Misshandlungs-Vorwurf

Jugendamt will umstrittene Friesenhof-Heime schließen

Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog (Schleswig-Holstein) sieht sich mit schweren Vorwürfen zum Umgang mit Jugendlichen konfrontiert

Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog (Schleswig-Holstein) sieht sich mit schweren Vorwürfen zum Umgang mit Jugendlichen konfrontiert

Foto: Carsten Rehder / dpa

Nach unangekündigter Kontrolle des Friesenhofs in Dithmarschen Verfahren zur Schließung eingeleitet. Grund: Zu wenig Fachpersonal?

Kiel/Hamburg.  Das Landesjugendamt Schleswig-Holstein will die Jugendhilfeeinrichtung Friesenhof im Kreis Dithmarschen zum Teil schließen. Nach einer unangekündigten Kontrolle von zwei Heimen des Friesenhofs werde ein Verfahren zum Widerruf der Betriebserlaubnis für eine der beiden geprüften Einrichtungen eingeleitet, teilte das Sozialministerium am Dienstag in Kiel mit. Einem weiteren zurzeit nicht belegten Heim des Friesenhofs, das konzeptionell weitgehend identisch sei, solle ebenfalls die Betriebserlaubnis entzogen werden.

Die Trägerin der Einrichtung soll am Mittwoch angehört werden. Nach einer unangekündigten Kontrolle werde ein Verfahren zum Widerruf der Betriebserlaubnis für zwei der drei Heime des Friesenhofes eingeleitet, teilte das Sozialministerium am Dienstag in Kiel mit.

Maßgeblicher Grund für die beabsichtigte Schließung sei das Fehlen von ausreichend qualifiziertem Personal. Daneben entspreche der Umgang mit den Jugendlichen nicht den vereinbarten pädagogischen Maßstäben. „Das Wohl der Jugendlichen und deren Würde haben Priorität. Das muss der Maßstab des Landesjugendamtes sein“, erklärte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).

In den Dithmarscher Heimen leben nach Angaben von Betreiberin Barbara Janssen derzeit 35 Mädchen und junge Frauen mit schweren psychischen Problemen, Verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Unter ihnen sind nach Angaben der Hamburger Jugendämter zurzeit auch fünf Jugendliche aus der Hansestadt. Mädchen, aber auch ehemalige pädagogische Mitarbeiter werfen der Einrichtung vor, Jugendliche misshandelt zu haben.

Nach Beschwerden von Bewohnerinnen hatte das Landesjugendamt bereits Ende Januar eine erste Prüfung an allen drei Standorten veranlasst. Als Ergebnis waren Auflagen erlassen worden, die später in eine Vereinbarung mit der Trägerin umgewandelt wurden. Darin wurde etwa festgelegt, dass Kleidung und Gegenstände der Bewohnerinnen durchsucht werden dürfen, aber dabei nur im Einzelfall ein vollständiges Entkleiden erlaubt ist. Auch die Einschränkung der Kontakte nach außen wird genauer festgelegt. Von einem Mangel an qualifiziertem Personal war in der Vereinbarung nicht die Rede.

Ende vergangener Woche hatte die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft die Angelegenheit an die Öffentlichkeit gebracht. Fraktionschefin Sabine Boeddinghaus hatte am Montag erklärt, die Zustände in der Jugendhilfeeinrichtung erinnerten „an ein Straflager“. Janssen wies die Vorwürfe als Trägerin zurück. Sie bedauerte zugleich, dass durch falsche Behauptungen Vertrauen zwischen Eltern, ihrer Einrichtung und den Jugendämtern zerstört worden sei. „Unser Konzept ist erfolgreich“, betonte sie. Im vergangenen Jahr hätten acht Bewohnerinnen einen Schulabschluss gemacht. (dpa/HA)