Stormarn
Streit

Wirbel um Hoisdorfer Grundstücksgeschäfte

Wolfgang Andresen von der Hoisdorfer CDU gehört ebenfalls zu den Gegnern der Schweinemastanlage

Wolfgang Andresen von der Hoisdorfer CDU gehört ebenfalls zu den Gegnern der Schweinemastanlage

Foto: Ewelina Berger

Schweinemastgegner werfen Gemeindevertretern Interessenskonflikte vor. Sie fordern Klärung zum Landhandel mit Schweinebauer Jörg Elbers.

Hoisdorf. Die jüngste Gemeindevertretersitzung in Hoisdorf , in der ein Antrag der Bürgerinitiative (BI) „Keine Schweinereien in Hoisdorf“ zur geplanten Schweinemastanlage behandelt werden sollte, wurde von der Diskussion um Grundstücksgeschäfte zwischen Gemeinde und Schweinebauer Jörg Elbers überschattet.

Die BI setzt sich, wie berichtet, gegen den Bau einer Schweinemastanlage in Hoisdorf ein, für die Elbers bereits eine Bauvoranfrage gestellt hat. Sie kritisieren in diesem Zusammenhang, dass die Gemeindevertreter wegen eines Interessenskonflikts die Einwände der Bürger ignoriere. „Wenn man sich die Abläufe genauer ansieht, wie es zu dieser Bauvoranfrage überhaupt gekommen ist, wird man stutzig“, sagt BI-Sprecher Robert Fitz.

Da sei zum Beispiel die Tatsache, dass Jörg Elbers der Gemeinde rund fünfeinhalb Hektar seines Grundstücks am Krütz als Ausgleichsfläche für ein zum Bauland umgewidmetes gemeindeeigenes Grundstück am Moorweg (vorher Landschaftsschutzgebiet) für den Naturschutz zur Verfügung gestellt habe. „Nicht nur die Gemeinde, sondern auch ich gleiche damit Bebauungsflächen auf meinem Grundstück aus“, sagt Elbers selbst. Die Ausgleichsfläche ist seiner Aussage nach wegen der vielen Gänse, die sich dort aufhalten, ohnehin nicht landwirtschaftlich nutzbar gewesen. „Bekommen habe ich dafür gar nichts“, erklärt Jörg Elbers auf Nachfrage.

Robert Fitz und seine Mitstreiter glauben hingegen, dass die Gemeinde Elbers für die Ausgleichsfläche auf seinem Grundstück am Krütz rund 20.000 Quadratmeter Ackerfläche zu wertvollem Bauland gemacht habe. „Damit haben Sie Herrn Elbers quasi über Nacht zum Millionär gemacht und im Prinzip die Schweinemastanlage mitfinanziert. Können Sie mir erklären, warum diese Geschäfte nicht zusammenhängen sollen und warum Herr Elbers sein Land ohne Gegenleistung dem Naturschutz zuschlagen lässt?“, fragte Robert Fitz in der Einwohnerfragestunde. Ein weiterer Bürger konkretisierte: „Haben Sie Herrn Elbers die Schweinemastanlage dafür in Aussicht gestellt?“

Hoisdorfs Bürgermeister Dieter Schippmann gab hierzu keine Antwort. Doch auf Abendblatt-Nachfrage wehrt er sich vehement gegen die Vorwürfe, die Schweinemastanlage sei Teil des Deals gewesen. Dass das Geschäft zwischen Gemeinde und Elbers die Ausgleichsfläche beinhaltete, bestätigt er indes. „Dafür hat Herr Elbers 13.000 und nicht wie behauptet 20.000 Quadratmeter Bauland bekommen, wovon er 5000 Quadratmeter an die Gemeinde verkauft hat.“ Von einer geplanten Schweinemastanlage sei der Gemeindevertretung zu dem Zeitpunkt nichts bekannt gewesen.

Bürgermeister sagt, Vertragsangelegenheiten seien nicht öffentlich

Die Bürgerinitiative kritisiert auch den Verkauf der 5000 Quadratmeter großen Fläche am Krütz für den Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses. „Elbers hat der Gemeinde diese Fläche als Bauerwartungsland zu einem Spottpreis von 60.500 Euro verkauft. Das belegt der Nachtragshaushalt von Januar 2014“, sagte Sprecherin Karin Fitz in der Sitzung. Schippmann erklärt auf Nachfrage: „Vertragsangelegenheiten sind nicht öffentlich. Aber ich kann sagen, dass wir uns an der offiziellen Preistabelle für Bauerwartungsland orientiert haben. Die 60.500 Euro sind nur die Restsumme, die sich durch die Gegenrechnung unserer Kosten ergibt.“ Die Gemeinde habe Geld für die Errichtung eines 330 Meter langen Knicks, die Abzäunung des Grundstücks sowie Planung und Gutachten ausgeben müssen.

CDU-Politiker und Gemeinderatsmitglied Wolfgang Andresen sieht das anders. „Der Preis für Bauerwartungsland richtet sich nach der Baureife des Grundstücks. Wenn man bedenkt, wie schnell die Bagger dort angerollt sind, war der Preis zu niedrig.“ Andresen gehört ebenfalls zu den Gegnern der Mastanlage.

Beschäftigt hat die Bürger zudem die Frage, ob Jörg Elbers ein geschütztes Biotop auf seinem Grundstück am Wastenfelder Redder illegal hat zuschütten lassen. „Die Frage haben Sie uns noch nicht beantwortet“, sagte BI-Mitglied Jörn Gehrmann zum Bürgermeister. Schippmann erwiderte: „Die Sache wird nun von der Unteren Naturschutzbehörde geprüft.“ Elbers selbst bestreitet, dass es dort je eine Feuchtwiese gegeben hat. „Ich habe lediglich aus Grünland Ackerland gemacht und dafür auch eine Genehmigung.“ Wolfgang Andresen widerspricht dieser Aussage. „Auf dem Flächennutzungsplan und auf alten Satellitenbildern ist die Feuchtwiese eindeutig zu sehen.“

Enttäuscht sei die BI zudem, dass ihr Antrag nicht wirklich behandelt worden sei, sagt Robert Fitz. „Die Gemeindevertreter sollten eigentlich unsere Argumente in einer Diskussion abwägen. Aber nach dem Vortrag durch Herrn Andresen war das Thema leider abgehakt.“ Nun hoffen die Schweinemastgegner, dass sich die Gemeindevertreter in den Ausschussberatungen zur Bauvoranfrage von Jörg Elbers doch noch umstimmen lassen und die Mastanlage verhindern.