Jugendheim „Friesenhof“

Schwere Vorwürfe: Wurden Mädchen in Jugendhilfe gequält?

Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Kristin Alheit (SPD): „Ich erwarte, dass bei festgestellten Mängeln alle Beteiligten rasch und im Sinne der Jugendlichen handeln“

Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Kristin Alheit (SPD): „Ich erwarte, dass bei festgestellten Mängeln alle Beteiligten rasch und im Sinne der Jugendlichen handeln“

Foto: Carsten Rehder / dpa

Die Linke in Hamburg erhebt schwere Vorwürfe gegen das Jugendheim „Friesenhof“ und Jugendämter. Der Senat bestätigt die Beschwerden.

Hamburg/Kiel. Schwere Vorwürfe gegen das Jugendheim „Friesenhof“: In drei Einrichtungen in Schleswig-Holstein sollen junge Frauen von männlichen Betreuern beleidigt, gedemütigt und auf Video aufgenommen worden sein. Das behauptet die Fraktion Die Linke in der Hamburger Bürgerschaft. In den Einrichtungen waren im Auftrag mehrerer Jugendämter seit 2008 demnach auch 80 Mädchen und junge Frauen aus den Hamburger Bezirken Mitte, Harburg und Wandsbek untergebracht.

Ende Januar erschienen Mitarbeiter des Landesjugendamtes Schleswig-Holstein (LJA) zu unangekündigten Besuchen in den drei Einrichtungen im Kreis Dithmarschen und sprachen mit Bewohnerinnen und Mitarbeitern. Dabei wurden offenbar eklatante Missstände festgestellt. In einem Brief vom 18. Februar, der dem Abendblatt vorliegt und an Stellen des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in Hamburg verschickt wurde, listet der LJA strenge Auflagen auf: Ab sofort sei untersagt, dass sich „Bewohnerinnen vor dem Betreuungspersonal nackt ausziehen müssen“ oder ihnen „persönliche Dinge weggenommen“ würden.

Die Betreuer dürften außerdem keine Kollektivstrafen verhängen oder einzelne Bewohner mit „entwürdigenden Maßnahmen“ wie Essensentzug, erzwungenem Essen, nächtlichem Wecken, Sprechverbot, Anschreien oder Beschimpfungen belegen. Außerdem seien keine Film- und Fotoaufnahmen der Bewohnerinnen anzufertigen. Dies legt nach Ansicht der Linken nahe, dass dies zuvor Praxis in den Einrichtungen der Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ mit Hauptsitz in Büsum war.

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linke-Fraktion bestätigt der Senat, dass es im Jahr 2014 Beschwerden von Ex-Mitarbeitern und Bewohnern über „massive Angst“ und eine „menschenunwürdige Behandlung“ in den Einrichtungen gab. Weiter heißt es, dass Jugendämter Gespräche mit Bewohnerinnen geführt hätten, dabei keine Gefährdung festgestellt wurde. Nach Erteilung der Auflagen besichtigten Beamte aus Hamburg die Einrichtungen. Aktuell sollen dort sechs Hamburgerinnen untergebracht sein.

Die Hamburger Sozialbehörde erfuhr nach Abendblatt-Informationen erst durch die Kleine Anfrage von den Vorwürfen. Die Jugendämter hielten die Auflagen des LJA für ausreichend. Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) sagte: „Ich erwarte, dass bei festgestellten Mängeln alle Beteiligten rasch und im Sinne der Jugendlichen handeln.“