Landtagswahl im Norden

AfD-Direktkandidat schockiert Schüler

Merchandisingprodukte der AfD

Merchandisingprodukte der AfD

Foto: imago/Jens Jeske

An einem Gymnasium stellten sich Landtagskandidaten vor. Ein AfD-Politiker sorgte mit homophoben Ausfällen für einen Eklat.

Meldorf. Eine schulische Informationsveranstaltung für junge Erstwähler im schleswig-holsteinischen Meldorf endete am vergangenen Donnerstag mit einem Eklat: Wolfgang Rotsolk, AfD-Direktkandidat für den Landtagswahlkreis Dithmarschen-Süd, schockierte die Gymnasiasten der Meldorfer Gelehrtenschule mit diskriminierenden Äußerungen über Homosexuelle. Mehrere Zeugen, unter anderem Tom Arndt von der Schülervertretung, berichten, Rotsolk habe auf die Frage, wie er zu Homosexuellen stehe, geantwortet: „Die Männer sollen sich ruhig weiter selbst gegenseitig in den Arsch ficken. Lesbenpornos sehe ich mir ganz gern an.“

Schon zu Beginn der von Schülern organisierten Veranstaltung in der mehr als 475 Jahre alten Dithmarscher Traditionsschule soll sich Rotsolk (76) merkwürdig verhalten haben. Jedem der acht Landtagskandidaten für die Wahl am 7. Mai waren zwei Minuten Zeit für ein Eingangstatement eingeräumt worden. Rotsolk nutzte diese Zeit bei weitem nicht aus. Bei der Beschreibung der Wahlziele der AfD verwies er auf das Wahlprogramm, in dem alles nachzulesen sei. „Das war schon sehr merkwürdig“, sagt Tom Arndt, der die elfte Klasse des Gymnasiums besucht und die Veranstaltung moderierte. Rund 230 Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren nahmen daran teil.

Zum Eklat um den AfD-Mann kam es erst im zweiten Teil der Veranstaltung

Bei der Podiumsdiskussion hielt sich Rotsolk zunächst zurück. Zum Thema Flüchtlinge sagte er nach Angaben mehrerer Ohrenzeugen, zu denen auch Patrick Breyer gehört, der Landtagsabgeordnete der Piraten: „Ich sehe es nicht ein, dass Flüchtlinge in dieses Land kommen und dann genau so viel Rente wie ich erhalten.“ Eine nachweislich falsche Aussage, die von den anderen Diskussionsteilnehmern korrigiert wurde.

Zum Eklat kam es dann im zweiten Teil der Veranstaltung. Jeder der acht Landtagskandidaten setzte sich in ein Klassenzimmer und wurde dort von Schülern befragt. Nachdem Rotsolk sich in der erwähnten Weise über Homosexuelle äußerte, unterbrach ein anwesender Lehrer das Gespräch und schickte die Schüler aus dem Raum.

In Schleswig-Holstein darf erstmals ab 16 gewählt werden

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein dürfen diesmal erstmalig auch die ab 16-Jährigen an die Wahlurne gehen. Rund 57.000 solcher Erstwähler gibt es. Viele Schulen bieten deshalb in diesen Wochen Informationsveranstaltungen an. Welche politischen Gruppierungen eingeladen werden müssen, ist in einem Erlass des Bildungsministeriums geregelt. Es sind die Parteien, die bereits im Landtag vertreten sind oder laut Meinungsumfragen gute Chancen haben, in den Landtag zu kommen. Das Organisationsteam der Meldorfer Gelehrtenschule hatte deshalb Vertreter von CDU, SPD, Grünen, FDP, Piraten, Linke, SSW und AfD eingeladen.

Patrick Breyer, der Landtagsabgeordnete der Piraten, saß am Donnerstag ebenfalls auf dem Podium in der Gelehrtenschule. „Es war eine sehr gut organisierte Veranstaltung mit thematischen Schwerpunkten wie innere Sicherheit und Cannabis-Legalisierung“, sagt er. Breyer und Rotsolk sind einmal Parteifreunde gewesen.

Rotsolk war erst Linker, dann Pirat, jetzt kandidiert er für die AfD

Der 76-Jährige, der lange in Hamburg gelebt hat, mischte schon in mehreren Parteien mit. Er saß als Linker im Gemeinderat der Stadt Burg in Dithmarschen, schied im Krach und wechselte unter Mitnahme des Mandats zu den Piraten. Im Herbst vergangenen Jahres zog es ihn zur AfD, dort wurde er sofort Landtagskandidat für den Wahlkreis 7. Einen Platz auf der AfD-Landesliste hat er nicht.

Deshalb ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass es ihm gelingt, in den Landtag zu kommen. Nach Donnerstag ist es wohl noch ein wenig unwahrscheinlicher. „Die Schüler haben jetzt die Möglichkeit, die AfD begründet nicht zu wählen“, sagt Tom Arndt. AfD-Mann Rotsolk war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.