Stormarn
Schutz vor Hochwasser

Bekommt Stormarn doch kein Starkregen-Frühwarnsystem?

Das Haus und der Garten einer Familie in Havighorst wurden bei einem  Unwetter überflutet. Das Inventar wurde zerstört, das Haus war danach  unbewohnbar. 

Das Haus und der Garten einer Familie in Havighorst wurden bei einem Unwetter überflutet. Das Inventar wurde zerstört, das Haus war danach unbewohnbar. 

Foto: Privat / HA

Stormarns Kreisverwaltung will Vorbild der Stadt Lübeck folgen. Doch ausgerechnet im Umweltausschuss gibt es Zweifel.

Bad Oldesloe.  Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, Bäche, die über die Ufer treten – orkanartiger Starkregen hat Stormarn in den vergangenen Jahren mehr denn je zugesetzt. Vor allem Oststeinbek, Havighorst und Glinde waren mehrfach betroffen, zuletzt am Himmelfahrtstag 2018 und im Juli 2016. Deshalb wollte die Kreisverwaltung jetzt schnellstmöglich ein Frühwarnsystem etablieren, wie es die Stadt Lübeck seit etwa zwei Jahren hat. In der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses plädierten die Vertreter der Kreistagsfraktionen indes für eine Vertagung des Themas.

Kreispräsident zweifelt Wirksamkeit des Warnssystems an

„Mit NINA und Katwarn gibt es doch bereits zwei funktionierende Warn-Apps, mir erschließt sich der Mehrwert solch eines Systems nicht“, argumentierte etwa der CDU-Abgeordnete Dennis Möck. Arnulf Andreas Fröhlich von der AfD bezweifelte gar „einen praktischen Nutzen für die aktive Prävention“. Und Hans-Werner Harmuth (CDU), als Kreispräsident zugleich Ausschussmitglied, monierte, seiner Ansicht nach gebe es bei der Beurteilung der Wirksamkeit solch eines Frühwarnsystems „zu viel Glaube und zu wenig Fakten“.

Ingo Lange, Fachdienstleiter für Öffentliche Sicherheit zeigte sich überrascht von der großen Skepsis. „Es geht darum die Reaktionszeit der Einsatzkräfte bei Starkregenereignissen zu verkürzen. Wenn konkrete Messergebnisse und Erfahrungswerte in einem System analysiert und verarbeitet werden, kann künftig auf Gefahrenlagen schneller und effizienter reagiert werden“, erklärte Lange.

Apps speisen sich aus Informationen des Wetterdienstes

Überdies seien die angesprochene Notfall-Informations- und Nachrichten-App (NINA) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die vom Fraunhofer-Institut entwickelte App Katwarn mit dem Frühwarnsystem vor Starkregen nur bedingt vergleichbar. Die Informationen des Deutschen Wetterdienstes, aus denen sich die Warnungen der Apps speisen, bezögen sich in der Regel auf große Flächen. „Mit dem Frühwarnsystem sind aber deutlich kleinteiligere Prognosen für Schadensausmaße möglich, als das bislang der Fall war“, so Lange.

Bereits im März des Vorjahres hatte die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ein Strategiepapier für ein effektives Starkregenrisikomanagement verabschiedet. Darin wird unter anderem die Position vertreten, dass Starkregen und Sturzfluten als Auswirkungen des globaler Klimaentwicklungen lokal zu begegnen sei.

Kreisverwaltung wertete Feuerwehreinsätze bei Starkregen aus

Im Projekt RainAhead des Bundesumweltministeriums war für die Stadt Lübeck bereits zuvor ein Warnsystem vor Starkregen entwickelt worden. „Durch die Auswertung vergangener Feuerwehreinsätze wurden stadtteilspezifische Niederschlagswerte ermittelt und daraus entsprechende Warnwerte abgeleitet“, erläutert Thomas Haarhoff, Fachdienstleiter Wasserwirtschaft in der Kreisverwaltung Stormarn. Eingeflossen seien zudem topografische Besonderheiten wie Senken, Fließwege und vorhandene Abwassereinrichtungen.

„Ein kontinuierlicher Abgleich dieser Warnwerte mit aktuellen Niederschlagsmengen führt zu präziseren Zwei-Stunden-Prognosen als die üblichen Warnungen des Wetterdienstes ohne ortsspezifische Warnschwellen“, so Haarhoff. Bei Überschreitung vorab errechneter Grenzwerte könnten die Rettungskräfte dann über die Leitstelle viel gezielter alarmiert und gelenkt werden.

Rund 60.000 Euro würde solch ein Frühwarnsystem für den Kreis kosten plus 20.000 Euro pro Jahr für Aktualisierungen. Darüber will der Ausschuss aber erst befinden, wenn er zum Thema Fachleute aus Lübeck und der Feuerwehr gehört hat.