Ahrensburg

Ex-Manager Bernd Buchholz mischt bei FDP mit

Der ehemalige Gruner + Jahr-Chef Bernd Buchholz kandidiert für die Ahrensburger Liberale. Auch seine Frau und sein Sohn kandidieren für die FDP.

Ahrensburg. Der ehemalige Vorstandschef von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, mischt jetzt auch in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Ahrensburg mit. Er steht für die Wahl am 26. Mai auf Platz sieben der FDP-Liste und tritt im Wahlkreis 10 als Direktkandidat an - unter anderem gegen den CDU-Fraktionsvorsitzenden Tobias Koch. "Ich möchte ein Zeichen setzen, dass ich mich auch vor Ort engagiere", sagt Buchholz. "Und natürlich mit meinem Namen und meiner Bekanntheit dazu beitragen, dass die FDP bei der Kommunalwahl gut abschneidet."

Nach seinem unfreiwilligen Ausscheiden aus dem G+J-Vorstand im September 2012 kann sich der Rechtsanwalt in den kommenden Monaten auf einen für ihn doppelten Wahlkampf konzentrieren. Sein großes Ziel bleibt der Einzug in den Bundestag, der im September neu gewählt wird. Der 51-Jährige steht auf Platz zwei der FDP-Landesliste in Schleswig-Holstein und hat damit gute Chancen, bald im Reichstags-Gebäude zu sitzen.

Trotzdem wolle er sich auch "für die liberale Sache" vor Ort einsetzen. So ist Buchholz am Sonnabend, 27. April, am Wahlstand der Liberalen auf dem Rondeel in der Ahrensburger Innenstadt und wird um Wählerstimmen werben. Dabei bekommt er auch Unterstützung aus der Familie: Ehefrau Inga Jensen-Buchholz, Richterin am Ahrensburger Amtsgericht, kandidiert ebenso für die FDP wie der 19 Jahre alte Sohn Lennart, der aufs Gymnasium geht und Abitur macht.

"Wir haben morgens beim Frühstück über das Thema gesprochen", sagt Bernd Buchholz. "Und damit wir als kleine Partei alle 16 Wahlkreise besetzen können, waren wir uns schnell einig." Vor allem das Engagement Lennarts, der von sich aus Interesse hatte, habe ihn positiv überrascht. "Es ist immer klasse, wenn sich auch junge Leute politisch engagieren."

Bei den inhaltlichen Schwerpunkten liegt Buchholz mit dem FDP-Spitzenkandidaten Thomas Bellizzi auf einer Linie. "Es geht um Finanzen, Finanzen, Finanzen", sagt Bellizzi. Ahrensburg steuere auf einen Schuldenberg von 41 Millionen Euro zu. Ende 2010 waren es 24,5 Millionen, ein Jahr zuvor noch nicht einmal die Hälfte davon. "Das läuft aus dem Ruder", sagt Bellizzi, "und trotzdem machen die anderen Parteien immer noch Versprechen, von denen sie wissen müssten, dass sie nicht realisierbar sind." Die Bandbreite reiche von immer neuen Straßen bis hin zum Stadtpark auf dem Stormarnplatz. Seit Jahren genehmige das Innenministerium den Ahrensburger Etat nur mit Auflagen. Bellizzi: "Wenn wir nicht umdenken, wird der nächste Haushalt komplett abgelehnt."

Der ehemalige Medienmanager Buchholz, der bei Gruner + Jahr mit Milliarden-Bilanzen zu tun hatte, ergänzt: "Alle regen sich über die Entwicklung in Europa auf, schaffen es aber im Kleinen selber nicht, die Finanzen zu konsolidieren." Er beschäftige sich ja erst seit Kurzem intensiver mit Lokalpolitik, doch eines sei auffällig: "Im selben Zeitraum, in dem der Schuldenberg in Ahrensburg dramatisch gewachsen ist, hat der Kreis Stormarn Kredite deutlich getilgt."

Im Jahr 2005 stand Stormarn bei den Banken mit mehr als 50 Millionen Euro in der Kreide, Ende des laufenden Jahres werden es voraussichtlich weniger als elf Millionen sein. Damit weist der Kreis die niedrigste Verschuldung in Schleswig-Holstein auf. "Da muss man sich doch fragen, wieso die Entwicklung so gegenläufig ist." Schließlich seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gleich.

Noch etwas hat Bernd Buchholz in seiner Heimatstadt beobachtet: "Augenfällig ist das Gegeneinander von Politik und Verwaltung." Thomas Bellizzi, der nicht nur FDP-Fraktionschef in der Ahrensburger Stadtverordnetenversammlung ist, sondern für die Liberalen auch im Kreistag sitzt, bestätigt diese Einschätzung. "Im Kreistag setzen sich die Fraktionsvorsitzenden zusammen und suchen Kompromisse, die nachher auch von allen Abgeordneten mitgetragen werden. In Ahrensburg ist das nicht möglich, weil häufig schon in den einzelnen Parteien keine Einigkeit zu erreichen ist." Um die Schlossstadt wieder auf Kurs zu bringen, sei eines seiner Ziele, den Arbeitsstil im neu gewählten Parlament zu verbessern.

Damit auch Bernd Buchholz etwas zu einem harmonischeren Miteinander beitragen kann, müsste die FDP allerdings schon ein kleines Wahl-Wunder schaffen. Das Ergebnis aus dem Jahr 2008 - 8,2 Prozent und zwei Sitze - müsste für sieben Sitze auf gut 20 Prozent steigen. Oder Buchholz müsste dem CDU-Spitzenkandidaten Tobias Koch das Direktmandat abnehmen. Der prominente Herausforderer sieht das Duell gelassen: "Darüber, was nach der Wahl passiert, reden wir, wenn es so weit ist."