Jeder vierte Haushalt noch ohne schnelles Internet. Gemeinde kämpft um Fördermittel. “Vernünftige DSL-Anbindung gehört heute zur Grundversorgung“

Jork. Bald soll Schluss sein mit der langen Leitung in weiten Teilen des Alten Landes. Die Gemeinde Jork will das Thema Breitbandversorgung auf die Tagesordnung setzen und sich für die Verbesserung der Internetkapazitäten stark machen. "Eine vernünftige DSL-Anbindung gehört heute zur Grundversorgung der Haushalte, deshalb haben wir jetzt die erste Runde eingeläutet, diese Aufgabe zu lösen", sagt Matthias Riel, Kämmerer der Einheitsgemeinde Jork. Für ein neues Versorgungskonzept müsse ein strenges, formgebundenes Verfahren eingehalten werden, so Riel. "Auch wenn das einen langwierigen Prozess erfordert, sehe ich Licht am Ende des Tunnels", sagt Riel.

Grund zu diesem Optimismus hat der Jorker Kämmerer und Bürgermeisterkandidat von SPD und CDU, weil die Gemeinde einen Fördertopf des Wirtschaft- oder Landwirtschaftsministerium angezapft möchte. Der Finanzausschuss der Einheitsgemeinde Jork hat sich bereits dafür ausgesprochen, diese Fördermittel zu beantragen. Käme Geld aus einem Förderprogramm zum Einsatz und buttert die Gemeinde selbst noch ordentlich für den Breitbandausbau zu, wäre das neue Versorgungskonzept endlich auch für Telekommunikationsunternehmen lukrativ.

Diese Internet-Anbieter seien bislang nicht am Breitbandausbau in den unterversorgten Gemeinden interessiert, weil es für sie nicht rentabel sei, obwohl der Ausbau technisch durchaus längst möglich gewesen wäre, so Riel.

Die "Weißen Flecken" bei der Internetversorgung würden somit auch in den unversorgten Ortsteilen der Einheitsgemeinde Jork verschwinden. Die Bürger in Westerladekop, Hinterdeich, Gehrden, Lühe und Wisch, Königreich, Leeswig, Jork-Hove, Estebrügge und Moorende würden dann vom Breitbandausbau profitieren können. Den etwa 700 Haushalten und Unternehmen in diesen Gemeinden wie zum Beispiel dem Obstbauforschungszentrum "Esteburg" stehen derzeit nur sehr langsame Übertragungsraten von weniger als einem Megabit pro Sekunde zur Verfügung. Diesen nicht mehr zeitgemäßen Zustand wollen die Kommunalpolitiker der Einheitsgemeinde Jork seit Jahren ändern. Bereits 2009 befassten sich Rat und Verwaltung mit diesem Dilemma. Der Verwaltungsausschuss stimmte seinerzeit "der Beteiligung der Gemeinde Jork am vom Landkreis eingeleiteten nichtförmlichen Interessenbekundungsverfahren" zu.

Gegenstand des öffentlichen Interesses war also bereits vor rund drei Jahren "die Schaffung einer zuverlässigen, kostengünstigen sowie technologisch nachhaltigen und skalierbaren Breitbandinfrastruktur in den nachfolgend benannten und nicht ausreichend versorgten Gebieten im Landkreis Stade", ist den Ratsvorlagen aus dem Jahr 2009 zu entnehmen. Dazu war bei den Einwohnern eine Umfrage zur Breitbandversorgung durchgeführt worden, damit ein "nichtförmliches Interessenbekundungsverfahren" in Kooperation zwischen dem Landkreis und den beteiligten Gemeinden eingeleitet werden konnte. Neben Jork waren zugleich auch die Samtgemeinden Fredenbeck, Harsefeld, Apensen, Himmelpforten und Oldendorf an diesem Verfahren beteiligt.

Denn um im Landkreis Stade überhaupt theoretische Möglichkeiten auf eine Investitionsförderung für gemeindeübergreifende DSL-Projekte zu erhalten, musste sich der Landkreis mit den betroffenen Gemeinden auf Landesebene einem Wettbewerbsverfahren stellen. Dies wurde in Trägerschaft des Kreises unter Beteiligung aller Kommunen vorbereitet. Vorab war es notwendig, ein so genanntes "Interessensbekundungsverfahren" öffentlich einzuleiten, damit alle privaten Netzbetreiber und Bieter die Gelegenheit erhalten, Konzepte einzureichen, so Riel.

"Die Auswertung der Umfrage für unser Gemeindegebiet ergab, dass rund 3000 Einwohner nur die Möglichkeit zu einer Übertragungsgeschwindigkeit von unter einem Megabit haben", sagt Riel. Das Ergebnis ergab zudem eine Unterversorgung von mehr als 25 Prozent aller Haushalte. Davon sind in der Gemeinde Jork im Estebereich Richtung Buxtehude in Moorende und Teilen von Estebrügge und Königreich rund 2030 Einwohner betroffen.

Im Bereich des Ortsteils Borstel mit Neuenschleuse, Wisch und Lühe fehlt ein ordentliches Internetangebot rund 250 Einwohnern, in Gehrden betrifft es mehr als 50 Einwohner, in Ladekop mit Westerladekop und Hinterdeich etwa 200 Einwohner und in Borstel-Hinterbrack etwa 110 Bürger. Dazu kommen noch die rund 310 potenziellen Interessierten am Internet im Bereich Ortsteils Königreich-Leeswig.

Unklar ist weiterhin, welche Technik das schnelle Internet ermöglichen soll. Denkbar sind das "herkömmliche" DSL, aber auch UMTS sowie Glasfaserkabel und LTE. Dies steht für "Long Term Evolution" und gilt als modernes Turbo-Internet. Die ländlichen Regionen würden damit in technischer Hinsicht sogar besser versorgt werden als manche Städter, denn gegenüber normalen DSL-Leitungen brächte ein LTE-Netz enorme Unterschiede in der Geschwindigkeit. Geschwindigkeiten von 100 Megabit im Download und 50 Megabits im Upload sollen dadurch möglich werden.

In Jork gibt es nun jedenfalls Hoffnung, an der derzeitigen Situation, die für so viele Einwohner unbefriedigend ist, etwas zu ändern. "Diese Gelegenheit sollten wir nutzen", sagt Kämmerer Matthias Riel. "700 Haushalte, die angeschlossen werden würden, sind ein starkes Argument, wenn wir Fördergeld beantragen wollen. Ich sehe deshalb gute Chancen für unser Vorhaben."

Unklar ist allerdings nach wie vor, wann das schnelle Internet kommen könnte. Doch nach all den Jahren des Warten wären viele Altländer vermutlich froh, wenn sich in dieser Hinsicht überhaupt mal etwas tut.