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Anwohner und Politik kritisieren Neubauten in Reinbek

Anwohner in Reinbek protestieren gegen diese Art der Bebauung.

Anwohner in Reinbek protestieren gegen diese Art der Bebauung.

Foto: Imke Kuhlmann

Neue Villen mit Eigentumswohnungen verärgern Anwohner. Sie schlugen jetzt auf der Stadtverordnetenversammlung Alarm.

Reinbek. In einer anderen Gegend würden die beiden Neubauten vielleicht nicht einmal auffallen. Doch an Reinbeks Waldstraße direkt neben der Wildkoppel fügen sie sich nicht gerade in die Architektur der Nachbarschaft ein. Ein Investor baut hier 14 bis zu 122 Quadratmeter große Eigentumswohnungen in zwei „Stadtvillen“ samt Aufzug und Tiefgarage auf einem etwa 2000 Quadratmeter großen Grundstück.

Doch für Reinbeks Villenviertel stehen die kompakten Gebäude sehr dicht beieinander und an den Grundstücksgrenzen. Sie sind nach keiner Sichtachse ausgerichtet, zudem wurden alte Bäume für sie gefällt. Daher schlugen jetzt die Anwohner während der Stadtverordnetenversammlung Alarm und forderten eine Einschätzung der Fraktionen ein. Anwohnerin Christiane Meyer-Spittler betonte den ökologischen Wert des Quartiers und monierte: „Die Erhaltungssatzung schützt das Gebiet rund um die Kückallee nicht mehr ausreichend.“

Erhaltungssatzung sei „stumpfes Schwert“

Günter Herder-Alpen, Fraktionschef der Grünen gab den Bürgern recht: „Uns liegt die Kückallee und das gesamte Gebiet sehr am Herzen. Deshalb hat unsere Fraktion sich seinerzeit für die Erhaltungssatzung eingesetzt. Doch diese scheint leider ein stumpfes Schwert geworden zu sein.“ Aktuell werde beraten, was zu tun sei, um solchen Investorenprojekten entgegen zu steuern – ob man die Baumschutzsatzungen schärfe, Gestaltungssatzungen oder Bebauungspläne bevorzuge.

Patrick Ziebke sagte für die CDU: „Da muss die Verwaltung nachsteuern. Es gibt in der Stadt viele liebenswerte Ecken, die erhaltenswert sind. Wir müssen den Spagat zwischen behutsamer Nachverdichtung und der Erhaltung schaffen.“ Anfang des Jahres wolle die Politik sich zu dem Thema treffen.

Volker Müller (SPD) sagte: „Es ist höchst ärgerlich, wenn man einfach eine alte Blutbuche absägt, weil das Baurecht dies hergibt. Gerade die Bismarckstraße ist von einem Baustil geprägt, der die gesamte Stadt geprägt hat.“

Bernd Rasch, Vorsitzender der FDP-Fraktion, gab den anderen recht. „Es ist positiv, dass alle Fraktionen Nachbesserung fordern. Das Problem ist, dass es einen Ermessensspielraum gibt. Wir sollten den Mitarbeitern der Verwaltung einen Linie zur Entscheidung mitgeben.“ Seiner Ansicht nach sei ein Bebauungsplan trotz einiger Nachteile das schärfere Schwert.

Wählergemeinschaft ist über das Projekt entsetzt

Heinrich Dierking (Forum 21) zeigte sich entsetzt von dem Projekt: „Wer es noch nicht gesehen hat, wird die Ecke nicht wiedererkennen“, sagte er. Eigentlich habe die Stadt Reinbek sehr früh ein Klimakonzept erstellt. Offensichtlich lasse es sich nicht umsetzen. „Ich bin überzeugt, dass die gefällten Bäume noch ein Restbestand der ursprünglichen Wildkoppeln waren“, sagte der Landschaftsplaner. Das Einzige, was helfen würde, wäre eine entsprechende Bauleitplanung.“

Laut dem parteilosen Stadtverordneten Klaus-Peter Puls biete eine Erhaltungssatzung jedoch schon eine Möglichkeit, Einfluss auf eine Bauvorhaben zu üben: „Sie ist geltendes Stadtrecht“, sagte er.

Einer der Anwohner wehrte sich gegen den Begriff Nachverdichtung an diesem Standort: „Die Wohnungen sollen 550.000 Euro kosten, das hat nichts mit bezahlbarem Wohnraum zu tun. Hier geht es allein um Gewinnmaximierung.“