Handball

Hamburg-Ligisten erkämpfen sich ihre Corona-Pause

Jörg Baguley (56) ist seit dieser Saison Trainer der Hamburg-Liga-Männer des TuS Esingen. 

Jörg Baguley (56) ist seit dieser Saison Trainer der Hamburg-Liga-Männer des TuS Esingen. 

Foto: Ha / HA

Höchste Landesklasse hätte nach erstem Verbandsbeschluss die Punktrunde fortsetzen sollen. Gemeinsamer Brief stimmt den Verband um

Tornesch.  Nun ist es doch passiert. Der Hamburger Handball-Verband hat wegen des dynamischen Pandemie­geschehens nach der bereits am Mittwochabend verkündeten Einstellung des Spielbetriebs in allen Klassen von Landesliga an abwärts nun auch die Aussetzung aller Punktspiele in der Hamburg-Liga mitgeteilt. Die Regelung gilt per sofort und hat keinen Einfluss auf die Ansetzungen in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein oder höheren Klassen. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden.

So kompakt der Beschluss nun auf der Verbands-Webseite nachzulesen ist, so hoch haben doch die Wogen geschlagen, nachdem das HHV-Präsidium den ersten Teilbeschluss veröffentlicht hatte. Bereits zuvor hatte sich das zweite Männerteam des FC St. Pauli im offenen Brief an die Handballgemeinde gewandt, plädierte für ein Spiel-/Ligapause, um sich und andere nicht zu gefährden.

Unklarheit über Konsequenzen schürt Unruhe

Die dann verkündete Zweiteilung der Ligen im ersten Beschluss brachte sofort weitere Diskussionen auf. Rein nach Regelwerk wären unterklassige Teams in die Pause gezwungen worden, hätten aber nach Ende der Pause unbeschadet wieder anfangen können. Hamburg-Ligisten hingegen, die sich bußgeldfrei hätten abmelden dürfen, wenn sie sich einem Risiko nicht hätten aussetzen wollen, hätten dennoch mit dem Zwangsabstieg rechnen müssen.

Eine Lesart, welcher der Verbandsvorstand widerspricht. „Mit der am Mittwochabend durch das erweiterte Präsidium beschlossenen Fortführung des geregelten Spielbetriebs in den Hamburg-Ligen sollte lediglich für Mannschaften, die weiter spielen wollen, die Möglichkeit dafür geschaffen werden. Niemand sollte und soll aber angesichts der derzeitigen Lage zum Spielen gezwungen werden.“

In kurzer Zeit organisieren die Teams eine Videokonferenz

Wie wenig die Männerteams der Hamburg-Liga von der ersten Regelung hielten, machten sie allein schon dadurch deutlich, dass sie innerhalb eines halben Tages für den Donnerstagabend per Whatsappgruppe und Telefonaten eine Videokonferenz organisierten, an der Vertreter aller 13 Teams teilnahmen.

Zwei Meinungsbilder trafen da aufein­ander; ein Teil der Vereine wollte weiterspielen. Doch nach Austausch aller Argumente ergab die Abstimmung eine Dreiviertel-Mehrheit für einen Brief an den HHV mit der Aufforderung, den Spielbetrieb nach gleichem Muster wie in den unteren Klassen auszusetzen.

Sascha Burmeister, Männertrainer der HSG Pinnau, bringt das Ansinnen dahinter auf den Punkt: „Lieber jetzt reagieren, bevor uns wieder alles weggenommen wird. Nur Training mit dem Team in der Halle haben, das ist doch immer noch besser als allein zu Hause.“

Esingens Trainer sieht sein Team gegen Hamburg-Nord II zum ersten Mal in Aktion

Kurios sind die Auswirkungen der so erreichten Spielpause für Jörg Baguley. Für den neuen Trainer der Männer des TuS Esingen – am ersten Spieltag 33:23-Sieger über die SG Hamburg-Nord II – bleibt damit seine Mannschaft immer noch eine Art Überraschungspaket. „Es ist kaum zu glauben, aber in unserem Punktspiel habe ich mein Team zum ersten Mal in Aktion gesehen“, sagte der 56 Jahre alte Wedeler. „In der Vorbereitungsphase haben reihum Testgegner abgesagt; und bei dem einzigen Vorbereitungsspiel mit einem externen Gegner, das dann doch stattgefunden hatte, habe ich wegen eines langfristigen Termins gefehlt. Wie wir uns aber gegen Hamburg-Nord präsentiert haben, sagt mir, dass ich wohl einiges richtig gemacht habe.“

