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Corona: Dem Sport in Hamburg droht der nächste Lockdown

Der Höhenflug der Zweitliga-Handballer des HSV Hamburg um Jan Forstbauer (27) ist erneut gestoppt, das Team befindet sich in Quarantäne.

Der Höhenflug der Zweitliga-Handballer des HSV Hamburg um Jan Forstbauer (27) ist erneut gestoppt, das Team befindet sich in Quarantäne.

Foto: Witters

Corona-Fälle und Spielverlegungen häufen sich. Hamburger Politik und Verbände beraten über Beschränkungen.

Hamburg. Immer mehr Corona-Fälle, immer mehr Absagen: Kaum ist der Spielbetrieb in den Profi- und Amateur­ligen wieder angelaufen, droht der komplette Stillstand. Die jüngsten Beispiele aus dem Handball und Basketball, aber auch aus dem Fußball zeigen: Die zweite Welle der Corona-Pandemie rast dem Sport entgegen – allen Sicherheits- und Hygienekonzepten zum Trotz.

Allein am Mittwoch mussten vier Partien der Zweiten Handball-Bundesliga abgesagt werden, darunter das Heimspiel des HSV Hamburg (HSVH) gegen Bayer Dormagen, nachdem erneut zwei HSVH-Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Hamburger, die zuvor sechs positive Fälle hatten, befinden sich weiterhin in Quarantäne, absolvierten am Mittwoch noch einmal einen Schnelltest, um bei negativen Ergebnissen doch wieder trainieren zu können.

Wie die HSV-Handballer mit den Corona-Fällen umgehen

Die infizierten Spieler sind isoliert. Zudem droht ihren Teamkollegen, die auf der Rückfahrt am Sonnabendmorgen vom Auswärtssieg beim EHV Aue (35:32) im Bus neben ihnen saßen, die volle 14-tägige Quarantäne. Da mit Thore Feit (17) auch ein Spieler bei den Profis und den Junioren zum Einsatz kam, ist von den Behörden auch für alle Nachwuchsspieler eine Quarantäne angeordnet worden. Mögliche Infektionen sollen so nicht in die Schulen getragen werden.

„Natürlich sind auch wir von den im ganzen Land steigenden Infektionszahlen betroffen, das überrascht uns nicht“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL): „Nichts läuft chaotisch, sondern sehr sortiert. Wir planen weiter, den Regelbetrieb durchzuführen.“ Dem HSVH droht im schlimmsten Fall, mit einem Minikader am Sonntag (17 Uhr) beim TV Großwallstadt antreten zu müssen.

Corona: Wird Mannschaftstraining verboten?

Der Sport wird sich in den kommenden Wochen auf gravierende Einschränkungen einstellen müssen. Diese würden sich, sagte Hamburgs Sportstaatsrat Christoph Holstein dem Abendblatt, zunächst jedoch auf das Umfeld und nicht den direkten Betrieb beziehen. Das schrittweise Reduzieren von Zuschauerkapazitäten bis hin zu erneuten Komplettausschlüssen sei ein Mittel, das Anwendung finden dürfte.

Aber auch die Verkleinerung von Trainingsgruppen – aktuell sind im Mannschaftssport bis zu 30 Personen erlaubt, die gemeinsam üben – bis hin zu einer Einstellung des Spielbetriebs in Amateursportarten, in denen das Schaffen einer Blase mit regelmäßiger Durchführung von Corona-Tests nicht möglich ist, müsse man befürchten. Die vielfach geäußerte Behauptung, dass im Sportbetrieb kaum Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verzeichnen seien, sei laut Holstein zwar nicht falsch, aber auch nicht belastbar nachzuweisen.

„Wir müssen einerseits unserer Verantwortung gerecht werden und wollen die negativen Auswirkungen auf den Sportbetrieb andererseits so klein wie möglich halten. Darüber gibt es täglich Gespräche zwischen Sportamt und Sport. Alle sind sich einig: In der aktuellen Lage wäre es nicht seriös, etwas kategorisch auszuschließen“, sagte Holstein. Wann Neuregelungen greifen könnten, ist unklar. „Es gibt keinen festen Termin, zu dem wir Verschärfungen planen. Dafür ist die Entwicklung zu dynamisch.“

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Einige Sportler wollen den Lockdown

Allerdings gibt es in diversen Sportarten längst Bestrebungen, auf eine offizielle Entscheidung seitens der Behörden gar nicht zu warten, sondern pro­aktiv den Trainings- und Spielbetrieb zu reduzieren oder gar einzustellen. „Uns erreichen aus verschiedenen Bereichen des Sports Forderungen danach, den Sportbetrieb einzustellen oder zu beschränken – auch weil Stress mit dem Arbeitgeber befürchtet wird, wenn man sich beim Sport infiziert hat“, sagte Holstein.

Da die Ausübung von Amateursport nicht als dringend notwendige Tätigkeit gilt, könnten Arbeitnehmern, die sich in Training oder Spiel infizieren, arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen. Holstein unterstrich, dass der Sport die Entscheidung über das Aussetzen des Spielbetriebs oder die Konsequenzen bei freiwilligem Nicht-Antreten aktuell noch autonom treffen dürfe.

Wie der Soort in Hamburg mit Corona umgeht

Der Hamburger Volleyball-Verband hat seinen Spielbetrieb bei den Erwachsenen und Jugendlichen bereits ausgesetzt, führt diesen ohne Wertung mit freiwillig antretenden Clubs weiter. Im Hamburger Handball-Verband tagte am Mittwoch das Präsidium. Zahlreiche Mannschaften haben ihre Meldungen für die Saison zurückgezogen. Vom Verband war zumindest in den untersten Spielklassen eine teilweise Aussetzung des Spielbetriebs zu erwarten.

In den Hallenhockey-Bundesligen der Damen und Herren, die am letzten Novemberwochenende starten sollen, hat der Deutsche Hockey-Bund seinen Vereinen die Teilnahme freigestellt. Die Abstiegsregelung wird ausgesetzt, wer nicht antritt, verwirkt auch nicht sein Recht, in der kommenden Saison wieder in der Eliteklasse zu starten. In Hamburg entschied der Uhlenhorster HC, seine Leistungsteams nicht für die Hallensaison 2020/21 zu melden. Die Final-Four-Endrunde soll Anfang Februar ausgetragen werden.