Einbrecher-Angst

Mehr Aufträge für Stormarner Sicherheitsfirmen

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Sebastian Knorr
Verzeichnet mehr Anfrage: Heiko Krenz, Geschäftsführer Chrome Secure Service in Ahrensburg

Verzeichnet mehr Anfrage: Heiko Krenz, Geschäftsführer Chrome Secure Service in Ahrensburg

Foto: Sebastian Knorr / HA

Die Angst vor Einbrechern sorgt bei Dienstleistern für steigende Nachfrage. Sie können teilweise auch Aufgaben der Polizei übernehmen.

Bad Oldesloe.  Sollte man das subjektive Sicherheitsempfinden der Stormarner beschreiben, man müsste es wohl niedrig ansetzen. Die Zahl an Einbrüchen steigt, fast alle Delikte werden nicht aufgeklärt. Und jetzt sorgt auch noch die Entscheidung der Polizeidirektion in Ratzeburg, vier Stormarner Polizeiwachen zu schließen, an vielen Stellen für Unmut. Die neue Struktur sei „nicht aus der Not, sondern aus der Notwendigkeit“ entstanden, begründete Michael Wilksen, Leiter der Polizeidirektion in Ratzeburg, gegenüber dem Abendblatt die Entscheidung. Von größeren Revieren aus, so der Kern der Argumentation, könne die Arbeit besser geleistet werden. Der Dorfpolizist – nicht mehr zeitgemäß.

Eine Antwort darauf formulierte jüngst Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer: „Der Ruf nach privaten Sicherheitsdiensten wird immer lauter“, sagte er anlässlich der Übergabe von 832 Unterschriften, die die Initiative „Sicherheit für Oststeinbek“ gesammelt hatte. Ein Ruf, den auch Heiko Krenz wahrnimmt. Krenz ist Geschäftsführer der Chrome Secure Service GmbH, einer Sicherheitsfirma mit Sitz in Ahrensburg. „Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, sagt er, „besonders auch im Objektschutz.“ Auch Uwe Finnern vom SAF Sicherheitsdienst in Bargteheide spürt eine solche Tendenz: „Vermehrte Anfragen, Privatobjekte zu schützen, zeigen, dass die Angst zunimmt.“

Für private Sicherheitskräfte gilt das Jedermannsrecht

Dass die Sicherheitsbranche boomt, belegen auch Statistiken des Bundesverbands für Sicherheitswirtschaft (BDSW): Im Jahr 2015 sei die Zahl der Menschen, die in der Sicherheitswirtschaft arbeiten, bereits auf 200.000 angewachsen, sagt Silke Wollmann vom BDSW – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr waren knapp 190.000 Menschen beschäftigt, vor zehn Jahren waren es noch 168.000. Der Großteil von ihnen – etwa 36 Prozent – arbeitet als Wachmann für Privatobjekte oder Firmen, 20 Prozent arbeiten in sogenannten Empfangsdiensten, außerdem sind die Sicherheitsmänner beispielsweise bei Veranstaltungen, bei militärischen Einrichtungen oder aber auch im öffentlichen Personennahverkehr, wie bei der Deutschen Bahn, beschäftigt. Auch für den Schutz von Flüchtlingsunterkünften werden Wachmänner der Sicherheitsfirmen angeheuert.

Aber wer sind eigentlich diese Männer und Frauen, die sich immer stärker auch um Recht und Ordnung in den öffentlichen Räumen unserer Gesellschaft kümmern? Wie werden sie ausgebildet und: Was dürfen sie und was dürfen sie nicht?

„Für unsere Mitarbeiter gilt das Jedermannsrecht“, sagt Heiko Krenz. Heißt: Sie dürfen wie jeder in Deutschland Personen bei dringendem Tatverdacht festhalten bis die Polizei kommt. Auch dürfen sie die Personalien von Verdächtigen aufnehmen. Sie zwingen, den Ausweis vorzuzeigen, können sie allerdings nicht.

Streifen und Alarmanlagen gehören längst zur Realität

„Wir haben kein Interesse daran, die Tätigkeiten der Polizei zu übernehmen“, sagt Silke Wollmann vom Bundesverband. Gleichzeitig gebe es aber Aufgaben, bei denen man die Polizei entlasten könne, wie beispielsweise bei der Parkraumüberwachung. In München werde das bereits gemacht. In Schleswig-Holstein ginge das allerdings nicht, sagt Anette Kruse, Fachbereichsleiterin Verkehrsaufsicht in Ahrensburg: „Parkraumüberwachung ist eine ausschließlich staatliche Aufgabe.“ So schreibe es das Landesrecht vor.

Eine Revierstreife für Kommunen, wie sie beispielsweise in Oststeinbek gefordert wird – sie wäre denkbar. Für Privathaushalte und Firmen ist sie schon lange Realität. „Wir erstellen für jeden Kunden eine individuelle Gefährdungsanalyse“, so Heiko Krenz aus Ahrensburg. Darin berücksichtigt sind beispielsweise Lage und potenzielles Diebesgut. „Aus dieser Analyse bestimmen wir den Bedarf“, so Krenz weiter. Alarmanlagen, verbesserte Schließanlagen, Revierfahrten oder aber eine permanente Überwachung vor Ort.

Es gibt zwei Grundvoraussetzungen für eine Anstellung bei einem Sicherheitsdienstleister: Ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis und den Nachweis über die Teilnahme an einem 40-stündigen Kursus durch die Industrie- und Handelskammer (IHK). Krenz: „Damit können die Mitarbeiter allerdings nur Ordnungstätigkeiten übernehmen.“ Weitere Qualifikationsmöglichkeiten bestehen in einer Sachkundigenprüfung bei der IHK, oder aber durch eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Zwei junge Menschen bildet Krenz zurzeit in Kooperation mit der IHK aus. Der Job, so scheint es, hat eine gute Perspektive.

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