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Elmshorn

Obst, Handy, Kleider: Wie fairer Konsum möglich ist

Ursula und Albert Röhl in ihrem Weltladen Top 21 in Elmshorn. Hier ist alles zu hundert Prozent fair gehandelt

Ursula und Albert Röhl in ihrem Weltladen Top 21 in Elmshorn. Hier ist alles zu hundert Prozent fair gehandelt

Foto: Anne Dewitz

Weltladen Elmshorn kämpft mit Haftbefehl und Unterschriftenaktion gegen Menschenrechtsverletzungen bei der Warenproduktion

Elmshorn. Fairer Konsum ist schwer: Ein Dschungel aus Gütesiegeln lässt manchen Verbraucher orientierungslos zurück. Wo sind die Arbeitsbedingungen prekär, wo werden Hungerlöhne gezahlt und wo gesundheitsgefährdende Pestizide eingesetzt? Auch deutsche Unternehmen sind entlang ihrer Produktionsketten direkt oder indirekt an Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt. Für den Konsumenten ist das nicht immer sofort erkennbar. Anlässlich des internationalen World Fair Trade Day am 9. Mai machen mehr als 400 Weltläden und Aktionsgruppen in Deutschland auf diese Missstände aufmerksam.

In Elmshorn ist der Weltladen Top 21 an diesem Sonnabend von 10 Uhr bis mindestens 14 Uhr mit einem Aktionsstand in den Fußgängerzone Königstraße vertreten. „Wir wollen an Passanten Haftbefehle gegen das fiktive Unternehmen Globarmex AG verteilen und informieren über die Kampagne ,Mensch. Macht. Handel. Fair.` des Weltladen-Dachverbandes und des Forums Fairer Handel“, sagt Ursula Röhl, die mit ihrem Mann Albert zu den Pionieren des fairen Handels zählt. Beide Netzwerke setzen sich dafür ein, dass die Bundesregierung 2016 ein Gesetz zu einer verbindlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht einführt. Dadurch könnten global agierende deutsche Unternehmen bei der Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten künftig zur Verantwortung gezogen werden. Dafür sammelt auch Ursula Röhl Unterschriften.

Das fiktive Unternehmen Globarmex AG ist Sinnbild für international tätige deutsche Unternehmen, die Menschenrechte in den globalen Lieferketten missachten. So umgehen die Aktivisten mögliche gerichtliche Auseinandersetzungen mit echten namhaften Konzernen. Im Mittelpunkt der Aktionen stehen die Produktgruppen Lebensmittel, Textilien und Elektronik.

Banafair ist der einzige Händler in Deutschland, der Bio-Bananen fair handelt

Hinter einem Absperrband will Ursula Röhl ihren „Tatort“ mit Bananen, Handys und T-Shirts ausstatten. „Die Verletzung von Arbeitsrechten und mangelhafter Umweltschutz betrifft alle Lieferketten von tropischen Früchten“, sagt sie. Bananen sind die am meisten gehandelten Früchte der Welt. Die Röhls beziehen ihre Früchte über Banafair mit Sitz in Frankfurt aus Ecuador von einer Kooperative, die Bananen und Gemüse in einer Mischkultur anbaut. „Banafair ist der einzige Händler in Deutschland, der Bio-Bananen fair gehandelt anbietet“, sagt sie. Während in Süddeutschland Menschen bereit seien, für ein Kilo der gelben Früchte auch mal 2,90 Euro auszugeben, laufe der Verkauf im Norden jedoch mehr als schleppend. In der Textilindustrie liegt laut Albert Röhl ebenfalls vieles im Argen. „Zwei Jahre nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikkomplexes mit mehr als 1100 Toten haben die Opfer noch immer keine angemessene Entschädigung erhalten.“

Auch die Produktion von Handys steht wegen der Arbeitsbedingungen in den Herstellerbetrieben in der Kritik. Zudem werden einige der zur Herstellung benötigten Metalle wie Coltan, Kobalt und Zinn in Minen abgebaut, die sogenannte Warlords kontrollieren und damit Bürgerkriege finanzieren. Um dies zu vermeiden, ist eine transparente Lieferkette notwendig, die zur Zeit kaum gewährleistet werden kann.

Ein Unternehmen in Holland hat sich dieser Sache angenommen und ein Handy unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt. Zurzeit ist das „Fairphone“ ausverkauft, es kann aber für etwa 320 Euro vorbestellt werden. „Es ist ein Beispiel dafür, dass auch komplexere Produkte sozial verträglich hergestellt werden können, bei entsprechender Nachfrage“, sagt Albert Röhl. Den hohen Anspruch, ein Handy aus konflikt­freien Rohstoffen anzubieten, kann der Anbieter bisher zwar nur für einige der verbauten Metalle erfüllen. Aber für die Weltladenbetreiber ist das „Fairphone“ ein guter Anfang.