Stormarn
Getriebebau Nord

Größter Arbeitgeber in Bargteheide will erweitern

Foto: Christina Schlie / HA

Getriebau Nord kauft Grundstück für Werkserweiterung, zunächst für 100 zusätzliche Parkplätze. Ein neuer Knick wird derzeit angelegt.

Bargteheide.  Reges Treiben herrscht auf dem Grundstück Am Redder Höhe Bachstraße in Bargteheide. Bagger fahren hin und her und bewegen große Erdmassen. Ein blaues Dixi-Klo steht dort, wo sonst nur Hasen ihre Notdurft verrichten. Allem Anschein nach entsteht mitten auf dem Feld ein neuer Erdwall. Warum? Anwohner, Spaziergänger und Jogger wundern sich seit Wochen über die Bauaktivitäten auf dem Gelände. Ein Gitterzaun versperrt teilweise den unscheinbaren aber bei Fußgängern durchaus beliebten Schleichweg ins Gewerbegebiet. „An manchen Tagen ist hier für Fußgänger kein Durchkommen“, sagt Spaziergängerin Anneliese Klein.

Alles dreht sich um den Knick

Der Grund: Getriebebau Nord, mit 800 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Bargteheide, plant eine Werkserweiterung. „Wir wollen weiterhin die Möglichkeit haben, in Bargteheide zu wachsen“, sagt Jörg Niermann, Leiter des Marketings. Dazu hatte es bereits 2008 erste Gespräche mit der Stadt über den Kauf weiterer Flächen gegeben. Das 45.000 Quadratmeter große Grundstück Am Redder, auf dem künftig gebaut werden soll, ist für das Unternehmen ideal, da es direkt an bereits bestehende Werkshallen grenzt. Nur ein schmaler Sandweg und ein Knick trennen beide Flächen.

Und um genau diesen Knick dreht sich zurzeit alles. „Ein bestehender Knick darf nur dann entfernt werden, wenn ein neuer Knick bereits seit zwei Vegetationsperioden besteht“, erklärt Niermann die Errichtung der neuen rund vier Meter hohen und zehn Meter breiten Wallhecke. Aktuell gibt es hinsichtlich eines Erweiterungsbaus noch keine konkreten Pläne. „Unternehmenswachstum und Zukunftsplanung hängen immer am geschäftlichen Erfolg“, sagt Geschäftsführer Jens Paulsen. „Mit diesem Grundstück schaffen wir uns eine langfristige Perspektive für den Standort Bargteheide.“

Rund 100 zusätzliche Parkplätze

Was allerdings schon bald auf der neuen Fläche umgesetzt wird, sind rund 100 zusätzliche Parkplätze. Zwar verfügt das Unternehmen über ein eigenes dreistöckiges Parkhaus, aber die 300 vorhandenen Stellplätze reichen nicht aus. „Gerade zum Schichtwechsel wird es hier eng“, so Niermann. Viele Kollegen stellen daher ihre Autos auf dem Seitenstreifen in der Getriebebau-Nord-Straße ab.

Doch diese Möglichkeit fällt in absehbarer Zeit ebenfalls weg. Die Straße wird erneuert und ausgebaut. „An der Kreuzung zum Redder müssen neue Regenwasserrohre verlegt werden. Dabei wird die Fahrbahn auf sieben Meter verbreitert“, sagt Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Dadurch halbiert sich die Zahl der Parkplätze auf zirka 25 auf der Südseite der Straße. Dort, wo der Parkstreifen wegfällt, entstehen ein neuer Gehweg sowie eine Radwegkennzeichnung. „Die parkenden Pkw sorgen dafür, dass kaum zwei Lkw aneinander vorbei passen“, sagte Henning Görtz noch als Bürgermeister. Einen konkreten Zeitpunkt für den Beginn der Baumaßnahme gibt es laut Verwaltung noch nicht. Die Baukosten werden mit rund 320.000 Euro veranschlagt. Etwa die Hälfte davon wird auf die Anlieger der Straße anteilig umgelegt.

Ende vergangenen Jahres hatte bereits die Firma Backring Nord die Privatstraße vor ihrem Grundstück durch Poller für den Autoverkehr gesperrt. Immer häufiger gab es Beschwerden über wildes Parken und Lkw-Fahrer, die dort genächtigt hätten und ihren Müll zurück ließen. Mit der Schließung der Straße fielen auch dort Parkmöglichkeiten weg. Helge Drescher und Niklaus Püst, Mitarbeiter bei Getriebebau Nord, sehen es allerdings gelassen. „Wer früh kommt, findet immer einen Parkplatz“, so Drescher. Hundebesitzer und Spaziergänger bedauern dagegen den Wegfall des Sandweges, der eine gute Verbindung ins Grüne hinter dem Gewerbegebiet darstellt.

Flughäfen und Windanlagen-Betreiber sind Kunden

Getriebebau Nord ist seit mehr als 50 Jahren in Bargteheide verwurzelt. 1965 wurde die Firma von Günter Schlicht und G.A. Küchenmeister gegründet. Das Unternehmen ist auch auf dem internationalen Markt kontinuierlich gewachsen. Der Experte für Industriegetriebe belegt im europäischen Ranking sowie in den USA nach eigenen Angaben den zweiten Platz in der Herstellung von Getrieben, Elektromotoren und Antriebselektronik als eine Einheit. Abnehmer sind Flughäfen mit Förderanlagen, Windanlagen-Betreiber, Abwasser- und Recyclinganlagen sowie die Automobilindustrie.

Für Bargteheide ist Getriebebau Nord ein wichtiger Partner – die Firma ist Arbeitgeber, Unterstützer von Jugend- und Soziallprojekten und Steuerzahler. 2014 erreichte die Nord Drivesystems Group erstmals einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro.

Das Unternehmen leiten Ullrich Küchenmeister und Tochter Jutta Humbert heute als Geschäftsführende Gesellschafter mit Jens Paulsen und Dr. Omar Sadi.