Kiel

Schleswig-Holsteins Berufsfischern fehlt der Nachwuchs

Der Pellwormer Hafen ist nicht nur ein Fischereihafen, sondern auch ein Handelshafen für die Küstenschifffahrt sowie Yacht- und Fährhafen

Der Pellwormer Hafen ist nicht nur ein Fischereihafen, sondern auch ein Handelshafen für die Küstenschifffahrt sowie Yacht- und Fährhafen

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus Nowottnick / picture alliance / Klaus Nowottn

Die Berufsfischer blicken düster in die Zukunft. Fehlender Nachwuchs und drohende Quotenkürzungen bereiten den Familienbetrieben Sorge.

Kiel. Schleswig-Holsteins Berufsfischern fehlt der Nachwuchs. Im vergangenen Jahr haben nur 21 junge Menschen mit der Ausbildung zum Fischwirt „Kleine Hochsee- und Küstenfischerei“ begonnen. Viele Jungfischer blieben zudem nicht in der Branche, sondern nutzen ihre dreijährige Ausbildung als Sprungbrett, sagte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Lorenz Marckwardt, am Freitag.

Neben Fischereibiologie, Fangtechnik, Netz- und Motorenkunde lernen sie unter anderem auch Verarbeitung der Fische oder Krabben sowie Reparatur und Pflege der Fangeinrichtungen und der technischen Geräte an Bord sowie Steuerung und Navigation eines Kutters. „Wir müssen mehr ausbilden, die auch später in der Fischerei bleiben. Der Einstieg für Jungfischer muss gefördert werden“, erklärte Marckwardt.

Marckwardt, der selbst in vierter Generation in einem Familienbetrieb mehr als 50 Jahre als Fischer unterwegs war, nannte zwei Gründe für die Nachwuchssorgen: Zum einen bekämen Jungfischer von ihren Banken nicht ausreichend Kredite, um sich einen neuen Kutter anzuschaffen. „Außerdem wird die Fischerei sehr negativ dargestellt.“

Was bei einer Quotensenkung droht

Dazu gehört unter anderem die Befürchtung vieler Ostseefischer, dass die Quote für ihren sogenannten Brot-Fisch - den Dorsch - um bis zu 80 Prozent abgesenkt werden könnte. Marckwardt geht davon aus, dass die Quotenabsenkung „nur“ bei 15 bis 20 Prozent liegen wird: „Trotzdem wird auch das die Fischerei schwächen.“

In diesem Jahr sei die Dorsch-Quote wegen des guten Bestands vorzeitig abgefischt. „Viele Fahrzeuge müssen jetzt schon liegen und versuchen auf Plattfisch auszuweichen.“ Viele gewachsene Familienbetriebe könnten nur Dorsch fischen, weil sie vor Ort gebunden seien und keine Zuteilung auf andere Fischarten hätten.

Auch auf Hering könnten sie nicht abweichen, denn Schleswig-Holsteins Fischer haben nur 20 Prozent der Heringsquote. Die übrigen 80 Prozent der Heringsquote haben die Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern zu bewirtschaften. „Wenn die harte Absenkung kommt, wird es daher ein Sterben der Fischerei an Schleswig-Holsteins Küste geben“, warnte Marckwardt. „Gewachsene Familienbetriebe mit ihren 15 bis 18 Meter langen Kuttern und zwei bis drei Mann Besatzung werden das nicht überleben.“ (dpa)