Umwelt

So weit ist Stormarn beim Klimaschutz

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Lutz Kastendieck
Die Klimaschutzmanagerin des Kreises Stormarn Isa Reher.

Die Klimaschutzmanagerin des Kreises Stormarn Isa Reher.

Foto: Johanna Helbing / HA

Vielfältige Maßnahmen haben die Treibhausgas-Emissionen jährlich um 48 Prozent und die Betriebskosten um 180.000 Euro gesenkt.

Bad Oldesloe. Mit einem Kreistagsbeschluss unter dem markigen Titel „Wir haben verstanden!“ haben die Fraktionen am 21. Juni dieses Jahres die Eindämmung des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität anerkannt. „Der Kreis hat hier bereits vieles auf den Weg gebracht hat. Gleichwohl bleibt aktiver Klimaschutz in all seinen Facetten eine fortwährende Aufgabe“, sagt Gerold Rahmann (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses.

In dessen jüngster Sitzung hat die Klimaschutzmanagerin des Kreises, Isa Reher, jetzt einen ersten, umfassenden Überblick jener Maßnahmen auf Kreisebene gegeben, die die Erderwärmung begrenzen sollen. Erstmals waren auch Vertreter der Klimabewegung Fridays for Future (FfF) anwesend. „Es ist durchaus viel lobenswertes Engagement deutlich geworden. Doch der Kreis hat seine Potenziale längst noch nicht ausgeschöpft“, sagt FfF-Sprecher Nils Bollenbach aus Bargteheide.

Festzuhalten bleibt indes, dass der Kreis in Sachen Klimaschutz durchaus eine Vorreiterrolle einnimmt. So hat Stormarn 1995 als einer der ersten Kreise überhaupt ein Klimaschutzprogramm aufgestellt und eine Klimaschutzmanagerin verpflichtet. Schon 1996 sind die ersten 37 Maßnahmepakete geschnürt worden. 2009 waren es bereits 96, aktuell sind es mehr als 100.

„2017 sind als vorrangige Themenkomplexe unter anderem die Forcierung der E-Mobilität und das Verbot der Beschaffung klimaschädlicher Kühlmittel hinzugekommen“, sagt Isa Reher. Dass vor allem Ersteres ein dickes Brett darstellt, lässt sich schon daran ermessen, dass Ende Oktober erst 512 reine E-Mobile im Kreisgebiet angemeldet waren und es 67 Ladeorte mit mindestens einer Säule in Stormarn gab.

Zu einer wahren Erfolgsgeschichte hat sich das Projekt Fifty/Fifty entwickelt. Ziel ist es, die Energie-, Wasser- und Abfallkosten von Schulen und Kindergärten, vorrangig durch das aktive Handeln der Kinder selbst, zu reduzieren. 50 Prozent der Kostenersparnis werden an die jeweilige Einrichtung zur freien Verfügung wieder ausgezahlt. „Viele Schüler und deren Lehrer werden im Kreis seit 1996 durch Fifty/Fifty motiviert, ganz bewusst über Einsparpotenziale nachzudenken. Das tun sie nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause. Damit leisten sie einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Reher. Nach den Schulen der Kommunen Reinbek, Barsbüttel, Bargteheide und Großhansdorf gibt es Fifty/Fifty-Projekte inzwischen auch an vielen Kitas des Kirchenkreises Hamburg-Ost. Und ab 2020 an Ahrensburger Schulen.

Stormarn war Vorreiter bei der Initiative „Green IT“

Vorreiter war der Kreis überdies bei der Initiative „Green IT“. Hier geht es um die Nutzung energieeffizienter Informations- und Kommunikationstechnik, die Optimierung des Ressourcenverbrauchs, aber auch die Schaffung von Telearbeit, um so unnötige Fahrwege zu vermeiden. „Seit 2015 können 54 Kollegen auch aus dem Homeoffice arbeiten, weiteren 21 wurde das mobile Arbeiten, etwa durch Notebooks, ermöglicht“, berichtet Isa Reher.

Für die, die in die Kreisverwaltung pendeln müssen, gab es 2000 und 2011 Kurse zum spritsparenden Fahren. Seit 2016 gehören zum Fuhrpark der Kreisverwaltung E-Autos, seit 2019 gibt es zudem drei Plug-In-Hybride. Reher: „Vorrang bei allen Dienstreisen hat aber selbstverständlich der Öffentliche Personennahverkehr, wann immer das zeitlich möglich ist.“

Solaranlagen des Kreises erzeugen 230.000 Kilowattstunden im Jahr

Großes Augenmerk wird bereits seit vielen Jahren auf die bauliche Ausgestaltung der kreiseigenen Immobilien gelegt. Dazu gehört die großflächige Ausstattung von Dächern und Fassaden mit Fotovoltaikanlagen. 1800 Quadratmeter sind an Verwaltungsgebäuden sowie den Berufsschulen in Bad Oldesloe und Ahrensburg installiert worden. „Sie erzeugen 230.000 Kilowattstunden regenerativen Strom im Jahr. Dadurch werden 55.000 Euro Energiekosten gespart und 130 Tonnen CO2 weniger ausgestoßen“, rechnet Isa Reher vor.

Erhebliches Sparpotenzial ist seit dem Jahr 2012 außerdem durch die Umstellung auf energiesparende LED-Beleuchtungstechnik generiert worden. Sechs große Projekte, die mit mehr als 110.000 Euro gefördert worden sind, haben den Stromverbrauch um 150.000 Kilowattstunden gesenkt, 35.000 Euro gespart und den CO2-Ausstoß um 80 Tonnen reduziert.

„Unsere Maßnahmen zeigen Wirkung. Im Vergleich zu 1987 konnte die Kreisverwaltung ihre Treibhausgas-Emissionen um rund 48 Prozent senken“, zieht Isa Reher eine positive Zwischenbilanz. 55 Prozent des Energieverbrauchs entfällt auf erneuerbare Quellen. Dazu zählen neben klimafreundlich erzeugter Fernwärme, Solarthermie und Pelletheizungen. Das hat nicht zuletzt die Betriebskosten im Schnitt um rund 180.000 Euro pro Jahr reduziert.

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