Stormarn
Bad Oldesloe

Die erste Stadt in Stormarn, die fair handelt

Initiatoren der „Fair-Trade-Town“ vor dem Rathaus von Bad Oldesloe

Initiatoren der „Fair-Trade-Town“ vor dem Rathaus von Bad Oldesloe

Foto: Lutz Wendler / HA

Bad Oldesloe bekam am Sonntag das Label „Fairtrade-Town“. Eine Prozession zog durch die Innenstadt. Die ließ einige Bürger innehalten.

Bad Oldesloe.  Es hatte was von einer Demonstration, als eine kleine Gruppe von Menschen mit Bürgermeister Tassilo von Bary an der Spitze zur Mittagszeit am verkaufsoffenen Sonntag vom Bürgerhaus zum Rathaus durch die belebte Fußgängerzone von Bad Oldesloe zog. Über der Gruppe, die sich gemessenen Schritts ihren Weg durch den Einkaufstrubel bahnte, ragte weithin sichtbar ein Transparent mit der Aufschrift „Wir sind Fairtrade-Stadt“ auf. Das mag nicht jedem einkaufsfreudigen Bürger unmittelbar etwas gesagt haben, ließ aber viele innehalten und kurz darüber nachdenken, was das wohl bedeuten möge. Ein Anstoß also, immerhin.

Dem prozessionsartigen Zug war eine kleine Veranstaltung im Bürgerhaus vorausgegangen, die durchaus als Kontrapunkt zum sonntäglichen Konsum gesehen werden darf. Bad Oldesloe wurde nämlich dafür ausgezeichnet, dass es Haltung zeigt. „Ihre Stadt spielt jetzt in der Champions League mit Metropolen wie London, Paris, Rom, Madrid und München“, sagte Manfred Holz in seiner launig vorgetragenen Laudatio. Holz ist Ehrenbotschafter von Fairtrade Deutschland, dem nationalen Vertreter der internationalen Organisation, die Standards für den fairen Handel mit Produkten und die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern festgelegt. Wer die Kriterien erfüllt, erhält das Fair-trade-Siegel. So wie jetzt Bad Oldesloe, das sich um das Label „Fairtrade-Town“ beworben hatte und es als 335. Stadt im Lande bekommen hat.

Bad Oldesloe ist die erste Kommune in Stormarn und deutschlandweit die Nummer 335, die das Label „Fairtrade-Town“ bekommen hat

Gestartet hatte diese Initiative der Stadtgestaltungsverein-Verein „Wir für Bad Oldesloe“. Die Stadtvertretung hatte das Projekt im November befürwortet und eine Steuerungsgruppe beauftragt, welche die Bewerbung koordinierte, nämlich Anbieter fair gehandelter Produkte und öffentliche Einrichtungen zusammenbrachte wie zum Beispiel den Weltladen oder Wollywood, aber auch einen Discounter wie Sky und Restaurants wie Mai Thai, das Kuchenwerk und das Glacehaus und verantwortungsbewusste Konsumenten wie die Kita von St. Vicelin, die Ida-Ehre-Schule oder das Bella-Donna-Haus. Bad Oldesloe ist die erste Kommune in Stormarn, die sich Fairtrade-Town nennen darf. Die Stadt setzt damit ein Signal.

Dass es höchste Zeit sei, Veränderungen bei der Masse der Konsumenten anzustoßen, war die Antwort auf die Frage, die Gastredner Gerold Rahmann in seinem Vortrag „Warum fairer Handel?“. Der Leiter des Thünen-Instituts für ökologischen Landbau in Trenthorst hat Projekte in 40 Ländern weltweit bewertet, die das Label Fairtrade anstreben. Er sagte: „Es ist furchtbar zu sehen, wie reich wir sind und wie arm die Anderen.“

Rahmann ließ Zahlen sprechen, deren Dimensionen schockierend wirken: „In meinem Geburtsjahr 1962 gab es drei Milliarden Menschen auf der Erde, heute sind es 7,4 Milliarden, 2080 könnten es 13 Milliarden werden.“ Schon heute lebten 1,8 Milliarden Menschen in extremer Armut, und jedes Jahr würden sechs Millionen Kinder unter fünf Jahren verhungern. Was tun? Gerold Rahmann gab Empfehlungen: „Weniger und bewusster konsumieren, die lokale Produktion bevorzugen, nicht so viel wegwerfen, sich informieren, nicht immer nur das billigste Produkt kaufen.“

Wir sollten nicht billig einkaufen, wofür andere teuer bezahlen, sagt Manfred Holz, Ehrenbotschafter von Fairtrade Deutschland

Auch Laudator Manfred Holz beunruhigte mit Fakten wie dem Gegensatzpaar von einer Milliarde Menschen , die an Übergewicht litten, während eine Milliarde unterernährt sei. „Wenn die Welt so viel teilen würde wie bei Facebook, hätten wir keine Armut“, sagte er sarkastisch. Sein Fazit: „Wir sollten nicht billig einkaufen, wofür andere teuer bezahlen.“ Zumal das Angebot inzwischen vielfältig sei: „Es gibt zum Beispiel mehr als 360 fair gehandelte Kaffeesorten. Es ist also schon lange nicht mehr das ganze Elend der Welt in einer Tasse Kaffee konzentriert, die Magenschmerzen bereitet.“

Sechs Milliarden Jahresumsatz würden weltweit mit Fairtrade-Artikeln gemacht, sagte Holz, in Deutschland seien es 827 Millionen Euro, eine Milliarde werde bei Zuwachsraten von 28 Prozent rasch angestrebt: „Wir zählen stark auf Bad Oldesloe.“

Bürgermeister Tassilo von Bary sagte, er sei stolz auf das Siegel und betrachte es als Auftrag. Es folgte die kleine Prozession durch die Fußgängerzone.