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Lütjensee schickt Hundesteuerschnüffler los

Ulrike Stentzler, hier vor der Hundeschule in Lütjensee, ist Bürgermeisterin. Sie rechtfertigt die Kontrollen, bisher sind nur 258 Hunde registriert.

Ulrike Stentzler, hier vor der Hundeschule in Lütjensee, ist Bürgermeisterin. Sie rechtfertigt die Kontrollen, bisher sind nur 258 Hunde registriert.

Foto: Pia Rabener

Wie steht es um die Zahlungsmoral der Halter? Eine Firma aus Düren startet im Auftrag der Gemeinde eine Bestandsaufnahme.

Lütjensee. Für viele Hundehalter ist der vierbeinige Mitbewohner der beste Freund. Wer den eigenen Hund nur vom feinsten Futter und mit dem besten Spielzeug versorgt, sollte sich auch die Hundesteuer leisten können. Ob dem wirklich so ist, will die Gemeinde nun herausfinden. Ab heute schickt Bürgermeisterin Ulrike Stentzler für zwei Wochen Fahnderteams in die 3.222 Einwohner zählende Kommune.

Wer einen Kampfhund besitzt, zahlt mehr

Nur 258 Hunde sind bislang in der Gemeinde registriert. Ein Hund kostet die Halter in Lütjensee 30 Euro pro Vierteljahr. Halter eines Kampfhundes müssen 60 Euro zahlen. Lütjensee orientiert sich bei den Kontrolltouren am Nachbarort Trittau. Dort hat es bereits 2014 eine Hundebestandsaufnahme gegeben. Die Firma Springer Kommunale Dienste aus Düren wurde mit der Kontrolle sämtlicher Haushalte im Gemeindegebiet beauftragt, die heute beginnt.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Lütjensee war das Anliegen noch einmal thematisiert worden. Ulrike Stentzler hatte Rückmeldungen aus der Gemeindevertretung bekommen, es gebe auffällig viele Hunde in ihrer Gemeinde, die keine Steuermarke tragen. Das widerspreche der gültigen Vorschrift, dass Hunde außerhalb einer Wohnung oder eines „gegen das beliebige Betreten gesicherten Grundbesitzes“ eine gültige, deutlich sichtbare Hundesteuermarke tragen müssen. Die Marke erhält der Besitzer aber erst nach der Anmeldung des Hundes. Sie wird von der Gemeinde ausgegeben und muss im Falle einer Abmeldung wieder zurückgegeben werden.

Hunde müssen 14 Tage nach Aufnahme registriert werden

Die Hundebestandsaufnahme von Springer kommunale Dienste ist die erste in Lütjensee. Von der rechtzeitigen Ankündigung (wir berichteten) erhofft sich Bürgermeisterin Ulrike Stentzler schon im Vorfeld der Kontrollen, dass die Anmeldungszahlen steigen. „Durch diese Vorankündigung und die Möglichkeit, das Formular ganz unkompliziert direkt an der Haustür ausfüllen zu können, versprechen wir uns geringeren Widerstand“, sagt die Bürgermeisterin.

Wer sich bislang nicht um die Registrierung seines Hundes gekümmert hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Normalerweise muss das spätestens 14 Tage nach der Aufnahme in den eigenen Haushalt erfolgt sein. Mit den Hundefahndern sei abgesprochen, dass sie im Falle eines unangemeldeten Hundes zunächst lediglich eine Ermahnung aussprechen. Ein Bußgeld müssen Hundehalter erst zahlen, wenn es nach der Kontrolle nicht zu einer umgehenden Anmeldung kommt.

Gemeinde erhofft sich keinen großen Profit

Das Ordnungsamt wird im Anschluss an die Bestandsaufnahme die aufgenommenen Daten mit dem kommunalen Datenstand abgleichen, um so Steuersündern auf die Spur zu kommen. Besser wäre indes, so die Verwaltung, machten die Halter freiwillig Angaben zu den Hunden dem Haushalt.

