Kohltage

80 Millionen Kohlköpfe warten in Dithmarschen auf die Ernte

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Wolfgang Runge
Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen, v) zeigt  in Nordermeldorf  das Messer für den Kohlanschnitt. Hinter ihm stehen (l-r) Landrat Jörn Klimant, Kohlregentin Freia I. und Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen, v) zeigt in Nordermeldorf das Messer für den Kohlanschnitt. Hinter ihm stehen (l-r) Landrat Jörn Klimant, Kohlregentin Freia I. und Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer

Foto: Carsten Rehder / dpa

Am Dienstag sind in dem riesigen Anbaugebiet die „Kohltage“ gestartet. Landwirtschaftsminister Habeck rechnet mit gutem Ertrag.

Nordermeldorf.  In Europas größtem geschlossenen Kohlanbaugebiet ist in Nordermeldorf mit dem traditionellen Kohlanschnitt der offizielle Beginn der Ernte eingeläutet worden. „Nach ersten Schätzungen können sich die Landwirte dieses Jahr auf eine gute Kohlernte freuen“, sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Dienstag bei der Eröffnung der 29. Dithmarscher Kohltage. Zwar habe es in einigen Gebieten leichte Nässeschäden gegeben, aber insgesamt scheine die Qualität gut zu sein. Der Absatz laufe, die Preise seien gestiegen.

Dithmarschen gilt mit einer Ackerfläche von mehr als 3000 Hektar als Deutschlands Kohlkammer. Rund 80 Millionen Kohlköpfe sollten bis November geerntet werden, sagte Kreissprecherin Melanie Kaacksteen. Aneinandergereiht würde das zehnmal die Strecke von Kiel nach München und zurück ergeben. Hauptsächlich werde zwischen Hamburg und Sylt Weiß-, Rot- und Wirsingkohl gepflanzt. Die bis Sonntag andauernden Kohltage locken nach Angabe der Organisatoren jährlich rund 300 000 Gäste nach Dithmarschen.

Begonnen hatte alles vor mehr als 125 Jahren im Dithmarscher Kirchspiel Wesselburen. Dort startete der Gärtner Eduard Laß 1889 Experimente mit dem Anbau verschiedener Gemüsearten. Der Kohl erwies sich für das Klima und die Bodenbedingungen an der Westküste als am besten geeignet. Andere Landwirte folgten seinem Beispiel, und binnen zehn Jahren sei die Anbaufläche für Kohl in Wesselburen von drei auf mehr als 280 Hektar gewachsen, sagte Kaacksteen.

Heute leben in der Region 275 Bauern von dem gesunden Gemüse. Sie liefern die Hälfte ihrer Ernte bis November direkt vom Feld an die Verbraucher. Der Rest wird eingelagert. Moderne Kühlanlagen ermöglichen die Vermarktung der Ware bis in den nächsten Sommer.

Von den 600 000 Tonnen in Deutschland angebautem Kohl stammt fast ein Drittel aus Dithmarschen. Lediglich fünf Prozent der Dithmarscher Kohlernte landen in schleswig-holsteinischen Kochtöpfen. Der Rest wird europaweit vermarktet. Laut Statistik isst jeder Deutsche rund sechs Kilogramm Kohl im Jahr.

Bei den Kohltagen gibt es auch einige skurrile Programmpunkte. Im Rahmen der „Kohl-Expo“ in Wesselburen sollen etwa Wettbewerbe im Stapeln von Kohl-Pyramiden oder die Krauthobel-WM stattfinden. Und in Brunsbüttel soll die „längste Kohltafel der Welt“ gedeckt werden, wie die Veranstalter mitteilten.