Stormarn
Gastronomie

Neues Restaurant soll in den Stapelfelder Hof ziehen

Foto: René Soukop

Gemeinde investiert 1,5 Millionen Euro in neuen Anbau. Supermarkt und Arztpraxis ziehen ein. Bürgermeister verhandelt mit Gastronomen.

Stapelfeld.  Der seit März dieses Jahres leerstehende Stapelfelder Hof, einst für seine exzellente Küche weit über die Grenzen der 1700 Einwohner zählenden Kommune bekannt, wird neu belebt und größer. Im Januar beginnt der Abriss des 150 Quadratmeter großen Anbaus mit seiner Kegelbahn, der durch einen eingeschossigen Neubau mit 593 Quadratmetern Fläche ersetzt wird. Hier ziehen ein Supermarkt sowie eine Arztpraxis ein. Das Haupthaus soll entgegen der ursprünglichen Planungen doch wieder für gastronomische Zwecke genutzt werden. Es gibt bereits zwei Interessenten. Stapelfeld investiert mindestens 1,5 Millionen Euro in die gemeindeeigene Immobile in der Dorfmitte, die ortsprägenden Charakter hat.

Zuletzt betrieb der Gastronom Thorsten Koch das Haus mit aufteilbarem Saal und fünf Hotelzimmern. Er hielt jedoch keine fünf Jahre durch, soll mit der Miete in Rückstand gewesen sein. Beide Seiten verständigten sich auf eine Trennung. Im Frühjahr hatten die Politiker mit der Gastronomie im Stapelfelder Hof eigentlich abgeschlossen. Ein Architekturbüro wurde beauftragt, ein Raumkonzept für Supermarkt und Arztpraxis zu erstellen. Von einem neuen Anbau war da noch keine Rede. Im Sommer lud die Gemeinde zur Einwohnerversammlung. „Die Bürger haben sich dort ein Restaurant als eine Art Begegnungsstätte gewünscht“, sagt CDU-Chef Dieter Scheel. Daraufhin habe es in den Fraktionen ein Umdenken gegeben.

Supermarkt mit Café und gläserner Fassade soll Ende 2016 eröffnen

So soll demnächst der Stapelfelder Hof aussehen: Links das alte Gebäude mit dem Restaurant, rechts der neue Anbau mit Supermarkt HA G.Kayser

Da der Anbau einsturzgefährdet ist und bereits Einigkeit mit den neuen Mietern bestand, beschlossen die Entscheidungsträger, kräftig zu investieren und die Immobilie auf dem 3100 Quadratmeter großen Grundstück voluminöser zu gestalten. Bürgermeister Jürgen Westphal von der Wählergemeinschaft Stapelfeld (WGS): „Ende 2016 soll der neue Anbau bezogen werden.“ Der Entwurf stammt von dem im Ort lebenden Architekten Thomas Miegel-Kayser. Er hat auch die neue Feuerwache und den Bauhof der Gemeinde geplant. Die beiden miteinander verbundenen Gebäudeteile wurden im vergangenen Jahr erstellt.

Der neue Anbau am Stapelfelder Hof mit rotem Ziegeldach besteht aus einem sogenannten Stahlbetonvorfertigungssystem. Er hat keine tragenden Wände. Miegel-Kayser: „Das hat zum Vorteil, dass man bei einer veränderten Nutzung zu einem späteren Zeitpunkt bei der Umgestaltung sehr flexibel ist.“

In das Erdgeschoss mit seinen 341 Quadratmetern Nutzfläche zieht der örtliche Lebensmittelmarkt. Der Laden ist durch eine gläserne Fassade gekennzeichnet. Auch gibt es ein Vordach aus Glas, unter dem Gemüse und Blumen präsentiert werden. Das im Markt integrierte Café verfügt über 20 Außensitzplätze. In die Arztpraxis in den ersten Stock mit seinen 252 Quadratmetern gelangen Patienten über eine Treppe oder per Fahrstuhl.

Der Name soll nach Möglichkeit nicht verändert werden

Erst wenn der Anbau fertiggestellt ist, soll auch das Restaurant im Haupthaus eröffnen. „Wir verhandeln mit zwei Gastronomen über einen Pachtvertrag“, sagt Westphal. Einer von ihnen sei mit einem Geschäft in Hamburg erfolgreich und bespreche sich bereits mit einem Innenarchitekten. Demnächst werden die beiden das Objekt noch einmal genauer betrachten. Namen will der Bürgermeister zu diesem Zeitpunkt nicht nennen. Nur so viel: Lebensmittelgroßhändler Thorsten Tesch aus Siek, der im Frühjahr Interesse bekundet hatte, sei nicht dabei.

Miegel-Kayser beziffert die Umbaukosten für ein modernes Restaurant auf bis zu 300.000 Euro. Doch ist die Gemeinde überhaupt Willens, so viel Geld in den Gastronomiebetrieb zu stecken? „Das kommt auf die Laufzeit des Vertrags an. Zehn Jahre sind Minimum“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Fechner. Eines sei aber klar. „Wir werden beim Restaurant keine Pacht erzielen, bei der sich der Kämmerer vor Freude überschlägt.“ In Miegel-Kaysers Entwurf sind im Hauptgebäude neben dem gastronomischen Bereich noch zwei Räume frei. Westphal: „Dort wäre Platz für ein Friseurgeschäft und eine Schulbetreuung auf privater Basis.“

Sozialdemokrat Fechner will dem künftigen Restaurant-Pächter nahelegen, den Namen Stapelfelder Hof nicht zu verändern. „Der Begriff existiert seit 1966, das Lokal ist eine Institution“, sagt der Politiker.

Gemeinde hatte seit 2007 mit Restaurant-Pächtern kein Glück

Das Gebäude wurde 1914 erbaut und diente früher als Dorfschule. Mitte der Sechzigerjahre wurde es zur Gaststätte mit Hotelbetrieb umfunktioniert. Dem Pächter-Ehepaar Jensen folgte Herbert Maaß. Er führte den Betrieb mit seiner Familie fast 20 Jahre. 2006 entschied sich der Gastronom dagegen, den Pachtvertrag zu verlängern und ist seitdem Küchenchef im Restaurant Glantz & Gloria in Delingsdorf. Bevor die Familie Peemöller im September 2007 übernahm, renovierte die Gemeinde das Gebäude für 450.000 Euro. Nach knapp drei Jahren warf der Pächter das Handtuch. Auch mit dem Nachfolger hatte Stapelfeld kein Glück.