Krohn erneut den damaligen Gemeinderatsvorsitzenden Paschen vernehmen.