Stormarn
Neues Konzept

Drei Elmenhorster gründen Schule ohne Zwänge

Foto: Melissa Jahn

Bei Unique wählen Kinder, was sie wann, wie und wo lernen. Start ist im Sommer geplant. Verein sucht aber noch ein Gebäude.

Elmenhorst.  Drei Elmenhorster wollen das Schulsystem im Kreis durch ein einzigartiges Angebot bereichern. In der Unique Freie Schule Stormarn können Kinder ihren Lernprozess von der ersten bis zur zehnten Klasse mitgestalten – ohne Noten, Hierarchien und mit wenigen Regeln. Bereits zum kommenden Schuljahr 2019/2020 soll die staatlich genehmigte Ersatzschule für den Grund- und Sekundarbereich starten.

Das Gründungsteam des gemeinnützigen Vereins Stormarii ist auf der Suche nach einem passenden Gebäude. „Bereits während meines Lehramtsstudiums habe ich gemerkt, dass ich Schule in ihrer altbekannten Form nicht vollumfänglich unterstützen kann“, sagt Mareike Weingarten. „Hängen bleibt, was Kinder interessiert. Und nicht das, was Erwachsene ausgewählt haben.“

Doch dies sei das Prinzip vieler Regelschulen. Zusammen mit einem befreundeten Ehepaar überlegte Weingarten, wie Schule besser funktionieren könne – und stieß auf das Angebot Freier Demokratischer Schulen. „Die Nachfrage nach dieser alternativen Unterrichtsform ist groß“, sagt Sonja Wolsky, die mit ihrem Mann Tim zum Gründungsteam gehört. „Aber im Kreis Stormarn gibt es hier eine Lücke.“

Eine jahrgangsgemischte Gemeinschaft statt Klassen

Die nächste Schule dieser Art sei die Infinita in Steinhorst (Kreis Herzogtum Lauenburg), 30 Autominuten von Elmenhorst entfernt und permanent überlaufen. Weitere Schulen in Bad Segeberg und Kiel befänden sich ebenfalls in der Gründungsphase. „Auf der Suche nach freien Plätzen für unsere Kinder ist uns die Idee gekommen, selbst eine Schule aufzumachen“, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Sonja Wolsky. „In unserem Konzept haben wir das demokratische System um den Gedanken der Soziokratie erweitert.“

Die Idee: An der Schule wählen die Kinder eigenständig aus, was sie wann, wie und wo lernen möchten. In angst- und wertfreier Umgebung haben sie die maximale Freiheit, ihre Fähigkeiten bestmöglich zu entfalten. Statt Klassenstrukturen gibt es eine jahrgangsgemischte Gemeinschaft. Statt Unterrichtsstunden freie Lernangebote in Themenräumen.

Im Gegensatz zu einer demokratischen Schule zählt jede Stimme. Entscheidungen müssen solange diskutiert werden, bis niemand mehr einen schwerwiegenden Einwand hat. „Das Konzept ist nicht für jeden geeignet“, sagt Weingarten. „Vor allem Eltern müssen sich vom Gedanken frei machen, dass der Wissensstand mit Noten dokumentiert werden muss.“

Im November kamen 40 interessierte Eltern zur ersten Informationsveranstaltung zum Kleverhof in Elmenhorst. Darunter war die Diplom-Sozialpädagogin Anne Dziobek aus Bargfeld-Stegen. „Laut aktueller Hirnforschung öffnen sich Lernfenster zu unterschiedlichen Zeitpunkten“, sagt die 40 Jahre alte Mutter. „Wenn diese individuelle Zeit nicht mit dem Lehrplan übereinstimmt, können Blockaden entstehen.“ Kinder mit einem guten Selbstbewusstsein verlören nach kurzer Zeit die Freude an der Schule. Noch negativer wirke sich die Fehlersicht auf Heranwachsende aus, die nicht zu dem festgezurrten Schulsystem passen.

Genehmigung beantragt, die Finanzierung steht

„Mein zehn Jahre alter Sohn interessiert sich stark für Technik und Umwelt“, sagt Dziobek. „Doch sobald er das Wort lernen hört, macht er dicht. Er hat das Gefühl vermittelt bekommen, nichts zu können.“ Statt Jasager zu fördern, sollten junge Menschen zu selbstbewussten Persönlichkeiten erzogen werden. Zu Erwachsenen, die Probleme eigenständig lösen und ihr Leben gestalten könnten. „Ein Kind, welches mit Interesse lernt, muss nicht bewertet werden“, sagt Anne Dziobek. „Das Ergebnis des Lernprozesses ist Belohnung genug.“

Die Schule hat den Genehmigungsantrag beim Landesbildungsministerium eingereicht. Auch die Finanzierung steht. Da sich Ersatzschulen in Schleswig-Holstein in den ersten beiden Jahren selbst tragen müssen, ist eine Kombination aus Minibürgschaften der Eltern und Schulgeld eingeplant. Hinzu kommen Spenden.

Als letzter Schritt fehlt ein Gebäude. Benötigt werden etwa 250 Quadratmeter, die die Anforderungen an eine Schule erfüllen. Das Gründungsteam ist optimistisch, diese Hürde bis zum Sommer nehmen zu können. „Unsere Idee wurde jüngst in Bad Oldesloe angesprochen“, sagt Architekt Tim Wolsky. Es gebe Gespräche mit der Verwaltung. Die geschlossene „Kurparkschule in der Kreisstadt wäre ideal. Aber auch andere Orte seien eine Option.

Informationstermine: Dienstag, 12. Februar, 19 Uhr im Peter-Rantzau-Haus Ahrensburg, Manfred-Samusch-Straße 9; Sonntag, 24. März, 16 Uhr im Bürgerhaus Elmenhorst, Schulstraße 3a; www.unique-schule.de