Der kommunale Service aus Düren zeugt laut Ulrike Stentzler von einer guten Struktur im Kontrollsystem, die das Ordnungsamt so nicht hätte leisten können. „Hundehalter, die sich korrekt verhalten, haben nichts zu befürchten“, sagt Stentzler. Mit der Bestandsaufnahme erhoffe sich die Gemeinde keineswegs einen großen Profit. Doch im Sinne der Steuergerechtigkeit sei die Kontrolle unbedingt erforderlich. Deshalb sei die nachträgliche Registrierung von Hunden unverzüglich nachzuholen. Sie erfolge dann allerdings nicht beim Mitarbeiter der beauftragten Firma, sondern immer beim Steueramt der Amts- und Gemeindeverwaltung Trittau.

Eine regelmäßige Kontrolle soll vorerst nicht erfolgen

Die Ergebnisse aus der ersten Bestandsaufnahme der Lütjenseer Hunde sollen anschließend erst einmal ausgewertet und analysiert werden. Von einer regelmäßigen Kontrolle ist derzeit noch nicht die Rede. Stentzler erhofft sich Verständnis für die Kontrollen. Sie weiß aber auch: „Beschwerden wird es immer geben. Wir könnten auch andere Steuersätze erhöhen, solche Forderungen haben wir aber in allen Bereichen.“

Klaus Peter Stuhr ist stolzer Halter seines Hundes Benni und lebt in Lütjensee. „Das ist längst überfällig“, sagt der ehrliche Hundesteuerzahler. Er sehe aber nicht nur an dieser Stelle Defizite im Verhalten anderer Hundebesitzer. Es könne doch nicht so schwer sein, die Hinterlassenschaften seines Tieres zu beseitigen, schließlich seien die Hundebeutel überall verfügbar.

Bürgermeisterin setzt auf kooperatives Verhalten

Auch Kathrin Tampol sieht die Hundesteuer, die sie für ihren Vierbeiner Corni selbstverständlich zahle, als gerechtfertigt an. Sie wünsche sich jedoch, dass die Steuereinnahmen zweckgebundener eingesetzt werden. „Wie wäre es zum Beispiel mit einer leinenpflichtfreien Zone“, schlägt sie vor. Nur eine Anregung, von denen sich Ulrike Stentzler noch viele weitere erhofft.

Die Bürgermeisterin, die selbst schon Hundehalterin war, baut auf ein „kooperatives Verhalten“ der Bürger ihrer Gemeinde. „Hundehalter in Lütjensee haben bisher viel dafür getan, dass die Haltung ihrer Vierbeiner auch von allen anderen akzeptiert wird“, sagt sie. Eine hundefreundliche Gemeinde solle Lütjensee natürlich auch in Zukunft bleiben. Deshalb appelliert Stentzler an alle Hundefreunde: „Ich hoffe, dass diese Zählung Akzeptanz findet und nicht als Angriff betrachtet wird.“

Kontrollen auch in Ahrensburg und Bargteheide

In Ahrensburg liegt die jüngste Hundebestandsaufnahme bereits neun Jahre zurück. Nach einer viermonatigen Kontrolle kam es 2010 zu 194 Neuanmeldungen. 1337 Hunde waren vorher registriert gewesen. Nach der Bestandsaufnahme stieg die Zahl auf 1493. Aktuell sind es 1658. Eine Aktualisierung ist bereits mehrfach diskutiert worden, bis jetzt aber noch nicht beauftragt.

In Bargteheide gab es die letzte Hundezählung 2013. Auch hier folgten etliche Nachmeldungen. Aktuell sind in der Stadt mit knapp 17.000 Einwohnern 750 Hunde registriert. Alle zehn bis 15 Jahre werden Hundehalter in Bargteheide kontrolliert. Alle Kommunen und Städte beauftragen zur Durchführung der amtlichen Zählung einen Kommunalservice.