Stormarn
Notruf 112

„Von wo rufen Sie an?“ Google soll Lebensrettern helfen

Bei Notrufen über die Nummer 112 sollen künftig nicht mehr wertvolle Sekunden verloren gehen. Das Ortungssystems AML (Advanced Mobile Location) soll den Rettern den genauen Aufenthaltsort von Anrufern übermitteln, die ein GPS-fähiges Android-Telefon nutzen.dpa-Bildfunk +++

Bei Notrufen über die Nummer 112 sollen künftig nicht mehr wertvolle Sekunden verloren gehen. Das Ortungssystems AML (Advanced Mobile Location) soll den Rettern den genauen Aufenthaltsort von Anrufern übermitteln, die ein GPS-fähiges Android-Telefon nutzen.dpa-Bildfunk +++

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst im Kreis Stormarn kann sich bald eine wichtige Frage sparen.

Bad Oldesloe. Wer künftig mit einem Android-Smartphone den Notruf 112 wählt, übermittelt automatisch seinen Standort an die Leitstelle. Das spart wertvolle Minuten. Diese Praxis soll in ein paar Monaten auch in Stormarn funktionieren. Bei einem Notruf geht es um jede Sekunde. Doch allzu oft geht in den Leitstellen viel Zeit dabei verloren herauszufinden, wo sich der Notfall überhaupt ereignet hat.

„Bei einheimischen Anrufern funktioniert das in der Regel sehr gut, unsere Disponenten sind gut geschult und stellen die richtigen Fragen“, sagt Carsten Horn, als Fachdienstleiter Gefahrenabwehr beim Kreis Stormarn zuständig für die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS). Doch bei vielen auswärtigen Anrufern sei es schon schwieriger, den genauen Ort des Unfalls schnell zu erfahren. Gerade bei Notfällen in Waldstücken oder ländlichen Gebieten müssten sich die Leitstellen-Disponenten alle Mühe geben, den genauen Standort herauszubekommen.

Advanced Mobile Location soll dabei helfen, Leben zu retten

Wenn die Anrufer keine Adresse nennen können, müssen die Mitarbeiter der Leitstelle den Rettungskräften oft vage Beschreibungen mitgeben, markante Gebäude, ungefähre Wegbeschreibungen. In solchen Fällen besteht immer die Gefahr, dass den Rettern bei der Anfahrt wertvolle Zeit verloren geht. „Wir warten sehnlichst auf die automatische Standortübermittlung. Damit können wir die Anrufe sofort verifizieren und es spart viel Zeit bei den Gesprächen“, sagt Horn. Denn auch für seine Mitarbeiterstelle der derzeitige Zustand eine Belastung dar. Sie müssen möglichst schnell die in einigen Fällen lebenswichtigen Informationen erfragen. Bei Anrufern, die sich in einer Ausnahmesituation befinden und vielleicht unter Schock stehen, sei das schwer.

Möglich wird die Übermittlung der Standortdaten durch eine Kooperation zwischen dem US-Unternehmen Google und den drei größten deutschen Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica. „Vodafone ermöglicht mit Telekom und Telefónica eine kostenlose Datenübertragung des Standortes in ganz Deutschland. Besonders wichtig: Jeder kann den Dienst auf seinem Smartphone im Notfall nutzen, es muss keine App heruntergeladen werden“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Datenschutzbehörden stuften System als unbedenklich ein

Technik „Advanced Mobile Location“ (AML) heißt die Technik, bei der im Falle eines Notrufs die Standorterkennung des Gerätes automatisch aktiviert wird. Dieser wird sofort an die Leitstelle übermittelt. „Nach etwa zehn bis 15 Sekunden sollten wir den Standort auf etwa fünf Meter genau bei uns auf dem Bildschirm sehen“, schwärmt Carsten Horn. Die Software der Schnittstelle werde bereits angepasst. Bislang ist erst ein Drittel der 250 Leitstellen in Deutschland an das System angeschlossen, das über die Leitstelle Freiburg- Breisgau im Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr betrieben wird. In den kommenden Monaten sollen die übrigen Stellen folgen – auch die für Stormarn zuständige IRLS. Ein genauer Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest.

Daten sollen nur bei Anrufen über 112 übermittelt werden

Google hat den Service so konzipiert, dass die Standortdaten nur übermittelt werden, wenn der Anrufer die 112 wählt. Das funktioniert auch, wenn der Nutzer alle funktionierenden Standortdienste ausgeschaltet hat. Die Daten sind für eine Stunde auf den Servern der Rettungsleitstelle Freiburg gespeichert und werden dann wieder gelöscht. In anderen EU-Ländern wird der Dienst bereits seit mehr als drei Jahren genutzt. Datenschützer hatten einen früheren Start der Funktion bislang verhindert.

Erst kürzlich wurde AML nach einer Prüfung durch zuständige Datenschutzbehörden als unbedenklich eingestuft. Zunächst wird der Service nur Nutzern von Android-Geräten zur Verfügung stehen. Wer mit einem iPhone oder einem anderen Handy ohne Android-Betriebssystem anruft, muss bei einem Notruf zunächst auch weiterhin möglichst genau seinen Standort beschreiben.