Ahrensburg

Sagen Sie mal, Herr Bürgervorsteher...

| Lesedauer: 6 Minuten
Claas Greite und Thies Jonas

Roland Wilde über Politik, Ahrensburgs Bürgermeister und das größte Problem der Stadt

Ahrensburg. Ahrensburgs Bürgervorsteher Roland Wilde ist knapp ein Jahr im Amt. Was ein Bürgervorsteher können muss, wie Wilde die Stadt sieht, und was er über wichtige Projekte in Ahrensburg denkt, verrät der 63-Jährige im Interview, in dem er von der Redaktion begonnene Sätze ergänzt.

Am Amt des Bürgervorstehers hätte ich mir anders vorgestellt, dass...

...mir mehr Zeit bleibt für die Bürger Ahrensburgs. Im täglichen Geschäft geht leider vieles verloren, weil viele administrative Aufgaben auf mich zukommen, etwa Änderungen von Satzungen oder Vorbereitungen von Wahlen. Auch die Stadtverordneten kommen mit ihren Belangen zum Bürgervorsteher. Manchmal ist die Zeit knapp. Aber man muss Ruhe bewahren.

Michael Sarach ist ein guter Bürgermeister, weil...

(zögert) ...er verwalten kann. Aber ich würde mir wünschen, dass er ab und zu mehr gestaltet. Ich habe Probleme, einzusehen, warum er viele Dinge auf die Selbstverwaltung schiebt. Es reicht nicht aus, zu sagen: "Die Politik muss mir die Informationen liefern." Die Verwaltung muss auch mit Fakten kommen, auf deren Grundlage die Politik entscheiden kann. Das funktioniert nicht immer richtig. Ich bedaure, dass es manchmal zwischen Politik und Rathaus nicht klappt. Leider geht dem Bürgermeister manchmal das ausgleichende Moment ab. Aber der Bürgervorsteher muss ausgleichend wirken können. Die Zusammenarbeit klappt inzwischen sehr gut. Wir sind Partner zum Wohle der Stadt. Und Partner gehen auch mal kritisch miteinander um.

Ahrensburgs Parteien fehlt...

..der Brückenschlag zueinander, den wir früher hatten. Der Politik fehlt die Fähigkeit, entstandene Gräben zuschütten zu können. Vieles wird auf eine persönliche Ebene geschoben, obwohl es dort nicht hingehört. Wir haben uns in den vergangenen Jahren mit uralten Themen herumgeschlagen. Diese Projekte hindern uns heute immer noch. Die Nordtangente ist ein Beispiel. Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, zu vermitteln und Gräben zu überwinden. Das ist mir bisher leider noch nicht so gut gelungen, wie ich es mir bei Amtsüberahme vorgestellt hatte.

Apropos: Ahrensburg braucht die Nordtangente, weil...

...ich würde eher sagen, wir brauchen eine Spange oder Umgehungsstraße, und zwar im Norden und im Süden. Das Wort Nordtangente ist historisch belastet, das sollten wir gar nicht mehr verwenden. Dann würde auch die Diskussion anders verlaufen. Was die Details anbetrifft: Im Norden darf eine Trasse nicht durch das 'Schlafzimmer' der Gartenholzer gehen, und die Bürger sollen dort nicht auf eine Lärmschutzwand gucken müssen. Die südliche Spange ist vor allem davon abhängig, was die Deutsche Bahn im Zuge der S 4 plant. Wenn die bald mit dem Schienenbau beginnt, müssen wir schnell reagieren. Wegen einer möglichen Südtangente ab der Eulenkrugstraße müssen wir noch einmal mit Hamburg reden. Es kann keine Lösung sein, dass es eine Brücke gibt, die in Ahrensfelde in der Dorfstraße einmündend endet.

Das Badlantic muss wieder der Stadt gehören, weil...

...wir den Bürgern eine bezahlbare Nutzung bieten müssen, die sie schön finden und annehmen. Sie sollen mit dem Besuch wieder mehr in den Genuss kommen, das Bad mit der Familie und für längere Zeit nutzen zu können. Ich will damit nicht sagen, dass der Aufsichtsrat eine schlechte Arbeit macht. Wir haben den Betrieb so gewollt.

Das Rathaus muss unter Denkmalschutz gestellt werden, weil...

...wir eine Denkmalschutzbehörde haben, die eine Vorgabe machen kann, auf die wir keinen Einfluss haben. Natürlich können wir den Weg der Klage gehen, aber die Möglichkeiten der Stadt sind gering. Man kann viel diskutieren, ob man das Gebäude schön findet oder nicht. Das ist eine emotionale Frage. Aber, sachlich betrachtet: Das Rathaus ist sehr funktional, die Wege sind kurz. Als Ahrensburg damals das Rathaus bekam, es so schön weiß dastand, waren wir begeistert und stolz darauf. Sicherlich gibt es Dinge, die man verfeinern könnte. Aber ich persönlich finde es okay und würde es so lassen.

Ahrensburger Vereine sind...

...sehr aktiv, wir können stolz auf sie sein. Sie sind jugendlich und kinderfreundlich. Sie tun auch viel für Senioren. Der Aufstieg der Fußballer des SSC Hagen in die Schleswig-Holstein-Liga hat mich sehr gefreut. Beim Start in die Liga war ich dabei. Leider haben sie das erste Spiel verloren. Ich würde mir aber wünschen, dass sich die Vereine noch besser organisieren. Die Diskussionen um Hallenpläne und Schlüsselgewalten sind in einer funktionierenden Gemeinschaft überflüssig. Die Vereine müssen aktiver auf uns zugehen.

Ahrensburgs größtes Problem ist, dass...

...es sehr dicht an Hamburg liegt. Diese Nähe ist eine Chance, sie kann aber auch gefährlich werden. Es besteht die Gefahr, dass sich Hamburg mit seiner Industrie immer näher an Ahrensburg herandrängt, andererseits wegen seiner Bekanntheit Unternehmen anzieht. Der Kontakt zu Hamburg ist schwierig. Wir haben den Draht zu den Bezirksregierungen, aber nicht so intensiv zum Senat. Der redet eher mit Kiel als mit uns. Ein weiteres Problem Ahrensburgs ist, wir sind weiter von der Autobahn entfernt als andere.

Ich lebe gern in Ahrensburg, weil...

...es eine lebendige Stadt ist, die im Grünen liegt. Und weil es eine überschaubare Stadt ist. Sie hat ein funktionierendes Gemeinwesen. Darum müssen wir uns überhaupt keine Sorgen machen.

Als Bürgervorsteher muss man...

...Ruhe bewahren, koordinieren und zuhören können. Manchmal muss man sich auch als Kummerkasten für Bürger und Stadtpolitiker verstehen. Doch man ist nicht derjenige, der für sämtliche Probleme der Stadt zuständig ist. Der Bürgervorsteher ist bei Problemen ein Dreh- und Angelpunkt zur Verwaltung, um ausgleichend zu wirken.

In Bargteheide ist alles besser, weil...

... sagen wir: dort ist manches besser, weil Bargteheide kleiner und übersichtlicher ist. Wir haben vielfältigere Probleme, etwa in den Bereichen Straßenverkehr, Schulen und Kitas. Ich denke, die Verwaltung Bargteheides ist weniger arbeitsintensiv. Politik und Verwaltung scheinen auch besser miteinander zu kommunizieren. Andererseits: Ahrensburg ist spannender.

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