Nord- und Ostsee

Warnung vor Deutschlands giftigstem Fisch

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Matthias Popien
Petermännchen werden etwa 15 bis 50 Zentimeter lang. Auf dem Rücken tragen sie giftige Stacheln

Petermännchen werden etwa 15 bis 50 Zentimeter lang. Auf dem Rücken tragen sie giftige Stacheln

Foto: dpa Picture-Alliance / F. Hecker / picture alliance / blickwinkel/F

Das Petermännchen wird auch als „Kreuzotter der Küste“ bezeichnet. Es laicht ausgerechnet dort, wo Badegäste derzeit ins Meer steigen.

Fehmarn.  Die meisten Badegäste kennen ihn nicht, aber in diesen Tagen könnten sie ihm an der Nord- und Ostseeküste durchaus begegnen. Denn das Petermännchen, ein giftiger Fisch, weilt ausgerechnet im Juli und August ebenfalls als Badegast in seichten Ufergewässern. Es dürfte eine schmerzhafte Begegnung werden. Professor Andreas Schaper, Leiter des Giftinformationszentrums Nord, bezeichnet das Petermännchen als die „Kreuzotter der Küste“. In der Rückenflosse des Problem­fisches befinden sich Giftstacheln. Gerät man mit ihnen in Berührung, löst das heftigste Schmerzen aus. Klar ist: Badeschuhe schützen.

18 Anrufe von Nord- und Ostsee hat das Informationszentrum in diesem Jahr schon bekommen. „Die schleswig-holsteinischen Anrufe kamen unter anderem aus Lübeck, Pinneberg, Flensburg, Fehmarn und Heiligenhafen“, sagt Schaper. Viele Opfer merken erst zu Hause, dass sie ein ernstes Problem haben. Zwei Formen des Kontakts dominieren: Entweder melden sich Angler, die den Fisch mit der Hand berührt haben, oder Badegäste, die im flachen Wasser auf den Fisch getreten sind. Denn dort, in flachen und sandigen Zonen, laichen sie. Wie viele Badegäste in diesem Jahr Kontakt mit der „Kreuzotter der Küste“ hatten, ist unklar.

Auf Fehmarn haben sich drei Angler verletzt

Vor wenigen Tagen hat auch das Kieler Gesundheitsministerium vor dem Fisch gewarnt. Anlass: Auf der Insel Fehmarn haben sich in diesem Jahr schon drei Angler beim Versuch verletzt, den auf den ersten Blick harmlos wirkenden Fisch vom Haken zu nehmen. Seitdem informiert das Ministerium vor der Petermännchen-Gefahr. „Sehr selten kann es in den norddeutschen Küstengewässern zu unangenehmen Begegnungen von Badenden und Wassersportlern mit dem einzigen in unseren Gewässern heimischen Giftfisch kommen“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Und weiter: „Stichverletzungen sind an den deutschen Küsten seltener als am Mittelmeer, das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen verzeichnete 20 Fälle in fünf Jahren.“ Eine Information, die offenbar überholt ist. Immerhin hat es in diesem Jahr bereits 18 Fälle gegeben.

Professor Schaper vom Informationszentrum empfiehlt jedem Anrufer, der mutmaßlich mit dem Petermännchen in Kontakt gekommen ist, sich sofort ins Krankenhaus zu begeben. „Das sollte sich schon ein Arzt angucken“, sagt er. „denn die Wunde muss ja auf jeden Fall gereinigt werden, eine Wundinfektion muss ausgeschlossen werden.“

Giftstachel schnell aus der Wunde spülen

Das Petermännchen-Opfer kann allerdings auch selbst etwas tun. Wer mit den Giftstacheln in Berührung gekommen ist, sollte sofort versuchen, die Dornen aus der Wunde herauszuziehen, die Wunde auszuspülen oder zu desinfizieren und dann mit der Heiß-kalt-Methode zu beginnen. Denn das Petermännchen arbeitet mit einem Giftcocktail aus mehreren toxischen Proteinen – also mit Eiweiß, das mit Wärmeeinwirkung zum Stocken gebracht werden kann. „Die Methode hat sich eigentlich bewährt, in Südfrankreich hat es dazu sogar umfangreiche Untersuchungen gegeben“, sagt Schaper. Sie ist relativ einfach: Die betroffene Stelle muss zwei Minuten lang erhitzt werden. Dazu ist zum Beispiel ein Fön geeignet. Der ist am Strand natürlich nicht immer vorrätig, deshalb ist ersatzweise auch eine glimmende Zigarette einsetzbar, die in die Nähe der Wunde gehalten wird.

Wichtig: Es soll nicht so heiß werden, dass es Verbrennungen gibt. Nach diesen zwei Minuten muss die Wunde heruntergekühlt werden, am besten mit Eis oder Kühlelementen. Weitere Auskünfte sind beim Giftinformations­­zentrum Nord unter der rund um die Uhr erreichbaren Telefonnummer 0551/192 40 zu bekommen. Schaper empfiehlt Petermännchen-Opfern, die Verletzung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Es kann sein, dass man noch Monate später starke Schmerzen hat und deshalb Medikamente nehmen muss“, sagt er. Die Schmerzen können sich auch auf benachbarte Körperregionen ausweiten. Hinzu kommen laut Gesundheitsministerium lokale Reaktionen wie Schwellungen, Rötungen, Blasenbildung und Taubheit. In besonders schlimmen Fällen kann das Gift auch zu Übelkeit, Erbrechen oder gar einem Kreislaufkollaps führen.

In Frankreich gilt der Fisch als Delikatesse

An der Ostseeküste ist das Petermännchen-Problem bekannt. „Wir sind gewarnt“, sagt Oliver Behncke, der Tourismusdirektor der Insel Fehmarn. Allerdings sei es doch sehr selten, dass sich ein Badegast verletze. „Aus diesem Jahr ist mir kein Fall bekannt“, sagt er. „Die meisten Fische verschwinden wahrscheinlich auch aus den Badezonen, weil es ihnen da viel zu unruhig ist.“

Angler hätten sich hingegen schon verwundet. „Mir sind zwei Fälle bekannt, einer beim Brandungsangeln, einer auf einem Kutter in der Ostsee vor Fehmarn“, sagt Behncke. Gerade Angler müssen aufpassen: Auch nach dem Tod der Fische ist das Gift noch wirksam. In Frankreich zieht man dem Petermännchen deshalb die Stacheln – und verspeist ihn dann.