Stormarn
Prozess in Lübeck

Mordfall Ivonne Runge: Das sagte ihr Freund vor Gericht

Sirko S. war bis zu ihrem Tod Lebensgefährte der ermordeten Ivonne Runge. Er hat jetzt im Prozess vor dem Landgericht Lübeck ausgesagt.

Sirko S. war bis zu ihrem Tod Lebensgefährte der ermordeten Ivonne Runge. Er hat jetzt im Prozess vor dem Landgericht Lübeck ausgesagt.

Foto: Finn Fischer / HA

Sirko S., letzter Lebensgefährte der getöteten Schlamersdorferin, wurde als Zeuge gehört. Er hatte sofort einen Verdacht.

Lübeck.  Im Mordprozess gegen den Ex-Freund der getöteten Schlamersdorferin Ivonne Runge hat am Donnerstag ihr letzter Lebensgefährte ausgesagt. Sirko S. war nach dem Bruch zwischen Runge und ihrem notorisch untreuen Ex-Partner Stephan B., der jetzt wegen Mordes auf der Anklagebank sitzt, mit der 39-Jährigen zusammengekommen. Vor Gericht schilderte der 42-Jährige, wie Stephan B. immer wieder den Kontakt zu seiner Freundin suchte und ihr sogar einen Heiratsantrag machte: „Er hat einfach nicht locker gelassen.“

Während der Aussage von Sirko S. sitzt Stephan B. mit gesenktem Kopf auf dem Platz hinter seiner Verteidigerin. Manchmal macht der Angeklagte sich Notizen, schüttelt bei einigen Ausführungen den Kopf. Er wirkt aufgeräumt, fast routiniert. In keinem Moment blickt er auf. Einen Augenkontakt zwischen den beiden Männern, die dieselbe Frau liebten, gibt es nicht.

Für den Freund ist die Suche nach der Wahrheit zur Obsession geworden

Jeder geht anders mit dem Verlust eines geliebten Menschen um. Für Sirko S. ist die Suche nach der Wahrheit über den Tod seiner Freundin zur Obsession geworden. Immer wieder muss das Gericht den Redefluss des Berliners zügeln. Im Dezember hatte Sirko S. den Ermittlern eine dicke Mappe mit Papieren übergeben – die Ergebnisse eigener Nachforschungen. Dass Stephan B. für das Verschwinden und letztendlich für den Tod seiner neuen Liebe verantwortlich ist, war für S. schon von vornherein klar – und sein Verdacht sollte sich bestätigen. Ivonne Runge umgebracht zu haben, hat B. bereits gestanden. Jedoch nicht, dass er den Mord geplant hat. Sollte das Gericht nach der Version von Stephan B. entscheiden, wäre es Totschlag. Darauf steht aber keine lebenslängliche Haftstrafe.

Sirko S. glaubt nicht, dass B. Ivonne Runge an einer Bushaltestelle in Schlamersdorf während eines Streits im Affekt erwürgt hat. Auch die Staatsanwaltschaft vermutet eine geplante Tat. Fest steht mittlerweile, dass Stephan B. die Trennung nicht überwunden hat. So berichtete Sirko S. in seiner Aussage über bizarre Vorkommnisse und unangenehme Annäherungsversuche. Am 9. September 2017, etwa anderthalb Monate vor dem ihrem Tod, holte Stephan B. Ivonne Runge von der Arbeit ab – ohne ihr zu sagen, wohin die Fahrt geht. „Oh Gott, er ist mit mir zum Strand gefahren und baut etwas auf. Ich hoffe, es wird nicht das, was ich denke“, schrieb die Frau ihrem neuen Freund an diesem Tag per WhatsApp. B. machte seiner Ex-Partnerin einen Heiratsantrag, sie lehnte ab.

Auch zwei Polizistinnen sagen vor Gericht aus

Bei dieser Grenzüberschreitung blieb es nicht. „Der Angeklagte hat versucht, Ivonne davon zu überzeugen, dass ich von ihm engagiert worden sei“, erzählt Sirko S. vor Gericht Bei einer anderen Gelegenheit habe B. behauptet, er habe ein Sex-Video von ihr und ihrem neuen Freund. Offenbar um Ivonne in seine Wohnung zu locken. Dort stürzte sie eine Treppe hinunter. „Das war dann der Zeitpunkt, an dem sie Angst vor ihm bekommen hat“, erinnert sich Sirko S. Ihm gegenüber offen geäußert habe sie diese Sorge aber nicht.

Neben Sirko S. sagten am Donnerstag zwei Ermittlerinnen aus, die unter anderem die Standortdaten des Google-Kontos und Smartphones von Stephan B. gesichtet haben. Demnach hielt sich Stephan B. vor der Tötung von Ivonne R. an dem Park&Ride-Parkplatz Am Redder in Bargteheide auf. Der liegt ganz in der Nähe des Ortes, an dem später die Leiche der 39-Jährigen gefunden wurde. Für die Ermittler ist das ein Indiz dafür, dass B. dort mögliche Ablageorte auskundschaftete. Er selbst bestreitet das. Seiner Aussage zufolge hat er dort nach der Arbeit lediglich frische Luft geschnappt.

Die letzte Sprachnachricht: „Wundere dich nicht ...“

Bekannt ist, dass sich Ivonne Runge am 25. Oktober mit Stephan B. getroffen hat, um über die Auflösung eines Kaufvertrages für ein Haus zu sprechen, den sie gemeinsam abgeschlossen hatten. In seinem Geständnis zu Prozessbeginn hatte Stephan B. ausgesagt, dass er sie dann in ihrem Opel Astra nach Hause gefahren habe: „Es ging ihr nicht gut. Sie hatte Kreislaufbeschwerden.“

Demnach seien sie gegen 23 Uhr von Rümpel nach Schlamersdorf aufgebrochen. Nachdem sie einige hundert Meter vor ihrem Haus aussteigen und zu Fuß gehen wollte, soll es zum Streit gekommen sein, in dessen Folge er seine Ex-Freundin erwürgt habe. Die Staatsanwaltschaft will dagegen beweisen, dass Ivonne Runge mit Vorsatz umgebracht wurde.

Die letzte Sprachnachricht von seiner Freundin bekam Sirko S. am Abend des 25. Oktober um 22.14 Uhr per Whatsapp. Da war sie schon auf dem Weg zu Stephan B. „Ich sollte mich nicht wundern, wenn sie nicht sofort antwortet“, sagt er vor Gericht.