Kreis Dithmarschen

Aggressiver Wolf jagt neben Kita – Gemeinde sperrt Gelände

Eine Gefahr für Kinder? Ein streunender Wolf im Wald (Symbolfoto).

Eine Gefahr für Kinder? Ein streunender Wolf im Wald (Symbolfoto).

Foto: imago images/Martin Wagner

Der Johanniter Waldkindergarten Christianslust reagiert auf einen Wolf, der Schafe reißt. Die Kinder dürfen nicht mehr in den Wald.

Christianslust. Verstecken spielen hinter Bäumen, Käfer suchen oder Blätter sammeln: Die Kinder des Waldkindergartens Christianslust nutzen den Forst bei Burg (Dithmarschen) normalerweise wie ein großes Spielzimmer der Natur. Am heutigen Freitag dürfen sie ihr heimatliches Revier allerdings nicht betreten. Schon am Donnerstag hatte die Gemeinde den Wald für die Kinder gesperrt. Der Grund: Es herrscht in der Gegend Angst vor einem Wolf.

Marco Strufe, Leitender Verwaltungsbeamter in der Gemeinde Burg, spricht von einer Präventivmaßnahme. An den letzten beiden Tagen vor den Weihnachtsferien sollten die Kinder ein anderes Gelände nutzen, in Absprache mit dem Träger hat die Gemeinde diesen Beschluss gefasst.

Wolf „GW1430m“ hat Schafe nahe dem Kindergarten gerissen

Der Wolf mit der Bezeichnung „GW1430m“ hat in den vergangenen Tagen in der Nähe des Forstes Christianslust mehrere Schafe gerissen. Die Fälle sorgten in der Region für einiges Aufsehen.

Auch für Proteste der betroffenen Tierhalter, die Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) auf einer Kundgebung in Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen empfangen haben – mit Kadavern von toten Schafen.

Ein Schäfer habe aus Sorge um seine Tiere seine Herde bereits in Sicherheit gebracht, ins benachbarte Frestedt, schildert Strufe. In der Folge hätten bei ihm die Alarmglocken geschrillt – "wie wird der Wolf reagieren, ob er sich andere Ziele sucht?", sagt der Verwaltungsbeamte. Daher habe er den Wald für die Kinder gesperrt, "Vorsorge ist besser als Nachsorge".

Wolf ist aggressiv, war offenbar im Blutrausch

"Der Wolf soll sehr aggressiv sein", ergänzt Regionalvorstand Udo Neumann vom Kita-Träger Johanniter Unfallhilfe in Kiel, das habe er in Gesprächen über die Lage vor Ort erfahren. Das Tier habe sich bei den Schafsrissen in einem Blutrausch befunden. Daher würden die Kinder in einem Ausweichquartier betreut.

Zuvor waren die Mitarbeiter, die sich in der Kita um 18 Kinder kümmern, bereits von Wolfsbetreuern instruiert worden. Sie sollten die Mädchen und Jungen zusammenhalten und eine Trillerpfeife mit in die Natur nehmen. Begegnet ist der Gruppe der Wolf allerdings noch nicht. Bereits seit Monaten sind Wölfe in der Region unterwegs.

Fakten über Wölfe

Entwarnung in dem Fall gibt der Wolfsberater von Schleswig-Holstein. "Von dem Wolf geht in der Gegend keine Gefahr aus", ist Jens Matzen überzeugt. Er habe sich Menschen bisher nicht genähert. Drei Schafsrisse seien „GW1430m“ zuzuordnen.

Wolf riss Schafe auf ungeschützten Weiden

Die Herden seien aber größtenteils nicht geschützt gewesen. So seien die Kriterien zu einer "Entnahme" des Wolfes, wie es in der Bürokratie heißt, auch nicht erfüllt. "Ein Töten des Tieres ist auch nach den neuen Regeln zum Umgang mit dem Wolf illegal", ergänzt Matzen.

Am Donnerstag hatte der Bundestag ein entsprechendes Gesetz zu den Abschuss-Regeln für Wölfe beschlossen. Matzen sieht in der Sperrung des Waldgebietes Christianslust nur eines: "Hier werden Ängste geschürt", die Maßnahme sei Folge eines gegenseitigen "Aufwiegelns".

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Wölfe würden keine Menschen angreifen, sagt der Wolfsberater. Es gebe in Europa aus den vergangenen 50 Jahren Berichte über neun Todesfälle. Diese würden aber auf keine gewöhnlichen Tiere zurückgehen. Fünf Menschen seien in Osteuropa von tollwütigen Wölfen getötet worden. "Bei uns gibt es aber keine Tollwut", sagte Matzen. Vier Personen seien in Spanien bei Wolfsangriffen ums Leben gekommen. In diesen Fällen hätten die Wölfe aber domestiziert werden sollen, sagt der Experte.

Kindergarten öffnet erst im Januar wieder

Während der Ferien will der Träger die Situation rund um den Wald bei Burg weiter beobachten. Am 6. Januar startet der Betrieb der Kita im neuen Jahr. Wo, sagt Neumann von den Johannitern, sei derzeit noch offen.