Stormarn
Vortragsreihe

Digitale Wissenschaft: Verschwörungen und gezüchtete Haut

Die Digitalisierung hat fast alle Bereiche unseres Lebens erfasst und bestimmt zunehmend wie wir leben, arbeiten und kommunizieren.

Die Digitalisierung hat fast alle Bereiche unseres Lebens erfasst und bestimmt zunehmend wie wir leben, arbeiten und kommunizieren.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Wissenschaftler sprechen im Ahrensburger Marstall über Fortschritte in der Medizin und Klimaforschung.

Ahrensburg. In der Medizin und in der Klimaforschung sind digitale Arbeitsmethoden längst unverzichtbar geworden. In der Vortragsreihe „Digitalisierung, warum?“ sprechen Wissenschaftler im Ahrensburger Marstall über die Auswirkungen einer immer digitaleren Welt auf ihre Arbeit.

Klimaexperte Frank Böttcher bekommt viel (digitale) Post. Wenn der Hamburger sein E-Mail-Postfach öffnet, findet er dort häufig „zunächst sehr freundliche Anfragen“ von vermeintlich an seiner Arbeit interessierten Menschen. Erst in der zweiten oder dritten Mail stellt sich dann heraus, dass die Verfasser weniger an seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert sind als vielmehr daran, diese in Frage zu stellen. Es sind Klimawandelleugner. Im Gepäck haben sie zahlreiche unseriöse Studien, viel Zeit und eine Agenda: Menschen wie Böttcher zu diskreditieren.

Unsinn kann sich in Windeseile verbreiten

Die Zusendungen offenbaren die Kehrseite der Digitalisierung: Unsinn kann sich in Windeseile verbreiten. Denn, das ist wissenschaftlicher Konsens, der Klimawandel ist menschengemacht. „Schon rein physikalisch gibt es keine andere Erklärung als den Menschen“, sagt Klimaexperte Frank Böttcher. Weder Vulkanausbrüche noch Veränderungen in der Neigung der Erdachse oder andere natürliche Einflüsse könnten in dem Maße für die aktuellen Klimaveränderungen verantwortlich sein. Daran gibt es wissenschaftlich keinerlei Zweifel.

„Es kann lediglich die Frage diskutiert werden, ob wir etwas tun wollen oder eben nicht“, sagt Böttcher. Die Wissenschaft kann die Folgen von Handlungen zeigen. Dabei spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Gestützt auf bekannte Klimadaten der vergangenen Jahrzehnte lässt sich ein Modell und eine Art Hochrechnung erstellen, wie sich das Klima auf der Erde in den nächsten Jahrzehnten verändern wird. „Es geht dann auch um die Frage, ,was wäre wenn’“, sagt Böttcher. Was wäre, wenn die Menschheit ihren Kohlendioxid-Ausstoß in x Jahren halbiert? Was wäre, wenn wir so weitermachen wie bisher? Letzteres, auch das steht fest, wird erhebliche negative Auswirkungen haben.

"Wissenschaftler sind von Natur aus nicht laut"

In seinem Vortrag wird der Wettermoderator und Buchautor unter anderem erklären, wie sich in Zukunft noch präzisere Vorhersagen erstellen lassen. Ihm geht es dabei auch um Aufklärung. Menschen sollen verstehen, wie Wissenschaft arbeitet. Böttcher: „Wissenschaftler sind von Natur aus nicht laut, stellen keine Forderungen. Wir liefern die Grundlagen, handeln muss die Politik. Aber wenn Politiker anfangen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Frage zu stellen, kommen wir schnell in einen für die Freiheit der Gesellschaft gefährlichen Bereich.“

Weitaus weniger Angriffsfläche für Verschwörungstheoretiker, Impfgegner ausgenommen, bietet die medizinische Forschung. Dr. Helgo Magnussen, ehemaliger Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der Lungenklinik in Großhansdorf, und gegenwärtiger Leiter der Sektion Pneumologie am Medizinicum Hamburg, wird mit seinem Sohn Götz Magnussen im Marstall die Einwirkungen der Digitalisierung auf den Fortschritt beleuchten. Immer neue Erfolge der Wissenschaft geben Millionen Menschen Hoffnung.

Herz-Zellen mit 3-Druck beeinflussen

„Es ist kürzlich gelungen, Herz-Zellen über 3-D-Druck-Verfahren dazu zu bringen, Funktionen des Herzens zu imitieren“, schwärmt Dr. Helgo Magnussen. Und schon jetzt werde Haut gezüchtet und anschließend transplantiert werden.

„Organe aus dem Reagenzglas“ ist nur ein Teil des Vortrages Chancen, Risiken und neue Entwicklungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen“. Es wird auch darum gehen, wie Smartphones in der Diagnose und zum Speichern von Gesundheitsdaten genutzt werden können und wie künstliche Intelligenz (KI) künftig selbstständig Krankheiten erkennen kann.

„Digitalisierung im Gesundheitswesen“ mit Dr. Helgo Magnussen und Götz Magnussen, Dienstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr, und „Extremwetter im Klimawandel“ von Frank Böttcher, Dienstag, 28. Januar 2020, 19.30 Uhr, jeweils im Marstall Ahrensburg. Eintritt 5 Euro. Infos unter www.marstall-ahrensburg.de.