Wie es nun für die Tornescher weitergeht, darüber grübelt Baguley noch nach: „Es läuft wohl auf ein lockeres Treffen demnächst hinaus, zum Reden und vielleicht etwas Kicken. Danach machen wir wohl ein oder zwei Wochen Pause, ehe wir wieder trainieren werden. Es ist wichtig, dass wir einen Zeitraum haben, der sich wie Pause anfühlt. Von nun an durchzutrainieren, bis die Liga weitergeht, das wäre kontraproduktiv.“

Frauenteams sind mit gefundener Lösung zufrieden

„Ich finde es richtig, dass wir uns nun erstmal aufs Training konzentrieren und abwarten, wie sich alles entwickelt“, sagt Andree Buhse, Trainer der Hamburg-Liga-Handballerinnen des Moorreger SV. Den ersten Spieltag hatten diese mit einer 30:35-Niederlage gegen die SG Hamburg-Nord beendet.

Am Donnerstagabend wurde via Whatsapp-Gruppe auch zwischen den Frauen-Coaches diskutiert und debattiert, ehe der Verband sich dann letztendlich doch für das Aussetzen der Serie entschloss. Tendenziell wäre seine Mannschaft bereit gewesen, weiterzuspielen.

Vor der Entscheidung sagte der MSV-Coach, der in Doppelfunktion auch Trainer der Moorreger Landesliga-Frauen ist, die auf jeden Fall hätten pausieren sollen: „Es stünden dann knapp 30 Spielerinnen zur Verfügung. Die Mädels haben sich darauf verständigt, bei Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben. Niemand hat übermäßig Angst, wir wollen spielen.“

Allerdings sahen es Buhse und seine Trainerkollegen kritisch, dass es zu jenem Zeitpunkt nur spärliche Informationen darüber gab, welche Konsequenzen ein Verzicht überhaupt habe. Zu lange herrschte Unklarheit darüber, ob eine Abmeldung den Abstieg zur Folge hätte haben können.

Für Aufsteiger Halstenbeker TS/Blau-Weiß 96 war der 30:24-Erfolg gegen den Eimsbütteler TV ein sehr gelungener Saisonauftakt. Die erst für Januar zu erwartende Fortsetzung der Saison wird mit gemischten Gefühlen gesehen. Beim Team von Trainer Lutz Lauenroth hatte die allgemeine Tendenz vorgeherrscht, die Spielzeit vorerst fortzuführen.

Uetersens Frauen haben ersten Corona-Verdachtsfall verzeichnet

Das Thema Corona hat den TSV Uetersen bisher wohl am meisten beschäftigt. Eine Spielerin hatte Kontakt zu einem Infizierten, der 1. Spieltag der Rosenstädterinnen wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Von Sonnabend an wartete die Betroffene auf einen Testtermin – dieser erfolgte erst am Mittwochnachmittag. Ein Ergebnis stand auch am Freitag aufgrund der Überlastung der Gesundheitsämter nach wie vor aus. Abteilungsleiterin Silke Ladiges fehlte auch das Verständnis dafür, dass die Ligen unterhalb der Hamburg-Liga aussetzen sollten – die Hamburg-Liga aber nicht. „Die Ansteckungsgefahr ist ja in allen Ligen gleich“, sagte sie.

Angeregt diskutiert wurde auch beim TuS Esingen und TSV Ellerbek II (26:29 gegen SC Alstertal-Langenhorn II, 22:27 gegen SG Wilhelmsburg) mit dem Ergebnis, dass ein solidarischer Saisonabbruch, dem Beispiel der Männer-Liga folgend, begrüßt werde. Es gelte nun, im Training fit zu bleiben, um dann spätestens im Januar wieder loszulegen.