Reinbek

Überwachungskameras: unter ständiger Beobachtung

Tankstellen, Schwimmbäder, Läden: In Stormarn sind viele Überwachungskameras installiert. Sie sollen Straftäter abschrecken. Manchmal gelingt das.

Reinbek. Ohne Videoüberwachung, sagt Ralf Wächter, könne er nicht mehr ruhig schlafen. Er ist Pächter einer Tankstelle in Reinbek - und die Kameras gäben ein Gefühl von Sicherheit. Zum einen, weil sie abschreckten. Zum anderen, weil das Videomaterial der Polizei bei der Fahndung nach Verbrechern helfe. So wie im April dieses Jahres. Damals bedrohten zwei Männer die Mitarbeiter der Tankstelle an der Möllner Landstraße mit Beil, Messer und Schusswaffe, sie erbeuteten Geld. "Wir konnten der Polizei umfangreiches Videomaterial mitgeben", sagt Wächter. Die Täter wurden gefasst - allerdings nicht dank des Videomaterials, sondern weil sich einer von ihnen stellte (wir berichteten).

Auch wenn sie in diesem Fall nicht zur Klärung des Falles führten: Bei Fahndungen werden Überwachungsbilder häufig von der Polizei verwendet. "Für die Ermittlungsarbeit ist das hilfreich, auch bei Benzindiebstählen", sagt Andreas Dirscherl von der Polizeidirektion Ratzeburg. "Selbst wenn die Nummernschilder abgeklebt sind, kann man den Fahrzeugtyp erkennen." Von sich aus setzt die Polizei derzeit keine Videoüberwachung ein. "Mir ist kein Fall bekannt, in dem bei uns eine Überwachung im öffentlichen Raum genutzt wird", sagt Dirscherl. "Die Grenzen sind durch den Gesetzgeber sehr eng geschnitten."

Generell gilt, dass die Aufbewahrung von Videoaufnahmen auf wenige Kalendertage zu beschränken ist. Unterschieden wird zwischen der Überwachung öffentlicher und der privater Plätze. Öffentlicher Raum etwa darf lediglich von Sicherheitsbehörden überwacht werden. Aber es steht jedem frei, etwa den eigenen Garten zu beobachten, wenn dadurch nicht ein Teil des Nachbargrundstücks oder ein gemeinsamer Zuweg von der Kamera erfasst wird. Und wer überwacht, muss Hinweisschilder anbringen - so, dass sie für jeden sichtbar sind.

Auch beim Sportverein (SV) Eichede von 1947 gibt es einen Warnhinweis, denn: "Bei uns wird der Eingangsbereich durch zwei Kameras überwacht", sagt Olaf Gehrken vom Vereinsvorstand. "Wir mussten reagieren. Bei uns wurde im Januar, August und Oktober eingebrochen, es wurde IT- und Sportausrüstung gestohlen." Zusätzlich zu den Kameras wurden die Fenster vergittert, wurde eine Sicherung an der Tür eingebaut. Seitdem habe es keinen weiteren Einbruch gegeben.

Bei der Hochbahn AG ist Videoüberwachung ebenfalls Teil des Sicherheitskonzeptes. Alle Haltestellen der U-Bahn sowie die U-Bahnwagen sind mit Kameras ausgestattet. Und die Deutsche Bahn AG will die Überwachung ausweiten, 40 Millionen Euro sollen in den kommenden fünf Jahren investiert werden. Vielleicht auch in Stormarn, denn: "Im Kreis Stormarn haben wir an den Bahnhöfen bislang keine Überwachung", sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. "Es sind eher kleine Bahnhöfe, die gut einsehbar sind."

Weil er sein Geschäft vom Hinterzimmer nicht so gut im Blick hat, nutzt auch Andreas Werning in seinem Ahrensburger Juweliergeschäft Videoüberwachung. "So bekomme ich mit, was im Geschäft vor sich geht." Werning nutzt seit zwölf Jahren Kameras in seinem Geschäft. Vor fünf Jahren wurden im Trittauer Schönaubad Kameras installiert. "Wir hatten massive Probleme mit nächtlichen Einbrüchen und Vandalismus", sagt Schwimmmeister Peter Naujoks. "Wir mussten die Bänke aus dem Schwimmbecken fischen, einmal wurde ein ganzer Anhänger mit Gartenabfällen ins Wasser geschoben." Nun werden die Zäune überwacht, zudem der Kassenbereich und das Springerbecken. "Das ist zum Schutz der Gäste, so können wir auf einem Monitor sehen, ob alles in Ordnung ist. Die Probleme mit Vandalismus haben aufgehört."

Auch das Ahrensburger Badlantic nutzt Kameras. "Das fing mit einer kleinen Anlage an", sagt Kay Peter Thiede, der Betriebsleiter. "Inzwischen haben wir Kameras auf die Kassenanlage und auf die Schränken neben den Einzelkabinen gerichtet." Besorgte Badegäste können beruhigt sein: "Die Umkleideräume werden nicht von den Kameras erfasst. Wir hatten einen Datenschutzexperten da, damit alles seine Ordnung hat."

Wer ebenso sichergehen möchte, bekommt Informationen beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), zum Beispiel im Internet unter der Adresse www.datenschutzzentrum.de.

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