Stormarn
Gute Tat

Ein klarer Fall von Löwen-Herz

Eine Aufnahme aus dem März dieses Jahres: Prof. Dr. Friedrich Christian Rieß (vorn) und ein ehrenamtlicher Kardiologe untersuchen den kleinen Sahel

Eine Aufnahme aus dem März dieses Jahres: Prof. Dr. Friedrich Christian Rieß (vorn) und ein ehrenamtlicher Kardiologe untersuchen den kleinen Sahel

Foto: Angerer, Krafft

Der Lions Club Hahnheide hat 10.000 Euro an die Albertinen-Stiftung gespendet, damit Kinder aus Afghanistan wieder gesund werden.

Trittau/Hamburg.  Auf das Kuvert sind zwei Herzen gemalt, die durch einen Bogen miteinander verbunden sind. Sie symbolisieren das Projekt „Herzbrücke“ der Albertinen-Stiftung des gleichnamigen Krankenhauses in Hamburg. Der Inhalt des Kuverts: ein Schreiben, das eine Spende von 10.000 Euro bestätigt. Geld, das der Lions Club Hahnheide beim Drachenbootrennen auf dem Lütjensee eingenommen und jetzt an die Stiftung übergeben hat.

16 Teams traten Ende Juni bei strahlendem Sonnenschein auf dem Wasser gegeneinander an und ließen sich von Hunderten gut gelaunter Zuschauer anfeuern und feiern (wir berichteten). Die „Rowdies Südstormarn“, ein Boot voller junger Lütjenseer, fuhr auf der 200 Meter-Strecke mit einer Bestzeit von unter einer Minute den Sieg ein.

Doch die eigentlichen Gewinner der Veranstaltung, die der Lions Club Hahnheide in diesem Sommer bereits das dritte Mal für einen guten Zweck organisiert hatte, sind schwerkranke Kinder aus Afghanistan. Das Projekte „Herzbrücke“ gibt es seit zehn Jahren. Bis jetzt wurden 123 Kinder erfolgreich am Herzen operiert. Prof. Dr. Friedrich-Christian Rieß, Chefarzt der Herzchirurgie im Albertinen-Krankenhaus und Herzbrücken-Mitbegründer, sagt: „Es sind die Ärmsten der Armen, die wir bei uns behandeln. Sie hätten in ihrem Heimatland keine Chance, zu überleben.“

Der 59 Jahre alte Arzt war selbst schon dreimal in dem von Krisen und Kriegen beherrschten Land am Hindukusch, um sich von den Umständen vor Ort ein Bild zu machen. Und um zu entscheiden, welche Kinder er und die anderen Mitarbeiter des ausschließlich durch Spenden finanzierten Projektes nach Deutschland holen können. Hier erhalten sie die nötige medizinische Versorgung, um dann schließlich wieder gesund zu ihrer Familie zurückzukehren. „Wir versuchen, Kinder auszuwählen, die durch eine Operation geheilt werden können“, sagt Rieß. „So können wir mit den zur Verfügung stehenden Spenden möglichst vielen Kindern Gesundheit und ein normales Leben schenken.“

Jens Scheper, Präsident des Lions Clubs Hahnheide, überreichte gemeinsam mit Club-Schatzmeister Stefan Wildegans die hohe Spende. Der Herzchirurg nahm sich Zeit und erklärte den beiden Männern ausführlich, wem das Geld zugutekommt. Es handele sich dabei um Kinder aus ärmsten Verhältnissen, die mit Löchern in Vorhof- und Kammerscheidewand oder komplizierten Herzfehlern wie der Fallot’schen Tetralogie zur Welt gekommen sind. Bei diesem Krankheitsbild leidet das Herz an vier lebensbedrohlichen Defekten, die ausschließlich durch eine Operation behoben werden können. Die Eingriffe dauern zwischen einer und vier Stunden.

„Es ist unglaublich beeindruckend, was Professor Rieß und seine Kollegen hier leisten“, sagt Jens Scheper. Natürlich hätten sich er und seine Clubmitglieder – wie bei jedem Projekt, das die 26 Männer der Hahnheider Lions unterstützen – vorher genau über die „Herzbrücke“ und deren Tun informiert. „Dem Mann nun aber persönlich gegenüber zu sitzen, der neben seiner eigentlichen Arbeit so vielen Kindern das Leben rettet, ist schon etwas Besonderes.“ Doch der Herzchirurg, der selbst sechs gesunde Kinder hat und dieses Glück als Antrieb für sein ehrenamtliches Engagement nennt, relativiert schnell: „Erst Spender wie Sie machen diese Hilfe überhaupt möglich.“

In den nächsten Wochen treffen wieder Kinder aus Afghanistan in Hamburg ein, die ohne „Herzbrücke“ keine Chance hätten, zu überleben.