Stormarn
Prozess

Mordfall Ivonne Runge: „Angeklagter hatte viele Affären“

Der Angeklagte Stefan B. wird in Handschellen in den Gerichtssaal am Landgericht Lübeck gebracht.

Der Angeklagte Stefan B. wird in Handschellen in den Gerichtssaal am Landgericht Lübeck gebracht.

Foto: Janina Dietrich / HA

Ehemalige Mitarbeiterinnen und Affären berichten vor dem Landgericht von Gewalt, Drohungen und sexuellen Übergriffen.

Lübeck.  Im Mordprozess gegen den Ex-Freund von Ivonne Runge haben am fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht in Lübeck mehrere ehemalige Geliebte und Mitarbeiterinnen von Stefan B. ausgesagt. Zusammen ergeben die Befragungen das Bild eines Mannes, der notorisch untreu war, immer wieder Frauen belästigte und offenbar auch vor Gewalt nicht zurückschreckte.

Ivonne Runge, die in Schlamersdorf bei Bad Oldesloe wohnte, wurde vor ihrem Tod von B. gestalkt. Dass der 39 Jahre alte Stefan B. seine ehemalige Lebensgefährtin umgebracht hat, hatte der Tankstellenpächter bereits in einem Teilgeständnis eingeräumt. Mit der Befragung zahlreicher Zeugen will das Gericht jetzt feststellen, ob B. wie von ihm behauptet im Affekt handelte oder die Tat geplant war und damit als Mord zu bestrafen ist.

Er betrog Ivonne Runge mit einer Kollegin

Jetzt sagte unter anderem eine langjährige Affäre und ehemalige Mitarbeiterin aus. Die heute 47-Jährige lernte B. vor 13 Jahren während der gemeinsamen Arbeit auf der Autobahnraststätte Buddikate kennen. Es entstand eine Freundschaft „mit gewissen Vorzügen“, so die Zeugin: Immer wieder gingen beide miteinander ins Bett. Auch während B.s Beziehung zu Ivonne Runge, wie Chatverläufe belegen und die Zeugin vor Gericht einräumte.

Im Fokus der Befragung stand auch ein Geschäft, das beide planten. Die Kollegin wollte 2017 eine Tankstelle kaufen, Stefan B. – damals noch mit Ivonne Runge zusammen – ein dazugehöriges Wohnhaus. Am 26. Oktober 2017 hatten beide deswegen einen Banktermin. Am Abend zuvor erwürgte B. Ivonne Runge.

„Er wirkte auf mich an dem Tag ziemlich normal“, sagte die Zeugin. Er habe ihr dann erzählt, dass er Ivonne nach einem Treffen nach Hause gebracht habe.

Mit seinem Auto fuhr er am Haus auf und ab

Ivonne Runge bekam 2017 heraus, dass B. sie immer wieder betrogen hatte. Zunächst wollte die 39-Jährige eine Auszeit, beendete dann die Beziehung und fand einen neuen Freund. In der Trennungsphase soll B. immer wieder vor dem Haus seiner Ex-Freundin aufgetaucht sein. Er fuhr mit seinem weißen Kia-SUV die Straße auf und ab, bis sich irgendwann die Nachbarn besorgt an Ivonne Runge wandten. Das berichtete eine weitere Zeugin, die mit Runge in einem Geschäft für Haustierbedarf in Bad Oldesloe zusammenarbeitete. „Mehrmals stand er vor ihrer Tür“, sagte die 25-Jährige.

Häufig unterhielten sich die beiden Frauen auch über Privates. Etwa darüber, dass Ivonne eines Tages ein Handy in ihrem Auto entdeckt hatte. Wie sich später herausstellte, hatte B. das Telefon gekauft und es dort platziert, um sie überwachen zu können.

Im Streit soll er sie eine Treppe heruntergestoßen haben

Auch von gewalttätigen Übergriffe erzählte Ivonne ihrer Kollegin. „Einmal hat sie mir erzählt, dass er sie im Verlauf eines Streits die Treppe hinuntergestoßen hat. Sie hat mir die blauen Flecke gezeigt“, sagt die Zeugin.

Von gewalttätigen und sexuellen Übergriffen erzählten andere Frauen. „Auch mich hat er schon angegraben, aber ich bin nicht darauf eingegangen“, sagte eine Frau, die mit B. über Jahre in der Tankstelle der Raststätte Buddikate zusammengearbeitet hatte. Sie habe zu ihm ein gutes Verhältnis gehabt, aber allenfalls ein freundschaftliches.

Er drohte, den Hund mit Bauschaum auszuspritzen

In der Belegschaft war B. für zahlreiche Affären bekannt. Mindestens zwei ukrainische Studentinnen, die dort Aushilfen waren, und mehrere Mitarbeiterinnen hätten Sex mit ihm gehabt. Es soll auch zu Belästigungen gekommen sein. Mitarbeiterinnen habe er gern auf den Hintern gehauen. „Es war ihm egal, ob Ivonne das alles herausfindet“, sagte die Kollegin. Eine Freundin von ihr sei vor Jahren mit B. zusammen gewesen. Auch sie sei betrogen und bedroht worden. „Einmal wollte er sich ihr Auto leihen, um zu einer Affäre zu fahren. Als sie ihm die Schlüssel nicht geben wollte, drohte er ihr damit, ihren Hund mit Bauschaum auszuspritzen.“ Außerdem habe er sie gewürgt und gesagt: „Du weißt, wozu ich fähig bin.“ Die Freundin sei in ein Frauenhaus geflüchtet. Es kam zur Anzeige, doch das Verfahren wurde eingestellt.

Der Mordprozess wird am 20. Dezember fortgesetzt. Dann wird der letzte Freund von Ivonne Runge aussagen. Der ursprünglich geplante Termin am 19. Dezember entfällt nach Angaben von Gerichtssprecher Stephan Bahlmann.