Nach Schließung

„Friesenhof“-Heimbetreiberin stellt Insolvenzantrag

Die Leiterin der „Friesenhof“-Jugendheime in Dithmarschen, Barbara Janssen, hatte die Vorwürfe, nach denen in den Heimen Jugendliche schikaniert worden sein sollen, als haltlos zurückgewiesen

Die Leiterin der „Friesenhof“-Jugendheime in Dithmarschen, Barbara Janssen, hatte die Vorwürfe, nach denen in den Heimen Jugendliche schikaniert worden sein sollen, als haltlos zurückgewiesen

Foto: Carsten Rehder / dpa

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christian Heim bestellt.

Kiel.  Nach der Schließung der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ im Kreis Dithmarschen hat die Betreiberin Barbara Janssen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Meldorf gestellt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christian Heim bestellt, heißt es in der Bekanntmachung des Amtsgerichts vom 5. Juni. Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord darüber berichtet.

Wegen unzureichenden Fachpersonals und inakzeptabler pädagogischer Methoden hatte das Landesjugendamt in der vergangenen Woche zwei Einrichtungen des Friesenhofs schließen lassen. Dabei wollten einige Mädchen weglaufen, zwei Mädchen verletzten sich mit Scherben selbst und mussten im Krankenhaus ambulant behandelt werden.

Insolvenzverwalter Heim war am Montag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Janssen sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur, der Insolvenzantrag beziehe sich auf die beiden Heime, denen die Betriebserlaubnis entzogen worden sei. Eines der beiden Heime war laut Sozialministerium ohnehin nicht mehr belegt gewesen. In dem anderen Heim lebten ursprünglich zehn Mädchen, wegen Ausreißens von zwei Mädchen aber zuletzt nur noch acht. Bereits vergangene Woche kamen sechs Mädchen in andere Einrichtungen, ein Kind kam zu seinen Eltern und eine fast 18-Jährige wohnt jetzt bei Janssen privat.

Zwei weitere Einrichtungen, das „Töchterhaus Charlottenhof“ in Hedwigenkoog für bis zu 15 Mädchen und junge Frauen sowie das „Dithmarscher Haus“ in Wesselburen, werden laut Janssen weiterbetrieben. Im Dithmarscher Haus können laut „Friesenhof“-Homepage „junge Frauen und junge Männer das eigenständige Wohnen trainieren und hierbei noch zu ihrer Sicherheit und Orientierung auf ein hohes Maß personeller und materieller Ressourcen der Einrichtung zurückgreifen“.

Am Dienstag wird sich der Sozialausschuss des Landtags bei einer Sondersitzung auf Antrag der CDU mit dem „Friesenhof“ und der behördlichen Aufsicht befassen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob das Landesjugendamt zu spät auf vorliegende Beschwerden über den Friesenhof reagiert habe beziehungsweise erst, nachdem eine Anfrage der Linken in der Hamburger Bürgerschaft den Fall in die Öffentlichkeit brachte.

Die Kieler Sozialstaatssekretärin Anette Langner hat den Vorwurf, nicht rechtzeitig angemessen gehandelt zu haben, zurückgewiesen. Zwar habe es Beschwerden schon vor dem zweiten Halbjahr 2014 gegeben, aber diese seien nicht hinreichend für einen Entzug der Betriebserlaubnis gewesen.

Im zweiten Halbjahr 2014 habe es dann massive Beschwerden gegeben, denen das Landesjugendamt Ende Januar mit einer unangemeldeten Kontrolle nachgegangen sei. Umgehend seien „als schärfste Waffe“ umfassende Auflagen erlassen worden, gegen die die Betreiberin sich juristisch gewehrt habe. Dann sei aber eine Konkretisierung der Auflagen im beiderseitigen Einvernehmen erfolgt. Nach der Überprüfung, ob die Auflagen auch eingehalten würden, habe dann das Landesjugendamt am 3. Juni die Betriebserlaubnis entzogen.

Der Kreis Dithmarschen hat nach Darstellung der zuständigen Bereichsleiterin Renate Agnes Dümchen seit etwa 2013 Jugendliche wegen der inakzeptablen Zustände nicht mehr zum Friesenhof geschickt. Bis auf eine Ausnahme habe auch seit 2014 kein anderes Jugendamt im Norden den Friesenhof belegt. Die Mädchen kamen überwiegend aus Hamburg sowie anderen Bundesländern. Dem Landesjugendamt sei bekanntgewesen, dass Jugendämter im Norden den Friesenhof wegen untragbarer Zustände nicht mehr nutzten, sagte Dümchen. (dpa)