Stormarn
Kommentar

So kann Lernen Jugendliche glücklich machen

Abendblatt-Redakteurin  Martina Tabel

Abendblatt-Redakteurin Martina Tabel

Foto: Birgit Schücking

Neue Wege gehen – heißt manchmal, sich auf Bewährtes zu besinnen. Die Bargteheider Anne-Frank-Schule plant einen Campus der Visionen.

Die Idee ist nicht neu, aber sie ist genial: Runter vom Stuhl, raus aus der Schule, rein in die Natur. So können pubertierende Schüler, die nicht wissen, wohin mit sich, in der Erde wühlen und ernten. So können sie Holz sägen und sich in der selbst gebauten Blockhütte wie noch nie zuvor über das miese Wetter freuen. Und das alles gemeinsam, ohne Stress. Denn was sie machen und in welchem Tempo, bestimmen nur sie – und die Regeln der Natur. Die erfolgreich zu beachten, kann ein Glücksgefühl auslösen. Im Gegensatz zum widerwilligen Befolgen der Anordnungen ewig meckernder Eltern oder ewig beurteilender Lehrer.

Für das Gespür dafür, was junge Leute brauchen,erhielt die Schule 2013 den Deutschen Schulpreis

Die Bargteheider Anne-Frank-Schule hat schon einmal Gespür dafür bewiesen, was junge, lernende Leute brauchen. 2013 wurde sie zur besten Schule Deutschlands gekürt. Das Preisgeld von 100.000 Euro soll jetzt in ein Grundstück investiert werden, auf dem Siebt- und Achtklässler sich austoben und beweisen können. Hier sind sie die Bestimmer – mit der Verantwortung, dass es klappt. In dieser Freiheit und in diesem Vertrauen liegt der Schlüssel des Lernens. Nicht in der Anschaffung neuer Beamer. Die wären irgendwann kaputt. Und weg wäre das Geld. Mit einem Grundstück, das als Campus der Visionen Lernen in einem Echt-System vermittelt, wäre es dagegen nachhaltig angelegt. Es ist ein Sich-Besinnen auf pädagogische Grundideen, ohne dass der Computer verteufelt wird. Die Schule fährt zweigleisig – und das ist vorausschauend.