Stormarn
Einbrüche

Stormarn ist im bundesweiten Vergleich am Ende

Eine eingeschlagene Scheibe, das ist einer der Arten, mit der sich die Einbrecher Zutritt in ein Haus verschaffen

Eine eingeschlagene Scheibe, das ist einer der Arten, mit der sich die Einbrecher Zutritt in ein Haus verschaffen

Foto: Daniel Maurer / HA

Die Zahl der Verbrechen ist hoch, die Aufklärungsquote extrem niedrig. Polizei-Gewerkschaft und Landes-FDP kritisieren Personalpolitik.

Ahrensburg/Kiel. Mira Frenzel

Drei Einbrüche durchschnittlich in Häuser und Wohnungen in Ahrensburg – und das zuletzt jeden Tag. Auch im Rest des Kreises sind die Einbruchszahlen seit Jahren hoch. Darüber hinaus ist Stormarn auch Schlusslicht im Bundesvergleich. Nämlich bei der Aufklärung der Wohnungseinbruchsdelikte.

Von 402 Kreisen, Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland liegt Stormarn auf Rang 393. Ähnlich schlecht schneiden in Schleswig-Holstein der Kreis Pinneberg (Rang 363) und die Landeshauptstadt Kiel (Rang 362) ab. Das ergab eine Kleine Anfrage der FDP im Landtag, auf die nun das Innenministerium antwortete.

Kubiki befürchtet Vetrauensverlust der Bürger

Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagt zu dem Ergebnis: „Diese Zahlen zeigen erneut in aller Deutlichkeit, dass die Landespolizei längst über ihre Belastungsfähigkeit hinaus in Anspruch genommen wird.“ Hinzu kommt: In den vergangenen fünf Jahren stand Stormarn im Landesvergleich stets an der Spitze der gemeldeten Einbrüche. 857 Taten waren es 2010, 866 in 2011, 963 in 2012 und in 2013 der bisherige Höhepunkt mit 1018 Einbrüchen und Einbruchsversuchen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl leicht auf 873 Fälle. Und bis September diesen Jahres zählte die Polizei 804 Einbrüche und Einbruchsversuche – noch bevor die eigentliche Saison der Täter begonnen hatte: die dunkle Jahreszeit. Kubick: „Wenn es so weitergeht, werden wir erleben, dass die Menschen das Vertrauen in die Durchsetzungsfähigkeit des Rechtsstaates verlieren.“

Das befürchtet auch Manfred Börner, Chef der Gewerkschaft der Polizei Schleswig-Holstein. Er sagt: „Die Maßnahmen der Polizei haben bisher nichts gebracht. Die Aufklärungszahlen sind weiterhin schlecht.“ Er nennt als eine der Ursachen, dass Personal fehle.

Die für Stormarn zuständige Polizeidirektion in Ratzeburg nennt andere Gründe. Sprecherin Sonja Kurz: „Wohnungseinbrüche sind ein schwer aufzuklärendes Delikt.“ Dafür gebe es vor allem vier Gründe, die es den Ermittlern schwer machten. Kurz: „Es gibt in den meisten Fällen keine Beziehung zwischen Täter und Opfer, die auf die Spur der Einbrecher führen kann.“ Zudem gebe es in den wenigsten Fällen Zeugen.“ Die Spuren, die die Täter am Tatort hinterlassen, würden einander oft gleichen. Rückschlüsse auf eine „Handschrift“, auf einen bestimmten Täter also, seien kaum möglich. Einbrecher hinterließen selten Fingerabdrücke oder verwertbare DNA-Spuren. Sonja Kurz: „Einbruch ist ein anonymes Massendelikt von meist überregional agierenden Tätern.“

Im Kreis Stormarn werden vier Polizeiwachen geschlossen

Um der steigenden Einbruchszahlen Herr zu werden, erklärt die Polizeidirektion Teile der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg seit Jahren zeitweise zu Gefahrengebieten, wie die Regionen gemeinhin genannt werden. Oder, um bei den Worten der Polizei zu bleiben: Gebiete, in denen Anhalte- und Sichtkontrollen durchgeführt werden können. Das bedeutet: Drängt sich ein Verdacht auf, dürfen die Beamten Autofahrer in deren Wagen anhalten und überprüfen. Erhärtet sich der Verdacht, der Fahrer könnte in Einbruchsdelikte verwickelt sein, können die Polizisten Personalien aufnehmen und das Auto auf Hinweise durchsuchen. Weil das Einrichten von Gefahrengebiete allein bisher nichts an den steigenden Einbruchszahlen verändert hat, hat die Polizeidirektion im vergangenen Jahr personell aufgestockt. In der sogenannten dunklen Jahreszeit – von Oktober bis März – arbeitet eine Sondereinheit, die Präsenz- und Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchsdiebstahl (PEG-WED), ausschließlich in dem Bereich Prävention und Aufklärung von Einbrüchen. In diesem Winter sind 15 Experten für Spurensicherung im Team der PEG-WED. Stationiert sind die Sonderermittler in Reinbek und Großhansdorf. Eine rein logistische Entscheidung, wie die Polizeidirektion sagt.

Verein mit dem Ziel, Einbrecher abzuschrecken

Fakt ist aber, besonders die reiche Gemeinde Großhansdorf ist, wie die Nachbarstadt Ahrensburg auch, ein beliebtes Ziel von Einbrecherbanden. Gute Fluchtwege, etwa über die nahe Autobahn 1 oder mit Regionalzügen und U-Bahnen – das mache die Orte für die Verbrecher besonders attraktiv.

Jochen Kube weiß das. Der Großhansdorfer ist der Vorsitzende des Vereins „Mehr Sicherheit für Großhansdorf“. Die drei Bahnhöfe der U 1 in Großhansdorf sind Orte, an denen Kube und seine Mitstreiter oft Präsenz zeigen. Der Verein hat sich vor 22 Jahren gegründet und hat das Ziel, Einbrecher abzuschrecken. Kube sagt: „Wir sind zusätzliche Augen der Polizei.“ Nur Augen, darauf besteht Kube. Nach dem Großhansdorfer Vorbild hat sich auch in Ahrensburg ein Verein gegründet – die „Bürger für Sicherheit“. Auch in Oststeinbek gebe es eine Vereinigung dieser Art, sagt Kube.

Auch der Bürgermeister von Oststeinbek, Jürgen Hettwer, macht sich Sorgen angesichts der hohen Einbruchszahlen und der niedrigen Aufklärungszahlen. Besonders deshalb, weil die Polizeiwache des Ortes, wie auch in Ammersbek, Mollhagen und Bargfeld-Stegen, geschlossen werden soll. Er ist der Überzeugung, dass es dann notwendig wird, private Sicherheitsdienste zum Schutz der Bürger zu engagieren.

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