Stormarn
Gastronomie

Gaststätte dicht! Stapelfelder verlieren ihren Hof

Die Politiker Klaus Fechner (links), Jürgen Westphal (vorn) und Dieter Scheel wollen den Stapelfelder Hof anders nutzen als bisher

Die Politiker Klaus Fechner (links), Jürgen Westphal (vorn) und Dieter Scheel wollen den Stapelfelder Hof anders nutzen als bisher

Foto: René Soukup

Das Lokal im Stapelfelder Ortszentrum ist geschlossen. Arztpraxis, Fußpflegesalon und Lebensmittelgeschäft sollen einziehen.

Stapelfeld.  Vor dem Seiteneingang des Gebäudes steht eine ausrangierte Waschmaschine, drinnen sind viele Räume wie leer gefegt, wenige Stühle und Sitzgarnituren im Loungebereich wirken mittlerweile fehl am Platze. Nur die Küche scheint noch komplett. Dutzende Pfannen sind dort sorgfältig aufeinandergestapelt. Gekocht wird im Stapelfelder Hof aber nicht mehr. Der Pächter hat den Hotel- und Gastronomiebetrieb aufgegeben. Oder besser gesagt: Er musste ihn aufgeben. Wo einst große Feste wie Hochzeiten mit Hunderten von Gästen gefeiert wurden, wird nichts mehr sein, wie es einmal war. Es ist das Ende einer Stormarner Institution, die einst von Oststeinbek bis Bad Oldesloe und weit über die Grenzen des Kreises hinaus wegen ihrer gutbürgerlichen Küche geschätzt wurde. Die Gemeinde, Eigentümerin der Immobilie, will das ortsprägende Gebäude in der Dorfmitte künftig für andere Zwecke nutzen.

„Die Pacht war nicht mehr kostendeckend, die Gemeinde hat draufgezahlt. Wir waren immer sehr human, wollten helfen und hatten viel Geduld. Aber es ist wohl schwer, den Hof wirtschaftlich zu führen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Fechner. Seit Juli 2010 hatte Thorsten Koch das Haus mit aufteilbarem Saal, Terrasse, Kegelbahn, Restaurant und fünf Hotelzimmern betrieben. Über ihn sagt der Sozialdemokrat: „Er ist ein netter Kerl, hat sich aber verhoben.“ Zuletzt soll der Gastronom mit der Miete im Rückstand gewesen sein. Deshalb kommunizierten beide Seiten über Anwälte miteinander. Zu einem Prozess kam es jedoch nicht. „Wir haben uns in beiderseitigem Einvernehmen geeinigt,“ sagt Stapelfelds CDU-Chef Dieter Scheel.

Mit der Gastronomie in der Immobilie im Zentrum der 1700-Einwohner-Gemeinde haben die Entscheidungsträger abgeschlossen. Scheel: „Bedauerlicherweise ist das Thema durch. Ich kann dafür nicht mehr die Hand heben.“ Ein Verkauf oder gar ein Abriss des Gebäudes kommt für die Politik aber nicht infrage.

Architeken arbeiten bereits an konkreten Plänen

Demnächst sollen ein im Ort ansässiges Lebensmittelgeschäft, eine Arztpraxis und ein Fußpflegesalon in den Stapelfelder Hof einziehen. Dafür muss im Erdgeschoss umgebaut werden, die Kosten trägt die Gemeinde. Ein Architektenbüro ist damit beauftragt, ein Raumkonzept zu erstellen. Experten haben sich bereits ein Bild vor Ort gemacht. Im ersten Stock sind laut Bürgermeister Jürgen Westphal von der Wählergemeinschaft Stapelfeld (WGS) keine Veränderungen geplant. Die Zimmervermietung soll aufrechterhalten werden, eine 65 Quadratmeter große Wohnung auf derselben Etage könnte als Frühstücksraum dienen. Westphal: „Der Lebensmittelhändler hat positive Signale gesendet, das Geschäft mit den Zimmern weiterzuführen.“ Schon gegen Ende dieses Jahres sollen die neuen Mieter die Räumlichkeiten beziehen.

Die Befürchtungen einiger Stapelfelder, der historisch gewachsene Dorfkern als kulturelles und gastronomisches Zentrum werde durch das Aus des Stapelfelder Hofs zerstört, teilt Bürgermeister Westphal nicht. Er hält die angedachte Variante für zweckmäßig und nennt als Grund den demografischen Wandel: „Hier leben immer mehr ältere Menschen, da ist es wichtig, solche Angebote im Zentrum zu haben. Der Dorfmittelpunkt bleibt auf jeden Fall erhalten.“ Es sei aber nicht Aufgabe der Gemeinde, den Gastronomiebetrieb im Ortskern zu subventionieren. Das Inventar des Stapelfelder Hofs will er an Hilfsorganisationen und Vereine spenden.

Sieker Kaufmann glaubt noch an Zukunft als Gastronomiestandort

Das 1914 erbaute Gebäude diente früher als Dorfschule, wurde Mitte der Sechzigerjahre zur Gaststätte mit Hotelbetrieb umfunktioniert. Dem Pächter-Ehepaar Jensen folgte Herbert Maaß. Er führte den Betrieb mit seiner Familie fast 20 Jahre. „Seine Küche war exzellent und eine ganz andere Nummer als bei den Nachfolgern“, sagt Dieter Scheel. 2006 entschied sich der Gastronom jedoch dagegen, den Pachtvertrag zu verlängern, und verabschiedete sich von der Selbstständigkeit. Seitdem ist Maaß Küchenchef im Restaurant Glantz & Gloria in Delingsdorf.

Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig. Klaus Fechner saß damals in der Findungskommission, sagt: „Die Interessenten haben nicht Schlange gestanden, wir konnten unter maximal drei Bewerbern auswählen.“ Bevor die Familie Peemöller im September 2007 übernahm, renovierte die Gemeinde das Gebäude für 450.000 Euro. Unter anderem wurden aus ehemals acht altmodischen Fremdenzimmern fünf moderne Hotelzimmer. Nach knapp drei Jahren warf der Pächter das Handtuch. „Wir hören auf, bevor wir insolvent sind“, sagte Andrea Peemöller damals dem Abendblatt. Ihr Nachfolger hielt zwar länger durch, glücklich wurde die Gemeinde mit dem Gastronom aber nicht.

Einer, der fest an einen erfolgreichen Restaurantbetrieb im Stapelfelder Hof glaubt, ist der in Siek lebende Lebensmittelgroßhändler Thorsten Tesch. Er ist von der Lage des Objekts überzeugt. Der 48-Jährige kennt sich in der Gastronomie aus. Zusammen mit Igo Ostojic, Inhaber des Restaurants Santa Rio und Hotels Lauenburger Hof in Trittau, möchte er die Immobilie gern übernehmen und dort ein Steakhouse-Konzept realisieren. Tesch: „Wir würden viel Geld investieren, die Einrichtung mediterran gestalten.“ Man müsse die Größe des Ladens nutzen und mit anderen Konzepten als bisher bespielen.

Tesch hat bereits mehrmals mit Westphal telefoniert und ihm ein Angebot unterbreitet. „Die Miete würde ich auch ein Jahr im Voraus zahlen“, sagt der Lebensmittelgroßhändler. Der Bürgermeister habe ihm jedoch mitgeteilt, dass die Gemeinde eine andere Nutzung präferiere. Abgeschrieben hat Tesch sein Vorhaben nicht. „Wir sind nach wie vor interessiert und hoffen, dass die Politiker noch umschwenken.“