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Die Freiheit steht im Land nicht zur Wahl

Der Ahrensburger Steffen Rotermundt hat zu wenig Mitstreiter. Die als rechtspopulistisch eingestufte Partei darf nun nicht antreten.

Ahrensburg. Schlimmer als eine deftige Wahlpleite ist für Politiker wohl nur, gar nicht erst auf dem Stimmzettel zu erscheinen. Daher müsste der Ahrensburger Steffen Rotermundt besonders unglücklich sein. Eigentlich wollte er als Landesvorsitzender mit der Partei Die Freiheit bei der Landtagswahl am 6. Mai antreten. Daraus wird nichts. "Zu unserem Parteitag am 26. November hätten 50 Mitglieder anwesend sein müssen", sagt Rotermundt. Das fordert das Landeswahlgesetz. Nur mit mindestens 50 Delegierten ist die Landesversammlung einer Partei beschlussfähig. Rund 100 Mitglieder hat die von Beobachtern als rechtspopulistisch eingestufte Partei im nördlichsten Bundesland laut Rotermundt, nachdem der Landesverband im Juni in Kiel gegründet worden war. Damals hatte man noch große Ziele propagiert. Auf der Internetseite der Partei heißt es: "Dann bietet sich für Die Freiheit die zweite große Chance nach Berlin, als Fraktion in einen Landtag einzuziehen."

Rotermundt räumt ein, dass es illusorisch war, 50 Mitglieder für den Parteitag zusammenzutrommeln. Doch will sich der 46-Jährige nicht entmutigen lassen. "Wir werden trotzdem im Landtagswahlkampf in Städten wie Kiel oder Neumünster Präsenz zeigen", so der Ingenieur und selbstständige Vermögensberater. "Dort werden wir den Leuten sagen: 'Macht mit bei uns, dann können wir auch antreten'". Gerade ältere Menschen verlangten nach einem persönlichen Kontakt und orientierten sich nicht nach Informationen über das Internet.

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"Wir werden nun erst einmal solide und in aller Ruhe die Partei aufbauen und vernünftige Themen ansprechen", sagt Rotermundt. Ins Visier nehmen wolle er nun die Europawahl 2014. "Für die ist die Fünf-Prozent-Klausel gerade gekippt worden", so der Ahrensburger. "Vielleicht werde ich auch symbolisch zur Kommunalwahl 2013 antreten." Rotermundt kämpft trotz der Enttäuschung also weiter dafür, die umstrittene Partei im nördlichsten Bundesland zu etablieren.

Der gebürtige Rheinländer betont, dass für ihn selbst Freiheit und Gerechtigkeit der "rote Faden" und politische Antrieb seien. "Von diesen Grundsätzen hat sich die CDU abgekehrt. Es ist ein Heuchlerverein", schimpft er über die Partei, der er 27 Jahre angehörte. Einst war er für sie in das Stadtparlament Ahrensburgs eingezogen. 2009 kam es wegen einer Personalentscheidung zum Bruch. "Ich wollte die Fraktion verlassen, nicht jedoch die Partei", erinnert sich Rotermundt. "Doch das war nicht möglich, weil ein Fraktionsaustritt mit einem Ausschlussverfahren einhergeht", so der 46-Jährige.

Ähnlich war auch das politische Schicksal des Parteigründers René Stadtkewitz. Der Berliner Politiker war vor einigen Jahren zunächst aus der CDU ausgetreten und später aus der Fraktion ausgeschlossen worden, weil er den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen hatte.

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Für Parteifreund Rotermundt war das Vorgehen der Christdemokraten gegenüber Stadtkewitz ein Unding. "Man hat ihm einen Maulkorb verpasst und verhindern wollen, dass er einen gewählten Politiker aus dem Nachbarland einlädt", so Rotermundt. Er wünsche sich eine offene Diskussion - etwa über den Umgang mit dem Islam in Europa. Es ist das Thema, das die Partei bekannt gemacht hat. "Um unser Sozialsystem aufrecht erhalten zu können, bedarf es eines homogenen Staatsvolkes", erläutert Rotermundt. Homogen sei es, wenn es einen Wertekonsens gebe. "Ein großer Teil der Migranten ist gut integriert, etwa die Gruppen aus Asien." Dagegen gebe es Schwierigkeiten mit den Einwanderern islamischen Glaubens, so Rotermundt. Es sind diese Positionen, die der Partei das Prädikat rechtspopulistisch eingebracht haben.

Rotermundt windet sich, wenn er Die Freiheit politisch verorten soll. Er würde sie rechts der Merkel-CDU sehen, gibt er zu. Aber: "Rechts ist in unserer Gesellschaft ja grundsätzlich böse. Das stört mich schon", sagt er. Dabei sei alles Extreme übel. Darüber müsse man offen diskutieren können. "Ich sehe die Partei als Chance, dass sich wieder eine Diskussionskultur entwickelt", so der Ahrensburger. Dann kommt er in Fahrt: "Uns wird immer vorgeworfen, wir seien rassistisch. Doch wer so engstirnig denkt - das ist der wahre Rassist. Dem müssen wir einen Spiegel vorhalten."

Immer wieder gebe es Anfeindungen. Rotermundt: "So haben wir Schwierigkeiten für Versammlungen ein Lokal zu finden, weil die Wirte bedroht werden." Trotz dieser angeblichen Probleme ist Rotermundt zuversichtlich, dass Die Freiheit bald eine Chance auch nutzt.