Stormarn
Ausbildung

150 Stellen unbesetzt: Stormarner Firmen kämpfen um Azubis

Vertreter des regionalen Ausbildungsbündnisses haben sich mit Arbeitsagentur-Chefin Heike Grote-Seifert (3. v. r.) in Bad Oldesloe getroffen, um über die aktuelle Situation für Firmen und junge Menschen zu diskutieren.

Vertreter des regionalen Ausbildungsbündnisses haben sich mit Arbeitsagentur-Chefin Heike Grote-Seifert (3. v. r.) in Bad Oldesloe getroffen, um über die aktuelle Situation für Firmen und junge Menschen zu diskutieren.

Foto: Janina DietricH

Die Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe rät Betrieben zu Imagewerbung, um Vorurteile bei Schülern und Eltern zu beseitigen.

Bad Oldesloe. Firmen in Stormarn müssen weiter kräftig um Auszubildende werben. 1570 Stellen wurden der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe für einen Ausbildungsbeginn in diesem Jahr gemeldet – ein Plus von 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Davon konnten 150 Plätze nicht besetzt werden“, sagt Agentur-Chefin Heike Grote-Seifert. Das sind 39 mehr als 2018. Die meisten vakanten Stellen registrierte die Behörde bei Kaufleuten im Einzelhandel (33), Verkäufern (9), Elektronikern in der Energie- und Gebäudetechnik (7), Lagerlogistikern (7) und Metallbauern (6).

Firmen locken Auszubildende jetzt mit teuren Geschenken

„Junge Menschen können auf ein breites regionales Angebot zurückgreifen“, sagt Grote-Seifert. „Die Karriereperspektiven sind so gut wie nie. In vielen Branchen werden Betriebsnachfolger gesucht.“ Jugendliche orientierten sich bei ihrer Entscheidung vor allem am Image des Berufs und der Attraktivität des Arbeitgebers. „Geld ist für sie nicht das Wichtigste“, bestätigt Sebastian Grothkopp, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck für die Aus- und Weiterbildung zuständig. „Berufsanfänger wünschen sich gute, strukturierte Ausbildungskonzepte. Sie wollen, dass ihnen etwas geboten wird.“ Das könne beispielsweise ein Besuch der Tochterfirma in Madrid während der Ausbildung sein.

Auch Zusatzqualifikationen seien gefragt. Für kaufmännische Azubis gebe es die Möglichkeit, sich zum Asienkaufmann weiterbilden zu lassen. Unternehmen lockten aber auch mit teuren Geschenken, etwa Tablets, iPhones und sogar Autos, sagt Grote-Seifert. „Da werden die Firmen immer findiger.“

Auf YouTube werden Berufe von ihrer lustigen Seite gezeigt

Betriebe, die auf der Suche nach Auszubildenden sind, sollten so viel Imagewerbung wie möglich machen, rät die Agentur-Chefin. Dazu zähle die Präsentation auf Berufsmessen, aber auch ein Tag der offenen Tür, bei dem angehende Berufsanfänger den Mitarbeitern direkt am Betriebsstandort über die Schulter sehen können. Wichtig seien auch Praktika, „die so spannend gestaltet werden, dass die jungen Leute gern dort bleiben wollen“, so Grote-Seifert. Firmen versuchten zudem, mit YouTube-Filmchen Werbung zu machen, in denen die angebotenen Ausbildungsberufe von der lustigen Seite gezeigt werden.

Ein Problem sei, dass viele Jugendliche und auch deren Eltern falsche Vorstellungen von bestimmten Berufen hätten. „Durch technischen Entwicklungen hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert“, sagt Grote-Seifert, verweist zum Beispiel auf den Bereich Sanitär. In den Köpfen sei meist nur das Bild verankert, dass man sich in dieser Branche „die Hände schmutzig mache“, so die Agentur-Chefin. „Dabei hat sie inzwischen viel mit Technik zu tun, Stichwort: Smart Home.“ Es gehe jetzt auch darum, Wohnungen digital zu steuern.

Viele Schüler wollen weiterhin unbedingt studieren

„Eine vorurteilsfreie Berufswahl hinzubekommen, das ist ganz wichtig“, sagt Grit Behrens, Geschäftsführerin Operativ bei der Arbeitsagentur. „Die Schüler werden in der Regel sehr stark von ihren Eltern beeinflusst, deshalb ist es wichtig, sie ebenfalls mitzunehmen.“ Eltern hätten oft veraltete Bilder von Berufen im Kopf. Grote-Seifert erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine Berufsmesse in Bad Oldesloe, bei der ein Schädlingsbekämpfer seine Arbeit auf ungewöhnliche Weise vorstellte, etwa Heuschrecken zum Probieren angeboten hatte. Bei vielen Jugendliche habe er damit Interesse geweckt.

„Viele wurden dann von ihren Eltern von dem Stand weggezogen“, sagt Grote-Seifert. „Sie wollen, dass sich ihre Kinder für einen angeseheneren Beruf entscheiden.“ Das sei auch ein Grund, warum immer noch so viele Schulabgänger unbedingt studieren wollten. „Viele Eltern glauben, dass ihre Kinder nur mit einem Studium etwas werden“, sagt Grote-Seifert. „Dabei ist die duale Ausbildung ein enormes Karrieresprungbrett.“

Bereits 1200 freie Stellen sind für das Jahr 2020 gemeldet

Das Handwerk feilt seit Jahren mit Kampagnen an seinem Image – und das laut Kreisgeschäftsführer Marcus Krause mit Erfolg. 511 Ausbildungsverträge wurden bis 31. Oktober in Stormarner Handwerksbetrieben abgeschlossen, ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die IHK registrierte im selben Zeitraum 903 neue Verträge (Vorjahr: 867) in Stormarn. Für das nächste Ausbildungsjahr sind bei der Arbeitsagentur in Bad Oldesloe bereits gut 1200 freie Stellen gemeldet worden.