Stormarn
Streit um Mastanlage

Morddrohung gegen Hoisdorfer Schweinebauern

Sohn Lutz (l.) und Vater Jörg Elbers finden die Plakate der Bürgerinitiative, die in Hoisdorf verteilt hängen, verleumderisch

Sohn Lutz (l.) und Vater Jörg Elbers finden die Plakate der Bürgerinitiative, die in Hoisdorf verteilt hängen, verleumderisch

Foto: Ewelina Berger

Die Polizei ermittelt nach Anzeige des Hoisdorfer Schweinebauers Jörg Elbers. Unbekannte hatten dem Mann eine Morddrohung geschickt.

Hoisdorf.  „Warnung“, steht in großen, computergedruckten Lettern auf einem Blatt Papier gleich unter der Anschrift des Hoisdorfer Schweinebauern Jörg Elbers. Es ist eine Morddrohung , adressiert an „Bauer Elbers“. Sie richtet sich aber sowohl an den 54 Jahre alten Landwirt als auch an seinen Sohn Lutz. Jörg Elbers hält das Papier in der Hand, schaut betrübt auf den einzigen Satz darauf und liest ihn laut vor: „Wenn Sie Ihre Pläne durchsetzen, wird Ihr Sohn die Fertigstellung nicht mehr erleben.“ Er legt den Brief aus der Hand. „Es ist nur eine Kopie. Das Original und den Briefumschlag hat die Polizei für die kriminaltechnische Untersuchung behalten“, sagt er.

Landwirt sieht Verantwortung bei Hoisdorfs CDU und Bürgerinitiative

Die umstrittene Schweinemastanlage, die Jörg Elbers bauen möchte, wird darin nicht explizit erwähnt. Der Landwirt ist sich aber sicher, dass es darum geht. „Das ist das Ergebnis der Schmutzkampagne von der Hoisdorfer CDU und der Bürgerinitiative gegen uns. War es das, was sie wollten?“, fragt er erbost.

Hoisdorfs Bürgermeister Dieter Schippmann (Dorfgemeinschaft Hoisdorf) teilt Elbers’ Meinung. „Das ist das Ergebnis der überzogenen Darstellungen und der Unterstellungen der Bürgerinitiative.“ Als der Brief Jörg Elbers am Dienstagmittag per Post erreichte, war Schippmann der Erste, an den sich Elbers wandte. „Es ist eine erschreckende Grenzüberschreitung. Ich habe Herrn Elbers geraten, sofort zur Polizei zu gehen und Strafanzeige zu erstatten.“ Elbers folgte dem Rat. Die Polizei ermittele nun wegen des Verdachts der Bedrohung, sagt Sonja Kurz, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg.

CDU und Bürgerinitiative sollten die Verleumdungen gegen ihn endlich unterlassen, fordert der Schweinebauer. „Ich lasse außerdem nicht zu, dass die CDU auf unserem Rücken Wahlkampf macht. Diese Schmutzkampagne muss ein Ende haben. Ansonsten werde ich rechtlich dagegen vorgehen.“ Kürzlich hatte Elbers nach eigener Aussage die Gespräche mit der Initiative „Keine Schweinereien in Hoisdorf“ abgebrochen, weil sie ihre Plakataktion nicht beenden wollte. „Die Plakate sind unsachlich und haben nichts mit der Realität zu tun“, sagt der Landwirt.

Wolfgang Andresen, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands in Hoisdorf, zeigt sich erschüttert. „Mir fehlen die Worte, das ist furchtbar, so etwas möchte natürlich niemand.“ Der Politiker, der den Bau der Mastanlage ebenfalls ablehnt, weist jedoch jegliche Verantwortung daran zurück. „Ja, wir sind gegen die Schweinemastanlage, aber wir haben niemals Hetze gegen Herrn Elbers betrieben, sind immer sachlich geblieben.“ Andresen meint, dass solch eine Drohung eher das Gegenteil von dem erreiche, was sie bezwecke.

Initiativen-Sprecher sagt zunächst, er bezweifele Echtheit der Morddrohung

An Aufgeben denke Jörg Elbers ohnehin nicht, wie er sagt. Auch sein Sohn Lutz lässt sich nicht beirren. „Da möchte jemand psychischen Druck auf uns ausüben, das darf man nicht ernst nehmen.“ Trotzdem sei er sehr bestürzt über die Dimension, die der Streit um die Mastanlage angenommen habe.

Der Sprecher der Bürgerinitiative (BI), Robert Fitz, äußerte zunächst Zweifel daran, dass es eine Drohung gegeben habe. Er erklärte: „Es ist ein geschickter Schachzug, um von den umstrittenen Grundstücksgeschäften zwischen Herrn Elbers und der Gemeinde abzulenken.“ Empört über diese Aussage zeigte sich Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Stormarn. „Ich wünsche mir eine andere Auseinandersetzung der Bürgerinitiative mit den Ereignissen. Sie sollte sich ganz klar davon distanzieren, statt Herrn Elbers weiter zu diskreditieren.“ Er sei persönlich betroffen.

Auch der Bauernverband Schleswig-Holstein findet deutliche Worte. „Die Kinder mit dem Tode zu bedrohen ist eine Brutalität, die sprachlos macht. Die Bürgerinitiative muss sich fragen lassen, ob sie nicht durch ihr Verhalten solchen Äußerungen Vorschub leistet“, teilt Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Verbands, mit.

Mittlerweile distanziert sich die Initiative von dem Schreiben. „Eine anonyme Morddrohung gegen Mitglieder der Familie Elbers zu äußern, stellt eine der niederträchtigsten Handlungen dar, die wir uns vorstellen können“, so Sprecher Fitz. Gleichzeitig fordert er, keine falschen Zusammenhänge zwischen der Tat und der Initiative herzustellen. Fitz: „Es bleibt Tatsache, dass diese Drohung der BI sehr schadet und von den umstrittenen Grundstücksgeschäften und der illegalen Zuschüttung einer Feuchtwiese ablenkt.“